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Mehr Verantwortung heißt mehr Macht

21.06.2020 • 05:57 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Nadine Dunst-Ender macht Lebens- und Sozialberatung. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Nadine Dunst-Ender macht Lebens- und Sozialberatung. Oliver Lerch

Nadine Dunst-Ender coacht Frauen zum Traumjob und mehr Leichtigkeit.

Nicht nur die Flamingos, die im Wohnraum aufgeblasen sitzen oder elegant metallen stehen, sind rosa. Auch Nadine Dunst-Enders wirklich sehr kurze Haare, ihr Lidschatten und ihre Strickjacke sind es. Hier steht jemand zu sich und seinen Extravaganzen: Das ist ein gutes Zeichen, nicht zuletzt für die Frauen, die sich bei der „Happycoachin“ Unterstützung und den nötigen Schneid holen.
Auf dem Mentalcollege Bregenz hat sie sich zum Mentalcoach und zur Lebens- und Sozialberaterin ausbilden lassen. Danach war Dunst-Ender Bewerbungstrainerin für Jugendliche und Erwachsene in einem Erwachsenenbildungsinstitut, hat schließlich Flüchtlingen alles Wichtige zum Pflichtfach „Berufsorientierung“ beigebracht.

Dann kamen Corona und die Erkenntnis, dass sie tun sollte, was sie ihren beruflichen Gegenübern nahebringt: sich auf das fokussieren, was sie richtig gut kann. Denn Vortragsabende fielen ins Wasser, ihre Tätigkeit als Kursleiterin und wegen der abgesagten Gemeinderatswahlen auch ihr politisches Engagement für das Grüne Forum Rankweil.

Happycoachin

Nadine Dunst-Ender

akad. Mentalcoach, dipl. Lebens- und Sozialberaterin

Whatsapp: 0664 88613758

info@happycoaching.at

happycoaching.at

YouTube-Kanal: „NINs 1 bis 15 Minuten”

Entscheidungen treffen

Seither bietet Dunst-Ender von zuhause aus Webinare über Videokonferenzen an. „Kind und Lagerkoller – weniger Wut, mehr Leichtigkeit“, heißt eines. Unterstützung hierfür gab es vom Frauenreferat des Landes und „femail“, Vorarlbergs Informations- und Servicestelle für Frauen.

Viele Frauen sagen ihr, sie bräuchten mehr Energie. Dunst-Enders Antwort darauf: „Du brauchst nicht mehr Energie. Sie geht für die falschen Sachen drauf.“ Da heißt es Prioritäten setzen, Aufgaben abgeben. Damit leben lernen, dass der Partner die Wäsche anders faltet als ich. Die Erkenntnis, dass die Pflichten, die sich durch Familie und Haushalt ergeben, aufgeteilt werden dürfen. Sich trauen, Entscheidungen zu treffen. „Denn wer Entscheidungen trifft, trägt die Verantwortung für das Ergebnis – Verantwortung bedeutet Macht. Jede und jeder sollte sie für das eigene Leben übernehmen und sich auch gegenseitig zugestehen.“

<span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Oliver Lerch

Unnötig zu erwähnen, dass Dunst-Ender eine Freundin klarer Worte ist. Auf instagram postet sie Bilder von Familienausflügen, wo sie über den Nullbock-Wanderkoller ihrer Kinder und den „katastrofurchtbaren Beginn“ der Tour schreibt, die fast keine Fortsetzung gefunden hätte. „Mir geht es darum, etwas gegen den Perfektionsanspruch vieler Frauen zu machen. Wenn ich Ich-erkenne-mich-wieder-Mails von anderen Frauen bekomme, fühle ich mich bestätigt“, erzählt die Bloggerin. „Kackmom.life“ heißt ihr Blog, den sie nun in ihren Beruf, das „Frauen Stärken“, integriert hat.

Weitere Infos unter:

www.epu.wko.at

Startegie für gelassenes Leben

Bei ihrem Einzelcoaching ist der erste Termin ein „Auskotztermin“. Was soll anders werden? Welche Mentalfähigkeit vermisst diejenige? „Selbstliebe, Leichtigkeit“, werden oft genannt. Gemeinsam mit ihrer Kundin vereinbart Dunst-Ender ein Coaching-Ziel, etwa mehr Gelassenheit. „Was fördert deine Gelassenheit?“, fragt sie dann. „Beim Wandern bin ich gelassen“, „mit meiner Freundin Susanne“. Also folgt der Auftrag, wandern zu gehen und Susanne zu treffen. Parallel wird an weiteren Strategien für ein gelasseneres Leben gearbeitet, wobei der Ansatz ein nach vorn gerichteter, lösungsorientierter ist:
„Was sind deine Bedürfnisse? Welche eine Kleinigkeit hat dich heute zum Lächeln gebracht? Was kannst du gut, auf was kannst du deinen Fokus verstärkt legen?“ Kommt die Antwort „ich kann nichts richtig gut, ich habe nichts Richtiges gelernt oder schon lange nichts mehr in der Richtung gemacht“, folgt die Kleinarbeit. Dann fragt die Mentaltrainerin nach den „Nebensächlichkeiten“ und allem „Nullexpertentum“, mit dem die Kundin offensichtlich ihr Leben verbringt.

Fahigkeiten formulieren

Care-Arbeit für alle Menschen und den Haushalt: eine Selbstverständlichkeit? Kinder und ihren Zeitplan managen: ein Kinderspiel? Aus jeder Tätigkeit lassen sich Fähigkeiten ziehen. Nicht umsonst hat Dunst-Ender auch eine Ausbildung in Life/Work-Planning. Dabei coacht sie Jobsuchende, die am Ende vielleicht nicht nur einen neuen Job haben. Sondern auch mehr Selbst-Bewusstsein: Welche Tätigkeiten mache ich gerne und kann ich gut? Sich nicht mit einer offenen Stelle begnügen, deren Anforderungen ich sicher mit links genügen kann. Sondern auf den eigenen Traumjob hinarbeiten, neugierig und beharrlich. Und positiv.

<span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Oliver Lerch

Selbst auf den Leib schneidern

Ihr Ausbildner begeisterte sie mit der Geschichte einer Zahnärztin in Deutschland, die zum Jobcoach sagte: „Ich will keinen Tag länger Zahnärztin sein.“ „Was machst du gerne?“ „Singen.“ „Bist du gut?“ „Mittelmäßig.“ „Was noch?“ „Tanzen.“ „Gut?“ „Nicht ganz so gut wie Singen.“ Diese Frau geht heute in Kindergärten und bringt den Kindern mit Singen und Tanzen das richtige Zähneputzen bei. Es gibt den auf den Leib geschneiderten Job nicht. Es sei denn, frau schneidert ihn sich auf den Leib.

Von Miriam Jaeneke

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