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Partnergewalt im Namen der Ehre

10.06.2020 • 05:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der18-Jährige wurde wegen Körperverletzung und versuchter Nötigung verurteilt. <span class="copyright">Symbolbild Shutterstock</span>
Der18-Jährige wurde wegen Körperverletzung und versuchter Nötigung verurteilt. Symbolbild Shutterstock

Brutale Übergriffe auf Freundin: Lehrling(18) verurteilt.

Der Fall ist ein Lehrstück über falsch verstandene Ehre und die Dynamik von Gewaltbeziehungen. Dabei sind die Protagonisten mit ihren 18 Jahren noch sehr jung. Die Vorwürfe gegen den KFZ-Mechaniker mit Migrationshintergrund wiegen schwer. Drei Mal, unter anderem in der Silves­ternacht und am Valentinstag, soll er seine Freundin brutal zusammengeschlagen haben. Auch eine Droh-Nachricht via WhatsApp ist aktenkundig.

Kleinlaut

Vor Richterin Sabrina Tagwercher zeigte sich der junge Mann gestern kleinlaut und nur wenig geläutert. Auf die Frage, wie er sich verantworte, überlegte er lange und bekannte sich schließlich teilweise schuldig. Im Endeffekt stritt er aber so gut wie alle Vorwürfe ab: Seien es die Tritte und Schläge gegen den Bauch und Brustkorb seiner Freundin, die Ohrfeigen oder die Faustschläge. Zugegeben hat der Angeklagte lediglich, Verfasser der inkriminierten WhatsApp-Nachricht zu sein. Darin heißt es sinngemäß, dass sich seine Freundin nicht wundern brauche, wenn sie Schläge bekomme. Denn sie habe das zu machen, was er sage. Dass er seiner Freundin damit drohen wollte, verneinte er Beschuldigte vehement. Auf die Frage der Richterin, warum er das geschrieben habe, sagte er: „Einfach so. Ich wollte, dass sie Respekt zeigt.“

Richterin Sabrina Tagwercher. <span class="copyright">Dünser</span>
Richterin Sabrina Tagwercher. Dünser

Keine Aussage

Das mutmaßliche Opfer, eine zierliche Restaurantfachfrau aus dem Oberland, erschien sichtlich mitgenommen vor Gericht. Nach Klärung des Beziehungsstatus und eingehender Belehrung durch die Richterin machte die junge Frau von ihrem Recht Gebrauch, sich der Aussage zu entschlagen. Unter Tränen meinte die Zeugin, dass sie und ihr Freund es noch einmal miteinander versuchen wollen.

Damit durfte das, was die 18-Jährige einst vor der Polizei detailliert geschildert hatte, nicht verwertet werden. Die Anklage fiel somit größtenteils in sich zusammen. Die in einem Fall von einem Spitalsarzt dokumentierten Verletzungen samt entsprechender Lichtbilder sowie die vorliegende Handynachricht rechtfertigen für Richterin Tagwercher jedoch zumindest einen teilweisen Schuldspruch.  Sie verurteilte den Lehrling wegen Körperverletzung und versuchter Nötigung zu einer teilbedingten Geldstrafe von 960 Euro. Die Hälfte davon muss der 18-Jährige bezahlen.

Der Angeklagte wies so gut wie alle Vorwürfe zurück. <span class="copyright">Stadler</span>
Der Angeklagte wies so gut wie alle Vorwürfe zurück. Stadler

Ins Gewissen geredet

Bevor das Paar den Saal verließ, redete die Richterin dem jungen Mann noch einmal ins Gewissen. „Mit Gewalt verschafft man sich keinen Respekt.  Jedenfalls möchte ich sie hier in dieser Konstellation nicht mehr sehen. Ich wünsche Ihnen trotzdem alles Gute.“ Das Urteil ist nicht rechtskräftig.