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Die Wilden unter den Bienen

19.05.2020 • 16:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<strong>Künftig soll es Kurse zum Thema Wildbienen geben. </strong>Shutterstock
Künftig soll es Kurse zum Thema Wildbienen geben. Shutterstock

Interesse am Imkern. Verband rückt auch Wildbienen in den Fokus.

Die frühsommerliche Witterung in den vergangenen Wochen hätte für die Bienen gar nicht besser sein können. Sie konnten die volle Blüte mitnehmen, dementsprechend üppig ist auch die erste Honig-Ausbeute. „Heuer gibt es Kastanien-, Ahorn- und auch ein wenig Lindenblatthonig. Der Honigtau von der Linde ist eine Rarität“, berichtet Egon Gmeiner, der Präsident des Vorarlberger Imkerverbands.

Der Eisheiligen haben nun die Blüte beendet, die Bienen brauchen derzeit wieder mehr Futter für sich selbst. „Glücklicherweise ist der Kälteeinbruch nicht so fatal wie vergangenes Jahr. Und für die kommenden Tage ist Besserung prognostiziert“, sagt Gmeiner. Zusammenfassend sei die Honig- und damit auch die Bienensituation eine gute.

Winterverluste

Allerdings ist die Varroamilbe nicht mehr wegzubekommen und deren Eindämmung mittlerweile ein fixer Bestandteil der Imkerei. Allein die Milbe hat über den Winter mindestens zehn Prozent der Bienenvölker vernichtet, berichtet der Experte. Auch die relativ warmen Wintermonate waren für die Insekten nicht gerade optimal. Während die kurzlebige Sommerbiene ein Arbeitstier ist, ziehen sich die langlebigen Winterbienen für sechs Monate in eine Art Ruhemodus zurück. Sommer- und Winterbienen unterscheiden sich also genetisch. Warme Temperaturen lassen die Bienen früher ausschwärmen, der Kreislauf kommt durcheinander. Es fehlen dann Bienen für die Aufzucht, weil diese schon aktiv waren und verendet sind. „Die Klimaveränderungen passieren schneller, als sich die Bienen anpassen können“, erläutert Gmeiner. Bienen in Italien etwa würden zwar im Gegensatz zu hiesigen das ganze Jahr durcharbeiten, seien aber genetisch völlig anders aufgebaut.

Verlust wird gelassen hingenommen

Die Veränderung des Klimas habe neben der Varroamilbe den größten Einfluss auf den Bienen-Bestand. Den Winterverlust schätzt Gmeiner insgesamt auf etwa 20 Prozent. Vergleichsweise sei das ein guter Wert. Die endgültigen Zahlen liegen dem Imkerverband Ende Mai vor. Dennoch: 20 Prozent von gut 12.000 Bienenvölkern in Vorarlberg, das sind 2400 Völker. „Man muss bedenken, dass ein Bienenvolk etwa gleich viel wert ist wie ein schlachtreifes Schwein mit 90 Kilogramm. Bei den Bienen wird der Verlust leider relativ gelassen hingenommen“, gibt Gmeiner zu bedenken.

<strong>Es gibt viele Möglichkeiten den Lebensraum zu optimieren. </strong>Shutterstock
Es gibt viele Möglichkeiten den Lebensraum zu optimieren. Shutterstock

Interesse umgebremst

In der Regel starten im Frühjahr die Imker-Anfängerkurse Diese mussten unterbrochen werden. Man arbeitete aber an Lösungen, damit die Schulungen rasch wieder starten können. 130 Teilnehmer sind heuer angemeldet. Für Vorarlberg sei das viel. In anderen ländlichen Regionen nehme das Interesse schon wieder ab. Dafür entwickle sich das Imkern in Großstädten immer mehr zum Trend. Trotzdem weist Gmeiner darauf hin, dass die Haltung eines Bienenvolkes nicht einfach sei. „Widrigkeiten wie Klimaveränderung, ausgeräumte Naturräume und die Varroamilbe erfordern eine intensive Betreuung“, sagt er.

Und weil das Interesse an Natur und Bienen nach wie vor ungebremst ist, will der Verband nun auch die Wildbienen stärker in den Fokus rücken. Denn für deren Lebensraum könne man viel mehr tun, als landläufig bekannt sei. Beim Imker-Schnupperkurs hätten viele Teilnehmer ihr Interesse an den Wildbienen bekundet. Zwei Vorträge zum Thema gab es schon, weitere sollen folgen.