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Vorarlberger zwei Jahre unschuldig in Haft

31.05.2020 • 17:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Weil er Tochter (3) missbraucht haben soll, wurde ein Unterländer verurteilt.

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses wurde der unbescholtene Angeklagte im August 2013 am Landesgericht Feldkirch zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach den damaligen gerichtlichen Feststellungen hat der Unterländer im Frühjahr 2011 seine dreieinhalbjährige Tochter einmal schwer missbraucht.
Im Dezember 2013 wies der Oberste Gerichtshof (OGH) die Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten zurück. Damit wurde der Schuldspruch rechtskräftig. Im März 2014 bestätigte das Innsbrucker Oberlandesgericht (OLG) die Strafe. Damit wurde das Urteil rechtskräftig.

Neue Beweise

Der Handwerker habe zwei Jahre im Gefängnis verbringen müssen, teilte auf Anfrage der Feldkircher Gerichtssprecher Norbert Stütler mit. Am 20. April 2017 sei der geschiedene Familienvater vorzeitig und auf Bewährung aus der Haft entlassen worden.
Im April 2018 hat das Landesgericht Feldkirch das Urteil aufgehoben und die Wiederaufnahme des Strafverfahrens bewilligt. Die vorgelegten neuen Beweise überzeugten die Feldkircher Richter. Der Verteidiger hatte schon während der OLG-Verhandlung von neuen Beweisen für die Unschuld seines Mandanten gesprochen. Dazu zähle die Einschätzung einer Gerichtsmedizinerin, wonach sich der Handwerker in der angeklagten Form an seinem Kind gar nicht vergangen haben könne.
Zudem sei ein Schreiben der Mutter des Kindes aufgetaucht, das die Intrige gegen ihren Mann deutlich mache. Demnach soll die Frau zur Stärkung ihrer Position im Scheidungsverfahren die falsche Anschuldigung gegen ihren Gatten erhoben und ihre kleine Tochter vor deren belastenden Aussagen beeinflusst haben.

Eingestellt

Die Staaatsanwaltschaft Feldkirch führte weitere Ermittlungen durch und stellte das Strafverfahren im Mai 2019 ein. Weil es keinen Nachweis für die Schuld des Beschuldigten gebe. Vertreter des mutmaßlichen Missbrauchsopfers stellten daraufhin einen Antrag auf Fortsetzung des Strafverfahrens. Diesen Fortführungsantrag habe das Landesgericht heuer am 20. April abgewiesen, berichtete Stütler.
Damit wurde das Strafverfahren rechtskräftig eingestellt. Der zuerst verurteilte 45-jährige Mann wurde nun von der Justiz für unschuldig erklärt. Es wird damit gerechnet, dass der Ex-Häftling jetzt hohe Schadenersatzansprüche gegen die Republik stellen wird. Gerichtsanhängig sei dazu derzeit noch nichts, sagte Stütler.

Von Seff Dünser