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„Mit mir spricht man gebrochenes Deutsch“

05.06.2020 • 11:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Noreen Mughal organisiert die "Black Lives Matter"-Kundgebung am Samstag. <span class="copyright">Hartinger</span>
Noreen Mughal organisiert die "Black Lives Matter"-Kundgebung am Samstag. Hartinger

Noreen Mughal ist Montafonerin. Rassismus kennt sie seit klein auf.

“Für mich, weil ich auch andersfarbig bin, und aus dem Montafon komme, ist das natürlich ganz speziell“, so Noreen Mughal, eine der Initiatorinnen der „#BlackLivesMatter“-Kundgebung am Samstag. Sie wisse schon, dass sie in Schruns von vielen Menschen umgeben ist, bei denen die allgemeine Bildung immer nur an zweiter Stelle gestanden ist.

„Viele mussten früh arbeiten gehen. Also ich glaube schon, dass eine fehlende Bildung eine Rolle spielt. Die Liberalität der Menschen ist in so einem Tal einfach nicht immer gegeben. Rassismus gründet meiner Meinung nach auch immer in der Angst vor Anderem oder Neuem.“ Das habe man ja auch bei der Geflüchteten-Bewegung 2015 gesehen, dass das Ängste schüren oft in Hass münden kann. Noreen Mughal ist Österreicherin mit pakistanisch-indischen Wurzeln und ist im Montafon aufgewachsen. Sie bezeichnet sich selbst als Person of Colour (PoC).

Fremd im eigenen Land

Die Frage nach ihrer Herkunft begleitet sie schon ein Leben lang. „Als ich noch jünger war, habe ich die Problematik dahinter nicht gesehen.“ Aber das Gefühl der Ausgrenzung kenne sie schon lange. „Mit mir spricht man auf der Straße immer noch gebrochenes Deutsch. Oder wenn ich in gewisse Geschäfte gehe, werde ich entweder ignoriert oder ganz genau und argwöhnisch beobachtet. Man schaut mir dann auf die Finger oder folgt mir durch den Laden. Dieser Alltagsrassismus ist leider präsenter denn je.“

Natürlich müsse man auch differenzieren und genau hinschauen. Nicht alles sei rassis­tisch zu verstehen. „Denn die Frage ‚Woher kommst du?‘ kann einfach auch aus ganz banaler Neugierde entstehen. Aber auch aus einer bewussten und absichtlichen Ausgrenzung.“

Racial Profiling

Das sogenannte Racial Profiling, auch „ethnisches Profiling“ genannt, kennt Noreen aus eigener Erfahrung: „Ich bin in der glücklichen Lage, viel zu reisen. Und jedes Mal, wenn ich am Flughafen bin, merke ich, wie ich extra genau durchsucht werde. Sei es beim Zoll oder bei den Sicherheitsschleusen. Immer bin ich die, die noch mal die Schuhe ausziehen muss oder ganz genau gecheckt wird.“ Racial Profiling sei in Vorarlberg sehr präsent. Offenen Rassismus spüre sie aber kaum. Aber die verdeckten Formen sind fast überall präsent: „Auch in der Schule, sprich im Bildungssystem habe ich solche Dinge mehr als oft genug erfahren müssen.“