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Mohrenbräu-Logo wieder in Kritik

17.06.2020 • 19:39 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Birnbaum statt Mohr: Grafiker aus Dornbirn möchte Debatte in Gang setzen.

Am Mohrenbräu-Mohr scheiden sich die Geister. Für die einen gehört die Silhouette mit den wulstigen Lippen und dem krausen Haar „einfach dazu“, für die anderen ist das Logo ganz klar ein rassistisches Symbol und Zeichen mangelnden Feingefühls gegenüber Schwarzen Menschen. Der Grafiker Vincent Hehle zählt zweifelsohne zu letzteren, wenngleich er der Mohrenbrauerei auf keinen Fall Rassismus vorwerfen oder in irgendeiner Art und Weise schädigen will. Vielmehr möchte der 30-jährige Dornbirner eine Debatte über Alltagsdiskriminierung anstoßen. Am Dienstag hat er die von ihm gestaltete Alternativ-Version des Mohrenbräu-Logos samt gedanklichem Unterbau ins Netz gestellt, am Mittwoch­abend hatte der Beitrag auf Instagram bereits 1400 Likes.

Man sei sich bewusst, dass das Logo polarisiere, heißt es auf Anfrage aus dem Brauereiunternehmen. „Rassismusvorwürfe weisen wird jedoch entschieden zurück“, sagt Marketingleiter Bernd Marte und verweist auf den geschichtlichen Hintergrund des Logos. Eine Änderung des Markenzeichens sei derzeit nicht angedacht.

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Solidarität zeigen

Der selbstständige Grafiker bringt anstatt des umstrittenen Mohren-Konterfeis das Wappensymbol der Stadt Dornbirn ins Spiel. In seinem Beitrag erklärt er: „Es wird Zeit dieses Bier ins Jahr 2020 zu bringen und diese elende Karikatur mit dem zentralen Element unserer Stadt, dem Birnenbaum zu ersetzen.“ Dabei, so der Designer, würde die Ästhetik erhalten bleiben und die Verortung des Biers gestärkt. Mit seinem Änderungsvorschlag will Hehle darauf aufmerksam machen, dass Alltagsrassismus auch hierzulande salonfähig geworden sei.  „Neben politischen Kapriolen auf nationaler Ebene müssen wir auch als stolze Vorarlberger und aufgeklärte Österreicher der Wahrheit ins Auge blicken, dass auch wir Rassismus tolerieren“, schreibt er auf Instagram.  Im Gespräch mit der NEUE betont er, dass es ihm keinesfalls um seine eigene Person gehe, sondern nur um die Sache. „Es ist mir persönlich wichtig, Solidarität zu zeigen. Nichts zu sagen und keinen Beitrag zu leisten, bedeutet für mich, auf der falschen Seite zu stehen.“ Er hofft, dass sich die Mohrenbrauerei einer öffentlichen Debatte stellt und ihr  Logo überdenkt.

Mohrenbrauerei denkt nicht an eine Änderung ihres Markenzeichens und verweist auf den geschichtlichen Hintergrund des Logos. <span class="copyright">Steurer</span>
Mohrenbrauerei denkt nicht an eine Änderung ihres Markenzeichens und verweist auf den geschichtlichen Hintergrund des Logos. Steurer

Meinl und Co. änderten Logo

Es ist nicht das erste Mal, dass es Diskussionen um das Markenzeichen der Vorarlberger Traditionsbrauerei gibt. Bereits 2012 haben der Journalist Simon Inou und der Künstler Mara Niangm unter dem Slogan „No Mohr“ ein alternatives Logo entwickelt. Statt des Mohren sollte der Affenbrotbaum die Bierflasche zieren. Die Debatte, die nun wieder aktuell um Mohrenbräu geführt wird, haben andere Unternehmen schon hinter sich. Vor allem bei Kolonialwarenhändlern war der Mohr ein beliebtes Symbol. Zu finden war er beispielsweise auch auf den Produkten des deutschen Schokoladenherstellers Sarotti. Mittlerweile wurde aus dem schwarzen Diener ein Magier mit goldener Haut. Auch das österreichische Unternehmen Julius Meinl war mit dem Vorwurf konfrontiert, die Darstellung ihres Mohren würde rassistische Klischees bedienen. Meinl hatte diesen Vorwurf stets zurückgewiesen, änderte das Konterfei dann aber doch vom Mohren zur einfärbigen roten Silhouette.

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