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“Licht am Ende des Tunnels”

05.06.2020 • 18:18 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Vorbereitungen an einem Strand  an der oberen Adria.         <span class="copyright"> AFP/Pinto</span>
Vorbereitungen an einem Strand an der oberen Adria. AFP/Pinto

Noch viel Unsicherheit in Reisebüros nach der Corona-Krise.

Katastrophal, grauenhaft, nicht zu bewältigen …“ Es sind drastische Worte, die Patrick Moosmann vom Reisebüro Sunshine Tours und 5 vor 12 reisen in Feldkirch ­verwendet, um die derzeitige Situation seiner Branche zu beschreiben. Die aktuellen Grenzöffnungen hätten nichts gebracht, sagt er. „Wir wissen nicht, was mit Spanien ist, wir wissen nicht, was mit Griechenland ist.“
Dazu komme, dass Kunden erwarten, dass auch die Stornogebühren für Urlaube im Juli und August übernommen würden.„Das können wir aber nicht“, so Moosmann, mit dem Ergebnis, dass einige darauf auch sehr verärgert reagieren. Derzeit sei nahezu jede Buchung mit Problemen behaftet.

Sommersaison gelaufen

Im Moment sei jeder am Abwarten, sagt der Reisebürogeschäftsführer. Das Kärnten-Programm, das aufgenommen wurde, laufe zwar gut. Das sei aber auch das einzige. Die Nachfrage nach Flugreisen sei hingegen gleich null. Seine über 20 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. „Wir müssen jetzt schauen, dass wir irgendwie über die Runden kommen“, schildert er. Zu verdienen sei derzeit nichts. „Für uns ist der Sommer gelaufen“, macht er sich keine Hoffnungen mehr.
Den Zug für die Sommersaison sieht auch Ralf Loacker von Loacker Tours in Koblach als schon lange abgefahren. Er hofft jetzt auf das Herbst- und Wintergeschäft. Die Nachfrage sei derzeit gering, bestehende Buchungen würden nach hinten, auf August und September, verschoben. Grenzöffnungen bringen auch seiner Meinung nach erst dann etwas, wenn es wieder Flugverbindungen nach Griechenland und Spanien gibt.

Aufbruchstimmung

Von einer „zum Teil bedenklichen“ Situa­tion, aber auch von Aufbruch spricht indes Klaus Herburger von Herburger Reisen in Dornbirn, der auch Fachgruppenobmann der Reisebüros in der Wirtschaftskammer Vorarlberg ist. Mit seinen Mitarbeitern werde er nun verstärkt Reisen in jene Länder bewerben, deren Grenzen offen sind, Deutschland, Schweiz, Tschechien, Slowakei. Auch ein Österreich-Programm wurde zusammengestellt und ein „tolles Programm“ mit Wandern und Radtouren im Land, bei dem er etwa auf Schweizer hofft.
„Wir sind schon wieder ein bisschen in Aufbruch“, bekräftigt Herburger. Die Zentrale sei schon wieder geöffnet. Reisen an die nördliche Adria bis Juli würden derzeit zwar abgesagt, allerdings hofft er, im August wieder Urlauber dorthin bringen zu können. Und die würden dort dann vermutlich mit offenen Armen und viel Platz am Strand empfangen. „Berauschend“ werde diese Sommersaison aber sicher nicht mehr, stellt auch er fest.

Fachgruppenobmann Klaus Herburger.                                                                 <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Fachgruppenobmann Klaus Herburger. Klaus Hartinger

„Licht am Ende des Tunnels“ sieht auch Christian Urban von Nachbaur Reisen in Feldkirch. Wenngleich man derzeit damit beschäftigt sei, Reisen bis Ende Juni ans Mittelmeer abzusagen – „die Arbeit von einem Dreivierteljahr“. Er hofft aber, dass ab Anfang Juli einiges in Mittelmeerländern möglich sein wird, aber „momentan ist es irre schwierig“. Anfragen gebe es wenige, weil die Situation einfach schwer einzuschätzen sei. Positiv sieht er, dass auch in Vorarlberg das Leben wieder beginnt und bald wieder Leute aus anderen Ländern hier sein dürften. Das sei ein gutes Gefühl und mache vielleicht auch Lust auf Urlaub.
Am Dienstag hatte Landeshauptmann Markus Wallner angekündigt, dass man für die Reisebüros derzeit intensive Gespräche mit dem Bund führe. „Wenn von Bundesseite nicht bald etwas kommt, werden wir selber etwas tun“, so der Landeshauptmann.
Darauf hofft auch Herburger. Man sei diesbezüglich auch mit Wirtschaftslandesrat Marco Tittler in Kontakt. „Wir sind derzeit dran, unsere Fixkosten geltend zu machen“, erzählt der Fachgruppenobmann. Er will jetzt auf das Ergebnis der Gespräche warten. „Wenn es zu wenig ist, hoffen wir, dass das Land einspringt“, sagt er. Sollte allerdings keine Hilfe von der öffentlichen Hand kommen, dann gebe es ein gewaltiges Reisebürosterben – in ganz Österreich –, ist Herburger überzeugt.