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Ein Sicherheitszentrum in der Gefahrenzone

03.12.2022 • 21:36 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Im bestehenden Feuerwehrhaus Bizau herrscht Platznot, außerdem ist die Infrastruktur nicht mehr zeitgemäß. Jetzt soll an einem anderen Platz neu gebaut werden. <span class="copyright">WILLI</span>
Im bestehenden Feuerwehrhaus Bizau herrscht Platznot, außerdem ist die Infrastruktur nicht mehr zeitgemäß. Jetzt soll an einem anderen Platz neu gebaut werden. WILLI

In Bizau ist ein Neubau für die Feuerwehr und Bergrettung geplant. Das dafür vorgesehene Grundstück bringt einige Herausforderungen mit sich.

Die Ortsfeuerwehr Bizau mit ihren derzeit 30 aktiven Mitgliedern und 15 Jugendlichen benötigt eine neue Unterkunft. Der Grund: Die Räumlichkeiten sind beengt, außerdem gibt es funktionale Mängel.

Die Feuerwehrleute müssen sich in der Garage umziehen, und die Sanitäranlagen sind nicht geschlechtergetrennt ausgelegt. Zudem müsse in den nächsten Jahren Platz für ein neues bzw. zusätzliches Fahrzeug geschaffen werden, sagt der Feuerwehrverband. Platz, der nicht da ist.

Ein Sicherheitszentrum in der Gefahrenzone
Bürgermeister Norbert Greussing. Ritter

Mehrfach geprüft

Eine Erweiterung des bestehenden Standortes sei mehrfach und intensiv geprüft worden, sagt Bürgermeister Norbert Greussing auf Anfrage. „Allerdings immer mit einem nicht zufriedenstellenden Gesamtergebnis. Letztlich blieb die Erkenntnis, dass am bestehenden Standort eine sinnvolle Erweiterung nicht möglich ist.“ Dies hat mehrere Gründe. Zum einen bräuchte es weitere Grundstücksflächen, die der Gemeinde nicht zur Verfügung stehen. Zum anderen eröffne der Standort zahlreiche Perspektiven für andere öffentliche Nutzungen, hält Greussing fest.

„Am bestehenden Standort ist eine sinnvolle Erweiterung nicht möglich. Wir haben das mehrfach und intensiv geprüft.“

Norbert Greussing, Bürgermeister

Steiler Hang

Nur 100 Meter Luftlinie entfernt soll nun ein neues Gebäude für die Feuerwehr und die Bergrettung errichtet werden. Ein Architekturwettbewerb wurde bereits ausgeschrieben. Der neue Standort befindet sich in einem steilen Hang, der der Gemeinde gehört und laut Greussing für eine andere Verwendung „de facto wertlos“ ist. Das Bebauungsfeld bringt allerdings einige Herausforderungen mit sich, da es sich in verschiedenen Gefahrenzonen befindet. Steinschläge und intensive Rutschungen sind möglich, wobei letztere „an dieser Stelle sehr gefährlich“ sein können, wie es in den Ausschreibungsunterlagen heißt.

Blick auf den Hang, in den das Sicherheitszentrum hineingebaut werden soll. <span class="copyright">WILLI</span>
Blick auf den Hang, in den das Sicherheitszentrum hineingebaut werden soll. WILLI

Die Gefahrenpotenziale seien aber „absolut bewältigbar“, sagt der Bürgermeister. Dies habe sich im Zuge der detaillierten Auseinandersetzung mit dem Gelände herausgestellt, insbesondere durch ein zugezogenes Büro für Geotechnik und Geologie. Gestalterisch könne mit einfachen Mitteln gegen diese Gefahren eingewirkt werden, meint Greussing.

“Bestes Grundstück für diesen Zweck”

Bleibt die Frage, ob der Gemeinde kein einfacheres Grundstück für das Sicherheitszentrum zur Verfügung gestanden wäre? Die Antwort des Bürgermeisters: „Das Grundstück hat sich in der Gesamtbetrachtung als das für diesen Zweck beste herausgestellt. Es entsteht an dieser Stelle eine schöne Ansammlung an öffentlichen Einrichtungen, die vor allem den Vereinen des Ortes dienen.“ Weitere Grundstücke der Gemeinde in zentrumsnaher Lage würden in Kürze für Wohnbauzwecke genutzt.
Apropos Vereine: Direkt neben dem künftigen Sicherheitszentrum befindet sich ein Schießübungsstand, der erhalten werden soll.

Daten und Fakten zum Projekt/Wettbewerb

Nettonutzfläche: 800 m2

Bruttogeschossfläche: 990 m2

Netto-Baukosten (ohne Hangsicherung): ca. 2,6 Millionen Euro

Beginn Planung: 2. Quartal 2023

Baubeginn: 2. Quartal 2024

Gesamtfertigstellung: 2. Quartal 2025

Geladene Architekten: 31 Architekturbüros aus Vorarlberg (19 von Gemeinde nominiert, 12 von Architektenkammer nachnominiert)

Abgabe Pläne: 14.Februar 2023

Sitzung des Preisgerichts: April 2023

Fachjury: Theres Aschwanden (Zürich), Philipp Berktold (Dornbirn), Wolfgang Ritsch (Dornbirn), Markus Thurner (Bregenz)

Preisgelder: 10.000 Euro (1. Preis), 8000 Euro (2. Preis), 6000 Euro (3. Preis) und drei Anerkennungspreise zu je 3000 Euro

Wirtschaftlich?

Die Kosten für das neue Sicherheitszentrum dürften aufgrund der Lage am steilen Hang nicht gerade schmal ausfallen. Wie aus dem der NEUE vorliegenden Wettbewerbsbeilage hervorgeht, meinte einer der teilnehmenden Architekten im Rahmen des Kolloqiums, dass die notwendige Hangsicherung in Bezug auf die Größenordnung des Bauprojekts wirtschaftlich fragwürdig erscheine und zudem eine große Veränderung des Landschaftsbildes bewirke.

Baukosten

In der Wettbewerbsauslobung werden die Netto-Baukosten ohne Hangsicherung mit 2,6 Millionen Euro beziffert. Von einem Investitionsvolumen in der Höhe von 4,3 Millionen Euro brutto bzw. 3,2 Millionen Euro nach Abzug der Förderungen ist in einem Gemeindevertretungsprotokoll vom April 2022 zu lesen.
31 Architekturbüros, allesamt aus Vorarlberg, wurden zu dem Wettbewerb eingeladen. Bei der Begehung sei das Feedback der größtenteils anwesenden Teilnehmer durchwegs positiv gewesen, sagt der Bürgermeister. Er hofft, dass durch den speziellen Standort das Interesse hoch bleibe und viele gute Beiträge einlangen werden.

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