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„Wir sind noch kein offenes Haus“

10.06.2020 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Wir sind noch kein offenes Haus“
Carmen Helbok-Föger, Geschäftsführerin von Benevit, will Vorsicht walten lassen.

Pflege: Für Carmen Helbok-Föger, Geschäftsführerin von Benevit, kommen Lockerungen zu früh.

“Das ist durchaus spannend, was da gerade passiert. Das sind ja alles nur Empfehlungen, die jetzt von Bund und Land kommuniziert werden. Man muss ganz grundsätzlich sagen, dass die medialen Informationen, die am Sonntag und am Montag an die Öffentlichkeit gegangen sind, sehr irreführend waren. Das komplette Auflösen des Besucherverbotes gibt es ja so nicht. Da ist schlicht und einfach falsch berichtet worden. Wir sind noch kein offenes Haus. Und werden es auch am Donnerstag nicht sein.“

„Es sollen bitte nicht alle am Donnerstag um 10 Uhr vormittags los düsen und glauben, die Heime sind offen”

Carmen Helbok-Föger, Geschäftsführerin von Benevit

Es gebe Lockerungen, vor allem, was den Außenbereich betrifft. Aber im Haus darf man noch nicht in die Zimmer der Bewohner, bis auf wenige Ausnahmen. „Für mich ist diese massive Lockerung der Besucherregelungen zum derzeitigen Zeitpunkt nicht nachvollziehbar“, so Helbok weiter. Man könne nicht etwas sehr streng handhaben und es dann zu einem recht frühen Zeitpunkt wieder komplett aufheben: „Die meisten glauben, dass es jetzt so wie vorher ist. Und das stimmt so einfach nicht.“

“Die Situation ist noch nicht 100 prozentig entschärft“

teresse, dass die Bewohner ihre familiären Kontakte wieder pflegen und leben können. „Und wir müssen die Rahmenbedingungen schaffen, dass das so sicher wie möglich über die Bühne geht. Aber natürlich sind soziale Kontakte immens wichtig. Das ist unbestritten.“

Man führe immer noch eine Besucherliste und jeder Besucher wird nach Symptomen abgefragt. „Wir werden das mindestens noch zwei Wochen intensiv beobachten, wie sich das entwickelt, und dann werden wir weitersehen.“ Zudem tragen alle Mitarbeiter in den Heimen noch FFP1-Masken. Und man habe bis vor wenigen Tagen noch regelmäßig Symp­tomkontrollen bei den Mitarbeitern durchgeführt. „Meiner Meinung nach ist die ganze Situation noch nicht 100-prozentig entschärft“, betont die Geschäftsführerin.
„Wir empfehlen, keine Kinder unter sechs Jahren mitzubringen. Wir müssen jetzt mit viel Sachverstand und Feingefühl an die Sache herangehen. Wir haben einfach noch keinen Normalbetrieb.“ Man trage ja als Träger und Institution eine enorme Verantwortung. „Und sollte etwas passieren, wir waren selbst in Innerbraz davon betroffen, dann ist das sehr schlimm. Dort sieht man ohnmächtig zu, wenn so etwas passiert“, so Helbok.

„Wir sind auch immer wieder mit Angehörigen konfrontiert, die sich damit schwertun und das einfach nicht verstehen, warum wir so vorsichtig sind. Das ist einfach ein ­enormes Spannungsfeld, weil es da ans Eingemachte geht“, so Helbok weiter. Man versuche, die bes­ten Lösungen für die Angehörigen und die Patienten zu finden. Zudem seien die räumlichen Gegebenheiten in den Heimen unterschiedlich. Man sei bemüht, aber: „Es sollen bitte nicht alle am Donnerstag um 10 Uhr vormittags losdüsen und glauben, alle Heime sind offen, und ich kann mich dort frei bewegen. In unseren ­Häusern ist das definitiv nicht so.“

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