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Mit regionalen Partnern und Kämpferherz

14.06.2020 • 08:12 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Ex-Skirennläuferin Michelle Morik leitet 5-Sterne-Ressort Alpencamping.

Ein bisschen traurig sind wir schon, dass wir erst Ende Mai öffnen durften, obwohl unser Campingplatz der ideale Ort wäre, um zurückgezogen Urlaub zu machen. Unsere Standplätze verfügen über private Duschen und WCs, so können die Gäste komplett für sich sein“, erklärt Michelle Morik. Die ehemalige Skirennläuferin leitet das operative Geschäft im Familienbetrieb „Alpencamp Nenzing“ und ist jetzt umso glücklicher, dass ihr Betrieb wieder öffnen konnte. Zumal die neugebauten Himmelchalets, die in die hügelige Märchenlandschaft ragen, absolute Privatsphäre bieten. Diese waren während des Shutdowns jedoch genauso verwaist wie der Außenpool auf der Sonnenterrasse und das luxuriöse Spa. „Aber wir schauen jetzt nach vorne“, ist die Unternehmerin positiv eingestellt.

Geschäftsführerin Michelle Morik. <span class="copyright">Matak Studios</span>
Geschäftsführerin Michelle Morik. Matak Studios

Als ehemalige Skirennläuferin ist sie daran gewöhnt, sich durchzubeißen. Zahlreiche Verletzungen seien eine Schule fürs Leben gewesen. „So hart es klingen mag: Ich möchte keinen dieser Rückschläge missen“, weil sie dadurch gelernt habe, nie aufzugeben und immer zu kämpfen, bis es wieder aufwärts geht. Mittlerweile hat sich das Unternehmen durch die Krise gekämpft, und der Aufwärts­trend ist deutlich erkennbar.

Glamping

Das Buchungstelefon klingle Tag und Nacht, seit die Regierung angekündigt hat, dass die Grenzbalken wieder hochgehen. Was sie besonders freut: Auch viele Einheimische würden ihren heurigen Sommerurlaub im 5-Sterne-Camping am Tor zum Nenzinger Himmel verbringen. „Glamping“, der Fachbegriff für glamouröses Camping, ist ein internationaler Trend, der immer mehr Menschen anspricht. Jeder, der zum ersten Mal auf die Garfrenga herauffährt, könnte glauben, dass dieser Begriff hier ersonnen wurde.

Die Himmelschalets von Innen versprechen höchsten Komfort.<span class="copyright"> Stiplovsek</span>
Die Himmelschalets von Innen versprechen höchsten Komfort. Stiplovsek

Verlässliche Partner

Dass der Betrieb trotz allem einigermaßen gut durch die Krise gekommen ist, ist laut Morik nicht zuletzt den langjährigen, verlässlichen Partnerschaften zu verdanken, in die der Familienbetrieb eingebettet ist. Einer dieser Partner ist die Brauerei Frastanz, und das schon seit den Anfängen in den frühen 70er-Jahren.
„In der Krise halten wir zusammen“, bringt es Kurt Michelini, Geschäftsführer der genossenschaftlich organisierten Brauerei, auf den Punkt. „Bei Frastanzer waren die Verluste zum Glück nicht ganz so hoch wie anfangs befürchtet. Die getrunkene Biermenge scheint eine konstante zu sein“, erklärt der Geschäftsführer. Statt im Gasthaus habe man das Bier eben zu Hause getrunken.

<span class="copyright">Matak Studios</span>
Matak Studios

Regionale Kreisläufe stärken

Eines habe die Krise allerdings gezeigt: „Wir haben gesehen, wie schnell die Grenzen zugehen, wie wichtig regionale Strukturen für die Versorgung sind.“ Genau aus diesem Grund habe Frastanzer mit der Dornbirner Mohrenbräu schon vor zwei Jahren eine Kooperation gestartet. Gemeinsam haben die Biermarken eine neue Limonade mit dem Namen „Vo Üs“ entwickelt und auf den Markt gebracht. Als regionale Alternative zu den Produkten von Großkonzernen. Denen müsse man die Stirn bieten, indem man regionale Kreisläufe stärke und in den Regionen noch viel mehr zusammenarbeite. „Mit der Familie Morik verbindet uns eine sehr innige Partnerschaft, aber eine gelebte und nicht nur eine auf dem Papier.“ So war es selbstverständlich, das im März gelieferte Bier kostenlos zurückzunehmen und jetzt wieder frische Ware nachzufüllen.

<span class="copyright">Matak Studios</span>
Matak Studios

Eine Win-Win-Win-Situation

Für Tourismusdestinationen wie ihr Campingresort, so Morik, seien regional verankerte Partnerschaften essenziell. „Durch unsere Partnerschaften können wir unseren Gästen echte und authentische Erlebnisse bieten.“ Wenn sie beispielsweise im Himmelchalet nächtigen, das der einheimische Tischler komplett von Hand gefertigt hat, oder wenn Gäste die Gourmetküche mit regionalen Zutaten im Restaurant „Himmelwärts“ genießen, den Schnapsbrenner im Dorf besuchen oder einen kurzweiligen Ausflug zur Frastanzer Brauerei machen. „Das ist sozusagen eine Win-win-win-Situation – für unsere lokalen Anbieter, für die Gäste und für uns. Regionalität ist ein Pfeiler unserer Philosophie.“

Alpencamping Nenzing: Bierverkostung und Limoverkostung von Frastanzer und Mohrenbräu.<br><span class="copyright">Matak Studios</span>
Alpencamping Nenzing: Bierverkostung und Limoverkostung von Frastanzer und Mohrenbräu.
Matak Studios

Viele neue Ideen

Der zweite Pfeiler des Alpencampings sei Innovation. „Was wollt ihr denn jetzt schon wieder bauen?“, sei die übliche Reaktion ihres Vaters Sepp Morik, wenn Tochter Michelle gemeinsam mit Mama Gertie, einer gebürtigen Holländerin, wieder mit neuen Plänen daherkomme. Gerade sind die neuen Familienchalets fertig geworden. Logisch, dass sich auch in Michelles Abschlussarbeit für ihr Masterstudium alles um die Weiterentwicklung des eigenen Unternehmens dreht.

In den vergangenen Jahren pendelte die 30-Jährige, die auch diplomierte Sommelière ist, immer wieder in die Bundeshauptstadt. Ein Unternehmen zu führen und gleichzeitig ein Studium abzuschließen, ist nur mit eiserner Disziplin möglich, Disziplin, die sie im Spitzensport gelernt habe, in Rekordzeit. „Als Sportlerin war ich Einzelkämpferin. Auf der Uni, das muss ich ganz ehrlich zugeben, habe ich mir am Anfang extrem schwergetan, wenn nicht alles in meinem Tempo lief und ich mich in Gruppenarbeiten anderen anpassen musste.“ Bis sie aber irgendwann gemerkt hat, dass es mit Teamwork eigentlich viel leichter gehe. „Ich habe lernen dürfen, dass ich viel von anderen Ansichten mitnehmen kann. Jeder in einem Team hat Stärken und Schwächen. Gemeinsam bringt man einfach viel mehr weiter.“ Und diese Erfahrung bringt sie auch in ihr Unternehmen ein.

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