Allgemein

Brennende Zunge nach lokaler Betäubung

24.05.2020 • 07:14 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">dpa</span>Patientin hat seit lokaler Betäubung eine brennende Zunge.
dpaPatientin hat seit lokaler Betäubung eine brennende Zunge.

Zahnarzt klärte Patientin nicht über mögliche Komplikationen auf.

Durch die lokale Betäubung vor der Zahnbehandlung stellte sich eine seltene Komplikation mit einer Nervenschädigung ein. Seitdem verspürt die Patientin seit Jahren phasenweise ein Brennen auf der Zunge und der Unterlippe. Dafür wurde der durch den Feldkircher Anwalt Gerhard Scheidbach vertretenen Klägerin bei einem Zivilprozess am Bezirksgericht Feldkirch ein vorläufiges Schmerzengeld von 7150 Euro zugesprochen. Für den Betrag hat die Haftpflichtversicherung des beklagten Vorarlberger Zahnarztes aufzukommen.

Auch in Zukunft Schmerzen

Das erstinstanzliche Urteil sei rechtskräftig, teilte auf Anfrage Vorarlbergs Justizsprecher Norbert Stütler mit. Mit der gerichtlichen Entscheidung wurde der Zahnarzt auch dazu verpflichtet, für  künftige Schäden aufzukommen. Nach Ansicht des Bezirksrichters, der sich auf die Prognose des medizinischen Gerichtsgutachers stützt, muss die Patientin auch in Zukunft mit Schmerzen rechnen.

Der beklagte Zahnarzt haftet für den Aufklärungsfehler, der ihm nach Überzeugung des Gerichts unterlaufen ist. Demnach hat er es unterlassen, die Patientin vor der lokalen Betäubung über mögliche Komplikationen aus der sogenannten Leitungsanästhesie aufzuklären. Der Richter ging davon aus, dass die Patientin auf die keineswegs dringende Zahnbehandlung verzichtet hätte, wenn sie über mögliche Nebenwirkungen der örtlichen Betäubung informiert worden wäre.

Behandlungsfehler

Die lokale Betäubung der Patientin hat der Zahnarzt nach den gerichtlichen Feststellungen zwar nach den Regeln der ärztlichen Kunst vorgenommen. Dabei hat er keinen Behandlungsfehler begangen, so das Urteil. Anzulasten sei ihm aber eben ein Aufklärungsfehler.

Bei der Behandlung ist dem Zahnarzt das Poliergerät abgerutscht. So wurde die Schleimhaut der Patientin verletzt, die daraufhin genäht werden musste. Für diesen Behandlungsfehler hat die Versicherung der Patientin schon vor dem Prozess ein Schmerzengeld von 770 Euro bezahlt.

Vergeblich hat die Klägerin mehrere tausend Euro für alternative Behandlungskosten eingeklagt. Die Patientin hat nach den aufgetretenen Anästhesie-Komplikationen andere Ärzte und Therapeuten aufgesucht, die ihr aber nicht entscheidend helfen konnten. Sie habe gewusst, dass es keine geeignete schulmedizinische oder alternative Behandlungsmethode gibt, schrieb der Bezirksrichter in seinem Urteil. Deshalb habe sie die dabei entstandenen Kosten selbst zu tragen.

Seff Dünser