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Ein Bahnhof wird zur kleinen Stadt

30.05.2020 • 21:37 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Bahnhof Feldkirch nimmt Form an. Busterminal geht bald in Betrieb.

Bahnhöfe sind heute mehr als nur Orte, an denen Züge ankommen und abfahren, Menschen aus- und einsteigen, lange Reisen beginnen oder enden. Vormals rein funktionale Flächen sind zu attraktiven Standorten für Handel, Dienstleistung und Gastronomie geworden – und zu den am stärksten frequentierten Gebieten im öffentlichen Raum. Im Fall des Feldkircher Bahnhofs, wo derzeit um 60 Millionen Euro ein neues Quartier aus dem Boden gestampft wird, hat sich die Zahl der Verkehrsteilnehmer in den letzten 15 Jahren verdoppelt. Heute tummeln sich hier täglich rund 13.500 Personen.

Die BahnhofCity in Feldkirch: Noch im Juni wird mit den Bauvorbereitungen für drei weitere Wohn- und Geschäftshäuser begonnen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die BahnhofCity in Feldkirch: Noch im Juni wird mit den Bauvorbereitungen für drei weitere Wohn- und Geschäftshäuser begonnen. Hartinger

Ein Blick auf die 56.000 Quadratmeter große Baustelle lässt erahnen, welches Potenzial in dem Areal steckt und wie es hier einmal aussehen wird. Rund 14 Monate nach dem offiziellen Spatenstich ist bereits etwas mehr als die Hälfte geschafft. Im zehnstöckigen Vogewosi-Hochhaus wird demnächst der Estrich gelegt, und das Hotel mit seinen angeschlossenen Gastronomie- und Handelsflächen steht bereits im Rohbau. Die Corona-Krise konnte dem Mammutprojekt offenbar nur wenig anhaben. Die Bauzeitverzögerung sei marginal, berichtet Projektbetreiber Roland Pircher von der Future Bauart Immobilien GmbH. „Da geht es vielleicht um vier bis sechs Wochen. Da ist so gut wie nichts.“

Begrünte Betonpilze sollen Schatten spenden, vor Regen schützen und für ein gutes Klima sorgen.<br><span class="copyright">Hartinger</span>
Begrünte Betonpilze sollen Schatten spenden, vor Regen schützen und für ein gutes Klima sorgen.
Hartinger

Schwebende Gärten

Als Herzstück des neuen Quartiers gelten die begrünten, filigran anmutenden „Beton-Pilze“ auf dem zentralen Platz vor dem Bahnhof. Sie dienen als Wetterschutz, spenden Schatten und klimatisieren den öffentlichen Platz. Dieser Tage wurden die skulpturalen Überdachungen bepflanzt. „Das wird ein richtiger Wald da oben“, sagt Pircher. Projektleiter Christian Tabernigg vom Architekturbüro Baumschlager Eberle führt einen weiteren Vorteil der begrünten Dachlandschaften ins Treffen.

Unter der alten Bahnhofhalle wird der Zugang zu den Bahnsteigen gegraben. <span class="copyright">Hartinger</span>
Unter der alten Bahnhofhalle wird der Zugang zu den Bahnsteigen gegraben. Hartinger

Der Blick von den umliegenden Gebäuden auf den Platz wird natürlich deutlich schöner, als wie wenn da nur eine Stahlkonstruktion stünde.“
Schon am 8. Juni soll der zentrale Platz am größtem Bahnhof Vorarlbergs für den Busverkehr freigegeben werden. Unmittelbar danach soll mit dem zweiten Teil des Projektes begonnen werden. Auf dem Areal entstehen ein Bürogebäude sowie zwei Wohn- und Geschäftshäuser. Die Fertigstellung ist im Frühjahr 2022 geplant. Dann soll auch das auf der anderen Seite des Platzes liegende Hotel mit 125 Betten und einem Restaurant in Betrieb gehen. Die Fertigstellung der ersten beiden Baufelder, zu dem auch das Hotel gehört, erfolgt allerdings schon früher, nämlich im Frühjahr 2021. „Spätestens dann wird die architektonische Qualität besser erkennbar. Dann kann man sich ein Bild davon machen, wie das neue Stadtquartier aussehen wird.“

Die Tiefgaragen im Quartier bieten Platz für 360 Autos. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die Tiefgaragen im Quartier bieten Platz für 360 Autos. Hartinger

Formale Ansprüche

Gestaltet wird das neue Quartier von zwei Architekturbüros. Neben der Vaduzer Baumschlager-Eberle-Dependance ist das Bregenzer Büro Lang/Schwärzler mit von der von der Partie. So wie es sich für einen modernen Bahnhof gehört, haben die Architekten den motorisierten Individualverkehr unter die Erde verfrachtet. Die fünf neuen Gebäude ordneten sie so an, dass in deren Mitte eine Begegnungszone entsteht. Projektleiter Tabernigg zeigt sich erfreut, dass der Bauherr „viel Verständnis für formale Ansprüche“ habe. Zeigen wird sich das unter anderem in der Gestaltung der Fassaden, welche etwa durch Putzstruktur und Mehrfarbigkeit an die Bauten in der Innenstadt angelehnt werden sollen.

Die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren. Hartinger

Große Nachfrage

Das Interesse an den Miet- und Eigentumswohnungen sowie Büros und Verkaufsflächen ist offenbar groß. Konkrete Namen künftiger Pächter will Pircher noch nicht nennen. Zwei Pächter sind allerdings schon seit Längerem bekannt. Wie berichtet, eröffnet der Lebensmittelhändler Sutterlüty eine Filiale im Quartier, Gastronomiefachmann René Gmeiner wird das Hotel führen.

Blick vom künftigen Hotel auf das Bahnhofsviertel. <span class="copyright">Hartinger</span>
Blick vom künftigen Hotel auf das Bahnhofsviertel. Hartinger