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Bürgermeister-Abschied ging ins Geld

29.05.2020 • 10:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Langzeit-Bürgermeis­ter Wilfried Berchtold ließ sich im März 2019 im Montforthaus feiern (Bild) und lud Wegbegleiter zu einer Abschiedsparty ins Jugendhaus. <span class="copyright">Hartinger</span>
Langzeit-Bürgermeis­ter Wilfried Berchtold ließ sich im März 2019 im Montforthaus feiern (Bild) und lud Wegbegleiter zu einer Abschiedsparty ins Jugendhaus. Hartinger

Abschiedsfeierlichkeiten von einstigem Stadtchef Berchtold kosteten 46.000 Euro.

m März 2019 trat Wilfried Berchtold nach knapp 28 Jahren von der Politbühne ab. Im Rahmen einer feierlichen Sondersitzung wurde dem Langzeit-Bürgermeister ein würdiger Abschied bereitet. Zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und dem öffentlichen Leben marschierten auf; aber auch die Bevölkerung war eingeladen, um Berchtold zu verabschieden. Nach dem offiziellen Teil samt Amtsübergabe an Nachfolger Wolfgang Matt und Standing Ovations für Berchtold, ließen mehr als 500 Gäste den Abend bei Wienerle und Getränken ausklingen. Für die Mitarbeiter der städtischen Verwaltung sowie langjährige Wegbegleiter war bereits zuvor ein Abschiedsfest ausgerichtet worden. Dieses fand im neu eröffneten Jugendhaus Graf Hugo statt, an die 250 Gäste waren damals mit von der Partie.

Keine einhellige Zustimmung

Wie sich in der Stadtvertretungssitzung am vergangenen Dienstag nun herausgestellt hat, kosteten die beiden Veranstaltungen den Steuerzahler 46.000 Euro. Da Berchtold seinen Abgang erst im Dezember 2018 bekanntgegeben hatte, waren die beiden Feiern im Rechnungsjahr 2019 nicht budgetiert und mussten per Nachtrag abgerechnet werden. Der entsprechende Kreditmittelantrag, sprich die Übertragung der besagten 46.000 Euro vom Rücklagenkonto auf das Repräsentationskostenkonto, wurde in der Stadtratssitzung im September 2019 gegen die Stimmen der Grünen und der FPÖ abgesegnet.

Im Rahmen der jüngsten Stadtvertretungssitzung kam die Sache nun wieder aufs Tapet. Prüfungsausschuss-Obmann Gregor Meier (FP) sprach in seinem Bericht zum Rechnungsjahr 2019 von einer „massiven Überschreitung“ der Repräsentationskosten. Meier plädierte für eine Deckelung des Postens, damit bei künftigen Verabschiedungen von Stadtvertretern und Stadträten die Kosten im Rahmen gehalten werden könnten. Gleich anschließend meldete sich Grünen-Stadträtin Marlene Thalhammer zu Wort und wies darauf hin, dass ihres Wissens nach noch nie ein Stadtvertreter oder Stadtrat eine Feier verrechnet habe. Bürgermeister Wolfgang Matt (VP) warf Thalhammer daraufhin sinngemäß vor, dass sie nur neidisch sei.

Bürgermeister Wolfgang Matt. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Bürgermeister Wolfgang Matt. Stiplovsek

Matt: “Kosten gerechtfertigt”

Stadtchef Matt, der das Finanzressort verantwortet, hält die Kosten für die Abschiedsfeiern seines Vorgängers jedenfalls für gerechtfertigt. „Einem Bürgermeister, der sich fast 30 Jahre für Feldkirch eingesetzt hat, gebühren entsprechende Abschiedsfeierlichkeiten“, so der Bürgermeister auf NEUE-Anfrage. Weiters gibt Matt zu bedenken, dass man „ganz sicher nicht geklotzt“ habe. Die Kosten – darunter Saalmiete, Technik, Bewirtung, Getränke und einfache Speisen – hätten sich dann aber doch „zusammengeläppert“.

Reaktionen der Fraktionen

Stadträtin Thalhammer zeigt auf Anfrage zwar Verständnis für die Feierlichkeiten im Rahmen der Sondersitzung, die Kosten für die geladene Abschiedsparty im Jugendhaus hätten ihrer Meinung nach jedoch von Berchtold selbst oder von der ÖVP getragen werden müssen. Auch FPÖ-Stadtparteiobmann Thomas Spalt räumt ein, dass dem Alt-Bürgermeister ein würdiger Abschied zugestanden sei. Allerdings, so Spalt, hätte der Kostenaufwand im Vorfeld mit den Fraktionen abgesprochen werden sollen.

Stadträtin Marlene Thalhammer (Die Grünen). <span class="copyright">DIE GRÜNEN</span>
Stadträtin Marlene Thalhammer (Die Grünen). DIE GRÜNEN

Georg Oberndorfer (Neos)findet es „ärgerlich, dass sich im Nachhinein herausstellt, dass die Kosten aus dem Ruder gelaufen sind“. Bei der Verabschiedung des jetzigen Bürgermeisters werde das „sicher nicht mehr passieren“, versichert der pinke Stadtpolitiker.

Für die Zukunft sei bei Verabschiedungen „wesentlich mehr Sparsamkeit angesagt“, mahnt Brigitte Baschny von den Sozialdemokraten. „Gerade angesichts der wirtschaftlichen Situation, in der sich derzeit viele Feldkircher befinden, ist der ausgegebene Betrag provokant.“ Baschny fordert, dass die Finanzierung vergleichbarer Veranstaltungen in Zukunft von der jeweiligen Partei getragen werden sollten.