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Zeichen setzen gegen Rassismus

05.06.2020 • 06:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Zeichen setzen gegen Rassismus
Johanna Mathis (l.) und Noreen Mughal freuen sich auf die Kundgebung am Samstag. Hartinger

Vorarlbergerinnen organisieren Kundgebung in Bregenz.

„Ich kann das kaum in Worte fassen. Es hat mir den Atem abgeschnürt, als ich das zum ersten Mal gesehen habe. Ich habe mir das gar nicht ganz ansehen können. Das ist reinste Brutalität. Das macht mich sprachlos und betroffen, dass so etwas heutzutage noch passiert“, sagt Noreen Mughal sichtlich erschüttert. Auch Johanna Mathis wollte es nicht zu Ende sehen: „Es wird einem einfach nur schlecht, wenn man das sieht. Und ich bin erschüttert, dass ein Mord vor laufender Kamera bei uns so wenig Resonanz zeigt.“

Polizeigewalt

Die Bilder, die die beiden jungen Frauen ansprechen sind vor einigen Tagen viral gegangen und haben für weltweites Aufsehen gesorgt. Man sieht darauf den Mord eines weißen Polizisten an dem Afro-Amerikaner George Floyd. In Folge dieser brutalen Szenen, die auf Film gebannt wurden, kam es überall in Amerika zu Protesten und Solidaritäts-Kundgebungen und zum Teil auch zu Ausschreitungen. Auch im Internet gab es massive Proteste und Solidaritäts-Bekundungen. Unter dem Hashtag BlackLivesMatter haben Menschen weltweit ihre Bestürzung, Trauer und Wut zum Ausdruck gebracht. „Die BlackLivesMatter-Bewegung gibt es ja schon sehr lange. Durch die aktuellen, traurigen Ereignisse in den USA ist diese wichtige Initiative wieder einer breiten Öffentlichkeit in Erinnerung gerufen worden“, so Noreen Mugahl.

Zeichen setzen gegen Rassismus
Solidarität ist für sie kein Fremdwort. Hartinger

Noreen und ihre Freundin Johanna Mathis wollten es nicht nur bei Internet-Postings und Online-Solidaritätsbekundungen belassen. Deshalb organisieren sie zusammen mit noch zwei Freundinnen eine Solidaritäts-Kundgebung in Bregenz am Kornmarktplatz. 

Dass in Vorarlberg die Politik nahezu flächendeckend dazu schweigt, macht die beiden jungen Frauen sehr betroffen, um nicht zu sagen wütend: „Für die heimische Politik ist das ein wahnsinniges Armutszeugnis, dass sich da niemand klar positioniert. Gerade für unser Land, dass sich als offen, vielfältig, liberale und bunt zeigen will, ist das ein schlechtes Signal nach außen“, betont Mughal.

Zeichen setzen gegen Rassismus

Die Schülerin Noreen Mughal und die Verwaltungsassistentin Johanna Mathis organisieren am Samstag, den 06.06.2020 um 17:00 Uhr eine Solidaritätskundgebung mit dem Titel ”#BlackLivesMatter” am Bregenzer Kornmarktplatz

Rassismus

„Man muss da jetzt auf die Straße gehen. Auch in Vorarlberg. Wir sind zwar ein kleines Bundesland, aber wir wollen auch bei uns die Betroffenheit und den Protest in der Öffentlichkeit zeigen“, so Mathis. Warum Rassismus in auch Österreich und Vorarlberg immer noch ein großes Thema ist, können die beiden Organisatorinnen nicht genau sagen. Da gebe es einige Gründe dafür.: „Wir aben natürlich viele ältere Einwohner. Und da ist dann vor allem die Tradition wichtig. Die Politik geht bei vielen Anliegen der jungen Menschen auf Distanz. Siehe Fridays for Future“, so Mathis.

Zudem spiele auch der geringe Anteil von Persons of Colour (PoC), also nichtweißer Menschen, eine Rolle. Da diese Menschen bei uns wenig Präsenz in der Gesellschaft haben. “Ich bin Österreicherin mit indisch-pakistanischem Migrationshintergrund, was mich selbst zu einer Person of Colour macht. Ich kann aus erster Hand berichten, wie schwer es auch heutzutage noch ist, mit einer nicht-weißen Hautfarbe anerkannt und akzeptiert zu werden. Das hier ist mir eine Herzensangelegenheit“, führt Noreen weiter aus. “Sich nicht rassistisch oder diskriminierend zu äußern oder zu handeln bedeutet nicht gleich gegen Rassismus und Diskriminierung zu sein.”

Konkret wünschen sich die beiden Organisatorinnen klare und unmissverständliche Statements der Politik gegen Rassismus und Diskriminierung. Die Landeshauptstadt Bregenz sei für so eine Veranstaltung der beste Boden. Die Organisatorinnen rechnen mit 300 bis 600 Menschen. Das Ganze ist natürlich auch wetterabhängig. „Wir haben das auf Facebook, Instagram und Twitter verbreitet. Und die Rückmeldungen sind gut.“ 

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NEUE-Redakteur Georg Widerin im Gespräch mit den beiden Organisatorinnen. Hartinger

Pazifismus

„Ich bin überzeugte Pazifistin, wie auch die meisten Bürgerrechtskämpferinnen. Aber es ist eine traurige Tatsache, dass es lang meistens friedlich war, und es hat leider bis jetzt wenig gebracht, wie man sieht“, führt Noreen weiter aus. Mittlerweile gibt es in mehreren Städten in Österreich ähnliche Veranstaltungen. „Wir haben kurz mit den Organisatoren von Wien und Innsbruck gesprochen und uns ein paar Tipps geholt.“

Es gehe darum die Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren. Und, dass alle miteinander gegen den Rassismus kämpfen. „Unser Leitspruch ist: Der Kampf gegen Rassismus ist kein Kampf Schwarz gegen Weiß. Sondern: Alle gegen Rassismus.“ Generell glaubt Mughal, dass Rassismus vermehrt ein Problem der älteren Bevölkerung ist. Wobei sie einräumt, dass sie sich da auch täuschen könnte: „Es kann gut sein, dass wir da in unserer linken Filter-Bubble ein etwas verzerrtes Bild bekommen.“