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Ein Bauernhof wie aus dem Bilderbuch

24.05.2020 • 13:24 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Birgit und Stefan Gmeiner mit ihren Kindern Heiko, Eva, und Johanna. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Birgit und Stefan Gmeiner mit ihren Kindern Heiko, Eva, und Johanna. Klaus Hartinger

Stefan und Birgit Gmeiner bewirtschaften einen Bio-Bauernhof.

Aufgrund des Coronavirus sind heute alle drei Kinder von Stefan und Birgit Gmeiner zu Hause. Das aufgeweckte Trio springt zwischen dem Hühnergehege und der Mutterkuhherde, die mit ihren Kälbern auf der saftigen Wiese neben dem Stall weidet, hin und her. Zwischendurch machen sie einen Abstecher zu Mama Birgit, die ihnen am Gartentisch einen Apfel aufschneidet. Nesthäkchen Eva will von Papa Stefan getragen werden. Dieser lässt sich nicht lange bitten und nimmt die Zweieinhalbjährige hoch. Die 7-jährige Johanna und der 5-jährige Heiko dürfen in der Zwischenzeit die Apfelreste an die Meerschweinchen verfüttern. Ein Stück weit herrscht auf dem Gmeiner-Hof eine ländliche Idylle, die man sonst nur aus der Werbung kennt.

Freude an der Arbeit

Ganz so beschaulich geht es freilich nicht immer zu. Der Alltag als Landwirt ist arbeitsreich, die Arbeit im Stall und auf den Feldern ist oft mühevoll. 15 Hektar werden im Nebenerwerb bewirtschaftet, diese sind auf 27 kleinere Flächen aufgeteilt. Trotzdem möchte das Ehepaar nicht mehr tauschen. „Mir gefällt es, dass ich in der Natur und mit den Tieren arbeiten kann“, erklärt Stefan Gmeiner. Außerdem schätzt es das Landwirte-Paar, dass die Arbeit sehr abwechslungsreich ist.
„Jeder Tag schaut bei uns anders aus. Momentan sind wir viel mit dem Heuen beschäftigt“, berichtet Birgit Gmeiner.
Dabei kommt auf ihrem Bio-Hof durchaus auch altbewährtes Handwerkszeug wie Sense und Handrechen zum Einsatz. Schließlich haben sich die beiden zum Ziel gesetzt, den Hof möglichst naturnah zu bewirtschaften. „Sicher würde es mit Maschinen oftmals leichter gehen, aber wir sind der Meinung, dass Handarbeit besser in das Gesamtbild einer biologisch geführten Landwirtschaft passt“, erklärt die 37-Jährige.
Zum Schutz der Biodiversität werden die Wiesen maximal drei Mal im Jahr gemäht. „Auch rund ums Haus lassen wir die Blumen so lange es geht stehen. Die Bienen freuen sich, und auch für die Artenvielfalt ist es enorm wichtig.“

Keine Silage

Stefan Gmeiner ist auf dem Bauernhof, der seit Generationen im Familienbesitz ist, gemeinsam mit vier Geschwistern aufgewachsen. Das Interesse an der Landwirtschaft war bei ihm schon von klein auf vorhanden. Eine Ausbildung in diesem Bereich hat er trotzdem nie absolviert.
„Die Landwirtschaftsschule war mir zu weit weg“, erklärt der 42-Jährige und lacht. So absolvierte er eine Tischlerlehre und legte im Anschluss die Meis­terprüfung ab. Die enge Bindung an Hof und Tiere blieb. So war es naheliegend, dass er den landwirtschaftlichen Betrieb 2002 von seinen Eltern übernehmen würde. Seine Frau Birgit, die er zehn Jahre später heiratete, ist als Landwirtin hingegen Quereinsteigerin. Die Eichenbergerin stammt zwar ursprünglich auch von einem Bauernhof, Erinnerungen daran hat sie allerdings keine mehr: Ihre Eltern haben mit der Landwirtschaft aufgehört, als Birgit zwei Jahre alt war.
„Es ist sehr arbeitsintensiv, aber ich möchte das Leben auf dem Hof nicht mehr hergeben“, betont die dreifache Mutter. Was die Ausrichtung des Betriebs betrifft, ist sich das engagierte Landwirte-Paar absolut einig. Ein achtsamer Umgang mit der Natur und eine artgerechte Tierhaltung haben bei den beiden oberste Priorität. Gemeinsam haben sie schrittweise Änderungen vollzogen. Stefan hat sich mit einer kleinen Tischlerei selbständig gemacht, um flexibler auf die Arbeitszeiten in der Landwirtschaft agieren zu können. Der Hof ist seit 2012 Bio-zertifiziert, es folgten Stallerweiterungen und -umbauten und die Umstellung von Milchvieh- auf Mutterkuhhaltung. Die Entscheidung fiel bewusst auf Fleckvieh, das von Natur aus hornlos ist.
„Das ist ein großer Vorteil, insbesondere wenn öfters Besucher auf dem Hof sind“, erklärt die junge Bäuerin. Gefüttert werden die Tiere ausschließlich mit Heu und im Sommer mit Gras, auf Silage wird verzichtet. Ganz nach dem Motto „Qualität statt Quantität“ sollen die Kälber möglichst stressfrei und langsam wachsen, was natürlich mit mehr Kosten verbunden ist. „Unsere Kunden wissen das zu schätzen und sind auch bereit, den Preis dafür zu zahlen“, so Stefan Gmeiner. Mittlerweile wurde der Tierbestand um Schwäbisch-Hällische Landschweine, die Schafrasse Charollais und Zweinutzungshühner ausgeweitet.

Heiko streichelt eine Kuh.
Heiko streichelt eine Kuh.

Bauernhof-Luft schnuppern

Bauernhof-Luft schnuppern. Neben der Direktvermarktung von Fleischpaketen und Wurst- und Speckwaren hat sich der Betrieb von Familie Gmeiner durch eine Kooperation mit der Lebenshilfe ein zweites Standbein geschaffen. Ein Mal pro Woche kommen zwei Bewohner des Wohnheims Lingenau, um einen Tag bei der Familie Gmeiner zu verbringen.
„Ursprünglich war geplant, dass sie auf dem Hof mithelfen. Es hat sich dann allerdings herausgestellt, dass sie lieber im Haushalt tätig sind“, erzählt Birgit Gmeiner, die gelernte Sonderkindergartenpädagogin ist und ergänzt: „Leider konnten uns die beiden Corona-bedingt in den letzten Wochen nicht besuchen.“
Auch das Projekt „Schule am Bauernhof“ muss aufgrund der Pandemie derzeit leider pausieren. Birgit Gmeiner hofft aber, dass bald wieder Besucher auf dem Hof erlaubt sind. Sie ist fest davon überzeugt, dass es sich positiv auf die Psyche auswirkt, wenn Natur mit allen Sinnen erlebt wird: „Der Mensch ist ein Naturwesen. Die Industrialisierung hat das nur leider verdrängt.“ Gemeinsam mit ihrem Mann möchte sie auch in Zukunft ihren Beitrag dazu leisten, dass wieder mehr Menschen mit Tieren und der Natur in Berührung kommen und damit auch ein größeres Verständnis für die Herkunft von Lebensmitteln schaffen. Mit der Zertifizierung zum Green-Care-Auszeithof wird dieser Schritt umgesetzt.

Kontakt

Stefan und Birgit Gmeiner

Fischbach 154a

Alberschwende

www.naturundgenuss.at

Telefon: 0680/1271490

Getraud Höfle-Peter