Allgemein

Zwischen Klarheit und Verunsicherung

30.05.2020 • 21:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Unterschiedliches Stimmungsbild nach mutmaßlichem Mobbing an Schule.

In der Volksschule Sebastianplatz in Feldkirch-Gisingen soll nach dem Bekanntwerden schwerer Konflikte und Schikanen im Lehrerkollegium wieder etwas Ruhe eingekehrt sein. Zumindest sehen das die nunmehrige Direktorin und die Bildungsdirektion so. Mehrere Eltern, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, schildern allerdings ein etwas anderes Stimmungsbild. In einem der NEUE am Sonntag vorliegenden Schreiben einer Mutter heißt es etwa: „Keine einzige Beteuerung, dass hier alles in Ordnung ist und gerne neue Lehrer an die Schule kommen, beruhigen mich und die anderen Eltern.“

Wie berichtet wird ein Teil des Lehrkörpers, darunter der von den Anfeindungen hauptbetroffene Direktor und seine Unterstützer, im nächsten Jahr wohl nicht mehr an der Schule tätig sein. Nach monatelangem Psychokrieg im Kollegium haben vier Lehrer um eine Versetzung angesucht, der Direktor – seit Jänner im Krankenstand – quittierte den Schuldienst jetzt ganz. Es heißt, dass zumindest drei Personen geschaltet und gewaltet haben sollen, wie es ihnen gefiel. Schon der ehemalige Direktor soll „die Kontrolle über eine autokratisch agierende Kerngruppe von Lehrerinnen und Lehrern verloren“ haben, heißt es in einem Elternbrief an die Bildungsdirektion.

„Es sind sehr konstruktive Gespräche erfolgt. Weitere sind bereits fixiert und geplant.“

Evelyn Marte-Stefani, Bildungsdirektorin

Weitere Gespräche geplant

Die – laut Personalvertretung – viel zu spät angeordneten Gruppengespräche wurden durch die Corona-Krise jäh unterbrochen. Am 15. Mai lief der Schulbetrieb unter neuer Leitung wieder an. Bildungsdirektorin Evelyn Marte-Stefani versichert auf NEUE-Anfrage, dass man „intensiv bemüht“ sei, gemeinsam mit der Schule an einer guten Lösung und Beruhigung zu arbeiten. „Es sind bereits sehr konstruktive Gespräche erfolgt, und in den nächsten Wochen sind weitere bereits fixiert und ge­plant.“

Bildungsdirektorin Evelyn Marte-Stefani.<span class="copyright"> Stiplovsek</span>
Bildungsdirektorin Evelyn Marte-Stefani. Stiplovsek

Bestellungsverfahren ist am Laufen

Auch für die personellen Rahmenbedingungen im noch laufenden und im kommenden Schuljahr sei Vorsorge getroffen worden. „Die Direktorenstelle ist ausgeschrieben und das Bestellungsverfahren ist am Laufen“, teilt Marte-Stefani mit. Wie aus gut informierten Kreisen zu erfahren war, haben sich ausgerechnet jene drei Pädagoginnen und Pädagogen beworben, die dem einstigen Schulleiter zugesetzt haben sollen. Schenkt man den Aussagen der nunmehrigen Direktorin Hildegard Brandstätter Glauben, herrscht an der gebeutelten Volksschule mittlerweile eine „große Klarheit und Zufriedenheit“. Viele Eltern würden ihre Wertschätzung und Anerkennung für die Leistungen des Kollegiums ausdrücken, so die Neo-Direktorin. Ihre Schilderung deckt sich allerdings nicht mit den Eindrücken mancher Eltern. „Es wird weiter verdrängt, geschwiegen, die Wahrheit verzerrt“, heißt es in einem Schreiben einer Mutter. Die Verfasserin der kritischen Zeilen wünscht sich „endlich ehrliche Antworten, Eingeständnisse und Konsequenzen“.

Volksschule Sebastianplatz in Feldkirch-Gisingen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Volksschule Sebastianplatz in Feldkirch-Gisingen. Hartinger

Dass offenbar nicht alles eitel Wonne sein dürfte, zeigt die Tatsache, dass die Eltern von zwei Schülern bei der zuständigen Stelle im Rathaus einen Schulwechsel beantragten, weil sie aufgrund der Ereignisse unzufrieden waren. Drei weitere Eltern sollen sich zumindest über Sprengelwechsel erkundigt haben.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.