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Vergangenheit und Gegenwart vereint

17.06.2020 • 06:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Rathaus Feldkirch blickt auf eine lange Geschichte zurück.<span class="copyright"> Dietmar Stiplovsek</span>
Das Rathaus Feldkirch blickt auf eine lange Geschichte zurück. Dietmar Stiplovsek

Das Feldkircher Rathaus hat eine bewegte Geschichte.

Zwischen dem alten österreichischen Doppeladler-Wappen und dem Wappen der Stadt stehen auf der Fassade des Feldkircher Rathauses zwei Jahreszahlen: 1493 und 1936. Letztere kennzeichnet jenes Jahr, in welchem das Rathaus aufwändig erneuert und vergrößert worden ist. Über 440 Jahre zuvor wurde das „Neue Rathaus“ erstmals mitten in der Stadt aufgebaut. „Neu“ deshalb, weil das alte Rathaus sich zuvor neben dem Pulverturm an der Ill befand, am heutigen Mühletorplatz 14. Doch dies war eine äußerst ungünstige Lage. Damals stieg die Ill immer wieder über die Ufer und zerstörte Ende des 15. Jahrhunderts auch den gerade in Bau befindlichen Pulverturm neben dem alten Rathaus. Daraufhin beschloss man, in das Zentrum auszuweichen und gleich auch ein wesentlich größeres Rathaus zu bauen.  

Im Ratsaal finden heute die Stadtvertretungssitzungen statt. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Im Ratsaal finden heute die Stadtvertretungssitzungen statt. Dietmar Stiplovsek

Stadtbrände

Doch auch inmitten der Feldkircher Innenstadt war das Gebäude nicht vor Zerstörung sicher. Immer wieder kam es zu verheerenden Bränden, immer wieder musste das Rathaus neu aufgebaut werden. Am 6. August 1697 brach schließlich das größte Feuer in der Feldkircher Geschichte aus. Innerhalb von neun Stunden brannten zwei Drittel der Stadt nieder. Insgesamt fielen 150 Häuser den Flammen zum Opfer, darunter auch das Rathaus und das unmittelbar angrenzende Spital.

Acht Ratsherren schnürten daraufhin ihre Bündel und machten sich auf den Weg nach Bayern, Kärnten und in die Steiermark. Ihre Aufgabe war es, für den Wiederaufbau des Rathauses Geld zu sammeln. Nach ihrer erfolgreichen Rückkehr konnte mit dem Wiederaufbau begonnen werden.

Die Fassade wurde vom Innsbrucker Architekt und Maler Nikolaus Prachensky gestaltet. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Die Fassade wurde vom Innsbrucker Architekt und Maler Nikolaus Prachensky gestaltet. Dietmar Stiplovsek

Nicht nur Politik. Das Rathaus war früher aber nicht nur ein Ort, an welchem Politik gemacht worden ist. So befand sich im Erdgeschoss des Gebäudes etwa ein Kornspeicher. In dieser hohen und gewölbten Halle wurde Getreide gelagert, welches aus Süddeutschland importiert und hier zum Kauf angeboten wurde. Im ersten Stock befand sich indes eine Tuchhalle, in welcher Händler ihre Ware auslegten, um sie auf den Jahrmärkten feilzubieten. Um 1700 musste die Tuchhalle weichen und es wurde der heute noch bestehende Ratsaal, die Ratsstube und das Stadtarchiv eingerichtet. Der Kornspeicher wich 1897 entstehenden Kanzleien.

<span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Dietmar Stiplovsek

Belustigungen

Aber das Rathaus diente nicht nur der Abwicklung von Handel und Amtsgeschäften. Man berichtet auch von sogenannten „Belustigungen“, die dort für angesehene Bürger und Ratsherren stattfanden. Es wurde gegessen, getanzt, getrunken. Dazu ist im Rheticus Heft 3-1999 vermerkt: „Die Teilnahme des ­Seelsorgers durfte nicht fehlen, vielmehr hätte man seine Weigerung beleidigend gefunden und als eine Erklärung, dass man nicht in Ehren lustig sein dürfe.“

Die Adresse vom Fedlkricher Rathaus. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Die Adresse vom Fedlkricher Rathaus. Dietmar Stiplovsek

Neben dem Rathaus befand sich ein um 1400 errichtetes Spital beziehungsweise ein sogenanntes Pfründhaus. In diesem konnten sich Feldkircher Bürger im Alter pflegen und versorgen lassen. Als Gegenleistung mussten sie jedoch ihr gesamtes Vermögen sowie ihren Besitz und ihre Einkünfte der Spitalstiftung übergeben. „Einpfründen“ wurde diese Vermögensübertragung genannt. Besonders herrschaftlich lebten die alten Bürger indes in diesem Altersheim nicht. Das Essen dürfte eintönig gewesen sein und wohl nicht viel Grund zur Freude geboten haben. Catharina von Furtenbach (1531–1619) wohnte ­gegenüber diesem Pfründhaus. Sie dürfte ­mitbekommen haben, wie langweilig die Küche dort war. Sie gründete die „Küchle-Stiftung“ und stiftete jeden Freitag „Küchle“ für das Haus. 

<span class="copyright">Stadtarchiv Feldkirch</span>
Stadtarchiv Feldkirch

Zwischenkriegszeit

Beim letzten großen Umbau des Rathauses in den Jahren 1932 bis 1936 wurde das Spital mit dem neuen Rathaus verbunden.  Der Kärntner Architekt Hugo Wank wurde mit dem Projekt „Vereinigt 1 und 2“ beauftragt. Er verband die beiden Gebäude durch eine gemeinsame Eingangshalle. So entstand auch der bis heute bestehende Haupteingang. Das Spitalsgebäude wurde adaptiert und fortan für Büros genutzt.

Eine alte Ansicht des Rathauses. <span class="copyright">Stadtarchiv Feldkirch</span>
Eine alte Ansicht des Rathauses. Stadtarchiv Feldkirch

Die Bemalung der Fassade stammt vom Innsbrucker Architekten und Maler Nikolaus Prachensky. Diese prangt bis heute an den Außenwänden des Gebäudes. Ein wichtiges Ereignis der Feldkircher Stadtgeschichte erkennt man auf der Fassade zur Neustadt hin: die Übergabe des Freiheitsbriefes von 1376 durch Graf Rudolf V. Überall sind auch Wappen wichtiger Feldkircher Geschlechter und Bürgerfamilien zu sehen. Zwischen 1998 und 1999 fanden die jüngsten Adaptierungsarbeiten statt. Der Dachboden wurde für weitere Büros ausgebaut und im Erdgeschoß zog das Bürgerservice ein.

Heidi Salmhofer

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