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Dornbirn: Triage soll beibehalten werden

17.06.2020 • 18:22 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Zahlen aus 2019 bestätigen es : die Abulanz ist überlastet. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Die Zahlen aus 2019 bestätigen es : die Abulanz ist überlastet. Klaus Hartinger

„Vorsortierung“ bleibt und wird bestenfalls durch Ärztehaus ergänzt.

Nach einer monatelangen, Corona-bedingten Zwangspause tagte die Dornbirner Stadtvertretung am Dienstagabend im Kulturhaus. Im Gegensatz zum Sitzungssaal im Rathaus war dort nämlich der Mindestabstand gewährleistet.

Ganz oben auf der Tagesordnung stand der Rechnungsabschluss 2019 des Dornbirner Krankenhauses. Einen knappen Überblick präsentierte Vize-Bürgermeister und Krankenhausreferent Martin Ruepp (ÖVP). „Insgesamt ist es ein guter Abschluss“, meinte er.

Vize-Bürgermeister und Krankenhausreferent Martin Ruepp. <span class="copyright">Stadt Dornbirn</span>
Vize-Bürgermeister und Krankenhausreferent Martin Ruepp. Stadt Dornbirn

Einnahmen von 54.713.776 Millionen Euro stehen Ausgaben von 86.576.428 Millionen Euro gegenüber. Größere Investitionen sind der OP-Um- und Zubau. Belegtage sowie Auslastung sind ihm zufolge im vergangenen Jahr gestiegen. Der Anteil der Dornbirner Patienten lag vergangenes Jahr bei 38,4 Prozent, der Großteil kommt aus anderen Gemeinden oder Städten. Im Dornbirner Krankenhaus werden außerdem die meisten Kinder in Vorarlberg geboren. 2019 waren es 1477.

Ambulanz überlastet

57.741 Patienten suchten in 2019 ärztlichen Rat in der Ambulanz. In 2018 waren es noch 56.021. Es wurde also erneut eine Steigerung festgestellt. Und genau da liegt ein Problem. Die Ambulanz ist völlig überlastet.

„Wir können nicht alle Patienten in die Ambulanz lassen, es muss in der Notaufnahme triagiert werden“, meinte Stadtvertreterin und Ärztin Gabriele Sprickler-Falschlunger (SPÖ). Konkret: Patienten werden nach Beschwerdebild und Dringlichkeit behandelt oder zum Hausarzt geschickt.

Gabriele Sprickler-Falschlunger.<span class="copyright"> Bernd Hofmeister</span>
Gabriele Sprickler-Falschlunger. Bernd Hofmeister

Allerdings funktioniert das nach Ansicht von Sprickler-Falschlunger nur in Verbindung mit einem Primärversorgungszentrum. Ein Ärztehaus, wohin die Leute geschickt werden können. Dieses müsse von 8 bis 18 Uhr besetzt sein. Hätten Patienten einmal dieses Procedere durchlaufen und würden erkennen, dass es funktioniert, würde ein Lerneffekt eintreten, ist die Medizinerin überzeugt.

Kinderarztpraxis

Ein erster Schritt in diese Richtung wurde laut Bürgermeisterin Andrea Kaufmann (ÖVP) bereits gesetzt. Man habe den Mangel an Kinderärzten zum Anlass genommen, um ein neues Konzept zu entwickeln. Es gebe bereits Räumlichkeiten in der Kreuzgasse, dort soll „bald“ eine Kinderarztpraxis den Betrieb starten. Kompetenzen rund um die medizinische Versorgung für Kinder werden dort gebündelt. Eltern sollen von den Öffnungszeiten und der besseren telefonischen Erreichbarkeit profitieren. Kaufmann kann sich vorstellen dieses neue Konzept auch für Allgemeinmediziner zu erweitern.

Bürgermeisterin Andrea Kaufmann.<span class="copyright"> Stadt Dornbirn</span>
Bürgermeisterin Andrea Kaufmann. Stadt Dornbirn

In Sachen Triage pflichteten Pflegedirektor Bertram Ladner und Verwaltungsdirektor Helmut Fornetran Sprickler-Falschlunger bei. Man werde die seit Corona eingeführte Triagierung beibehalten. In Verbindung mit einem Versorgungszentrum bedeute das eine Qualitätsverbesserung für Patienten und Personal. Ein solches Zentrum sei auch deswegen anzustreben, weil immer weniger Ärzte als Allgemeinmediziner selbständig sein wollten, hieß es.

Krankenhaus Verwaltungsdirektor Helmut Fornetran.<span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Krankenhaus Verwaltungsdirektor Helmut Fornetran.Klaus Hartinger

Ärztemangel

Auffällig im Rechnungsabschluss des Krankenhauses sind die relativ niedrigen Personalkosten. Das ist in gewissen Sinne einem Ärztemangel zuzuschreiben. Zwar sei der Dienstpostenplan knapp erfüllt, „aber es sind Posten von Oberärzten, die nicht besetzt sind“, erläuterte Fornetran. Das sei mit großen Summen verbunden, die sich auffällig niederschlagen. Obwohl man ausbilde, würden sich wiederum Fachärzte aus den Bereichen Orthopädie und Gynäkologie bevorzugt in Praxen niederlassen.

Kritik und Lob

Kritik und Lob für den Rechnungsabschluss gab es dann noch von den Neos. Michael Klocker sind die Personalkosten zu hoch. Vor allem im Hinblick darauf, dass Mitarbeiter fehlen. Elisabeth Feuerstein lobte die Krankenhausküche. Diese zeichnet sich durch regionalen Produzenten aus. Das lobte auch Stadträtin Juliane Alton (Grüne). Sie wies noch darauf hin, dass offenbar nicht immer ein Facharzt in der Ambulanz zur Verfügung stehe. Daran gelte es zu arbeiten, um Fehler zu vermeiden.

Investitionen wegen Corona

Wann oder wie massiv sich die Corona-Krise im Budget des Krankenhauses niederschlagen wird, konnte Verwaltungsdirektor Fornetran nur mutmaßen. Es sei aber verstärkt in die Umsetzung des Triage-Systems, Schutzausrüstung sowie Beatmungsgeräte investiert worden. Der Medikamentenbestand wurde sicherheitshalber um das Zehnfache aufgestockt. Die Budgetierung werden, heuer jedenfalls mehr Zeit in Anspruch nehmen als üblich.

Der Rechnungsabschluss wurde einstimmig von der Stadtvertretung beschlossen.