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Noch keine Corona-Schnäppchen

24.05.2020 • 11:32 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Der Trend bei der Wohnungssuche geht derzeit in Richtung mehr Fläche. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Der Trend bei der Wohnungssuche geht derzeit in Richtung mehr Fläche. Shutterstock

Wohnungspreise sind stabil. Bei Mieten könnte es zu Reduktionen kommen.

Die Corona-Pandemie wirkte sich in den vergangenen Wochen auf viele Lebensbereiche aus. Ob das neuartige Virus die Immobilienpreise durcheinander wirbelt und ob nun mit einem Preissturz bei Mietenwohnungen und Wohneigentum zu rechnen ist, wollte die NEUE am Sonntag von Reinhard Götze von RE/MAX Immowest in Lauterach und Christoph Geringer von immoteam7.at in Dornbirn sowie Annette Fritsch von der Mietervereinigung Vorarlberg wissen. Die Rückmeldungen der Immobilienexperten lassen die Hoffnung auf ein Schnäppchen jedoch wie eine Seifenblase platzen: Mit einem Preisverfall bei Wohneigentum ist demnach nicht zu rechnen. Es sei derzeit auch noch viel zu früh, um konkrete Angaben machen zu können. Man müsse abwarten, wie sich der Markt und vor allem auch die Wirtschaft entwickeln werden, so der Tenor.
Christoph Geringer von der Dornbirner Immobilien-Agentur immoteam7.at erklärt etwa: „Ein Preisverfall bei Immobilien ist auch deswegen kaum möglich, da viele Wohnungen Privatinvestoren gehören, die gewisse Renditen erzielen müssen.“ Er rechne eher mit einer gegenteiligen Preisentwicklung, da derzeit viele Menschen aufgrund der Krise Geld an den Wertpapierbörsen verloren hätten und nun ihr Geld in Immobilien investieren wollten: „Die Immobilien werden nicht billiger. Eher im Gegenteil. Wir merken bereits jetzt, dass Bauträger mit Problemen bei den Lieferketten zu kämpfen haben. Die Herstellerkosten werden somit – nicht wie eigentlich für dieses Jahr erwartet – günstiger werden“, so Geringer. Gemäß seinen Angaben ist Vorarlberg das zweitteuerste Bundesland in Bezug auf Immobilien nach Salzburg.

„Immobilien und Quadratmeter erfahren gerade eine neue Wertschätzung.“

Christoph Geringer

Grundstückspreise

Reinhard Götze von RE/MAX Immowest sieht dies ähnlich. Indes war für den Immobilienprofi bereits diese Woche klar, dass die Krise keine spürbaren Auswirkungen auf Grundstückspreise haben wird: „Grund ist, dass die Ressourcen begrenzt sind. Grundstücke kann man nicht nachbauen und sie wachsen auch nicht nach.“ Ebenfalls rechnet Götze nicht damit, dass es zu einem Preisverfall bei Häusern mit einem Wert zwischen 400.000 und 600.000 Euro kommen wird. Dafür sei die Nachfrage in diesem Preissegment „eklatant hoch.“ Götze ergänzt: „Ich weiß, dass derzeit alle darauf warten, dass Immobilien billiger werden. Dass alle darauf warten, dass es ein Schnäppchen und einen Ausverkauf geben wird. Doch aufgrund meiner Erfahrung gehe ich davon aus, dass es so etwas nicht geben wird.“

Nachfrage verhalten

Anders sehe es jedoch im Bereich der Wohnungsmieten aus. Hier könne sich schon etwas tun, berichtet Reinhard Götze. „Dies dürfte etwa sozial schwächeren Personen, die derzeit eventuell mit Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben, entgegenkommen.“ Konkrete Prognosen oder Zahlen zu möglichen Mietzinssenkungen kann Götze jedoch noch nicht nennen. Denn: „Die ganzen Umfragen, Prognosen und Thesen – es ist einfach noch viel zu früh. Man kann derzeit nicht sagen, wie sich der Markt entwickeln wird“, zeigt Götze auf. Die Nachfrage nach Wohnungen sei derzeit sicherlich verhaltener. Aussagen wie „Oje, jetzt ist Corona und die Mieten fallen daher um 20 Prozent“ seien jedoch nicht machbar.
Ein ähnliches Bild zeichnet Christoph Geringer von immoteam7.at in Bezug auf den Hauskauf- und -verkauf. „Jedoch muss man es hier ein wenig differenzierter sehen. So agieren die Verkäufer derzeit eher verhalten. Sie befürchten, dass sie jetzt nicht den idealen Preis für ihr Objekt erzielen können. Aber das stimmt absolut nicht. Im Mietsegment merken wir indessen, dass die Bereitschaft für einen Wohnungswechsel nicht gegeben ist.“ Dies führt der Immobilienexperte aus Dornbirn darauf zurück, dass gerade im Mietsegment von kleineren Wohnungen, die Menschen am stärksten von der derzeitigen Krise betroffen seien und sie erstmal die wirtschaftlichen Entwicklungen abwarten würden.

Mietausfälle

Dass es noch viel zu früh sei, um eine seriöse Einschätzung bezüglich der Mietpreise zu geben, erklärt auch Annette Fritsch, Geschäftsführerin der Mietervereinigung Vorarlberg. Denn, so Fritsch: „Die Mietzinse der laufenden Mietverträge können ausschließlich anhand der gesetzlichen Vorgaben oder der vertraglichen Vereinbarungen erhöht werden. Für diese Mietverhältnisse ändert sich aufgrund der Krise vorerst gar nichts.“ Fritsch rechnet jedoch damit, dass es in den kommenden Monaten eine sehr hohe Zahl an Mietausfällen geben und sich dieser Umstand auf die Entwicklung der Mietpreise auswirken wird. „Hier könnte es – abhängig von Dauer und Schwere der Rezession – infolge sinkender Nachfrage zu Preisanpassungen kommen. Wie und in welcher Höhe diese ausfallen werden ist von der weiteren Entwicklung der Krise abhängig“, so Fritsch.

Größere Wohnung

Einen interessanten Nebeneffekt hat Christoph Geringer bei Wohnungssuchenden festgestellt: Es werden Wohnungen mit mehr Quadratmeter nachgefragt. Dies führt der Experte auf die Erfahrungen der Menschen während des Lockdowns zurück. „Immobilien und Quadratmeter erfahren gerade eine neue Wertschätzung. Ich gehe davon aus, dass man künftig bei Fernreisen Abstriche machen wird, um sich eine größere Wohnung leisten zu können“, so Geringer.
Auch wenn er in den vergangenen Wochen Umsatzeinbußen hinnehmen musste, sei die derzeitige Krise für Reinhard Götze nicht die schlimmste, die er erlebt hat: „Für mich waren die Wirtschaftskrise von 2008 und die Auswirkungen des Terroranschlages vom 11. September 2001 wirtschaftlich gravierender als die jetzige Situation“, so Götze.