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Freude über Einkaufstouristen

20.06.2020 • 22:41 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Beim Messerpark waren wieder vermehrt Autos mit Schweizer Kennzeichen zu sehen. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Beim Messerpark waren wieder vermehrt Autos mit Schweizer Kennzeichen zu sehen. Oliver Lerch

Branche mit erster Woche nach Grenzöffnung zufrieden.

Seit Anfang der Woche sind Vorarlbergs Grenzen wieder offen. Gerade von den Verantwortlichen im Handel und auch in der Gastronomie wurde dieser Schritt sehnlichst erwartet. Schließlich sind die Schweizer und Liechtensteiner Nachbarn gern gesehene Kunden und Gäste. Entsprechend erfreut zeigt sich über die Lockerungen an den Grenzen Michael Tagwerker, Geschäftsführer der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer. Der Zulauf der benachbarten Kundschaft sei während der Woche durchaus zufriedenstellend gewesen, berichtet er. Das Niveau aus der Zeit vor der Corona-Krise sei jedoch noch längst nicht erreicht worden.

Seit Montag sind die Grenzen auch für Einkaufstouristen wieder offen. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Seit Montag sind die Grenzen auch für Einkaufstouristen wieder offen. Oliver Lerch

Ähnlich fällt auch die Einschätzung von Burkhard Dünser aus. Für den Geschäftsführer des Dornbirner Messeparks war es „schön, auf dem Parkplatz wieder vermehrt Schweizer und Liechtensteiner Kennzeichen zu sehen“. Allerdings erzählt auch er, dass der Zulauf noch nicht die altbekannten Ausmaße angenommen hat.

Verhaltene Erwartungen

Im Vorfeld des gestrigen Einkaufssamstags hatte er dementsprechend verhaltene Erwartungen. Auch bei den einheimischen Kunden habe es nach der Aufhebung des Lockdowns und nach Wiedereröffnung der Einkaufszentren eine Weile gedauert, ehe die Lust auf Shopping wieder eingesetzt habe. Mittlerweile sei man hier aber „auf bestem Weg in Richtung einer Normalisierung“. Es gelte daher auch erst einmal, einen Monat lang abzuwarten, ehe man eine Einschätzung über die Kauflust der Schweizer und Liechtensteiner Gäste vornehme.

Anstehen für die Steuerrückerstattung nicht nur im Einkaufszentrum,...
Anstehen für die Steuerrückerstattung nicht nur im Einkaufszentrum,...

Das Einkaufszentrum war bei einem Lokalaugenschein der NEUE am gestrigen Samstag gut besucht. Auf dem Parkplatz waren zahlreiche Fahrzeuge mit Nummernschildern aus den eidgenössischen Nachbarkantonen oder aus dem Fürstentum Liechtenstein zu sehen. Einen Ansturm der Einkaufstouristen, der für chaotische Zustände gesorgt hätte, hat es aber allem Anschein nach nicht gegeben. Der Tag verlief in geordneten Bahnen.

Urlauber spielen im Zimbapark größere Rolle

Keine so große Rolle wie in Dornbirn spielen die ausländischen Einkaufsgäste im Bürser Zimbapark, berichtet der dortige Geschäftsführer Walter Simma. Der Grund dafür ist die fehlende Grenznähe. Aufgrund der benachbarten Tourismusregionen im Montafon sind es in Bürs eher die Urlaubsgäste, die mit ihrem Einkauf für das Geschäft sorgen. Da seien dann vielfach aber auch Tagesausflügler aus der Schweiz oder dem Fürstentum Liechtenstein darunter, erzählt der Geschäftsführer.

Ende der Maskenpflicht steigert Kauflust

Er hofft daher auch darauf, dass der Sommertourismus heuer gut läuft. Wobei ein wichtiger Schritt aus seiner Sicht bereits erfolgt ist. Denn mit dem Ende der Maskenpflicht im Handel sei bei vielen Menschen auch spürbar die Einkaufslust wieder angestiegen.

Auch in Feldkirch spielen Kunden aus der Schweiz und Liechtenstein eine wichtige Rolle.<br><span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Auch in Feldkirch spielen Kunden aus der Schweiz und Liechtenstein eine wichtige Rolle.
Klaus Hartinger

Positiv gestimmt zeigt sich auch Michael Gallaun, Obmann der Werbegemeinschaft der Einkaufsstadt Feldkirch. Die Grenz­öffnung sei für die Handels- und Gastronomiebetriebe in der Montfortstadt „sehr wichtig gewesen“. Ein Aufschwung sei spürbar. Das könne er als Gastronom und Betreiber des Lokals Dogana in der Innenstadt bestätigen.

Gemeinsame Aktionen

Dennoch seien die Verluste durch die Corona-Krise wohl nicht mehr wettzumachen, meint Gallaun. Umso wichtiger sei es daher jetzt für die über 130 Mitglieder der Werbegemeinschaft, sich gegenseitig zu unterstützen und das Geschäft wieder anzukurbeln. Entsprechende Aktionen seien bereits in Planung.

Schon viele Stammgäste da

Zuversichtlich gibt sich auch Reinhard Rauch, Betreiber des Restaurants Rio in Feldkirch. Viele seiner Stammgäste aus Liechtenstein seien in dieser Woche bereits wieder bei ihm eingekehrt, sagt er. Auch bei den Reservierungen sehe es gut aus. Dennoch gebe es „noch sehr viel Luft nach oben“.

Elektronik war nach der Wiedereröffnung der Einkaufszentren gefragt. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Elektronik war nach der Wiedereröffnung der Einkaufszentren gefragt. Dietmar Stiplovsek

Stark von der Branche abhängig. Ob und wie gut die Ausfälle durch die Corona-Pandemie wettzumachen sind, hängt auch stark von der jeweiligen Branche ab, erläutert Messepark-Chef Dünser. Textil- und Schuhhändler hätten es beispielsweise schwer. Schließlich ist ihre Ware saisonabhängig, und die Frühjahrsmode konnte teilweise nicht verkauft werden. In anderen Sparten wie etwa im Elektro- oder Sportartikelhandel brumme dagegen das Geschäft. Das zeige, dass es bei den Auswirkungen der Krise große Unterschiede gebe. Diese Einschätzung teilt auch Spartengeschäftsführer Tagwerker. Ob die Verluste wettzumachen seien, hänge stark von der Branche ab, ist er überzeugt.

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