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Debatte entgleist, “Mohr” bleibt

22.06.2020 • 20:13 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Diskussion um Logo der Mohrenbrauerei entbrannt. <span class="copyright">Hartinger</span>
Diskussion um Logo der Mohrenbrauerei entbrannt. Hartinger

Initiatoren distanzieren sich von Wortmeldungen, Logo bleibt.

“Die letzten 72 Stunden waren mitunter die anstrengendsten Stunden meines Lebens“, schreibt der Dornbirner Grafiker Vincent Hehle auf Instagram – drei Tage, nachdem er seine Logovariante für die Mohrenbrauerei ins Internet gestellt hat. Sein optischer Denkanstoß, das Markenzeichen der Dornbirner Traditionsbrauerei kritisch zu hinterfragen, hat in den sozialen Medien eine Lawine an Zuspruch und Kritik ausgelöst. Von einer sachlichen und reflektierten Debatte, so wie sie sich der 30-Jährige laut eigenem Bekunden gewünscht hätte, kann allerdings keine Rede sein. Sowohl Befürworter als auch Gegner sparten nicht mit Angriffen. Das Ausmaß an Beleidigungen beider Seiten habe ihn bestürzt, schreibt Hehle. Auch die Mohrenbrauerei berichtet von „übelsten Beschimpfungen“ und hat die Kommentarfunktion ihres Instagram-Auftritts vorübergehend deaktiviert.

Thomas pachole, Geschäftsführer der Mohrenbrauerei. <span class="copyright">hartinger</span>
Thomas pachole, Geschäftsführer der Mohrenbrauerei. hartinger

Keine Änderung angedacht

Man kenne die Diskussion selbstverständlich und verstehe, dass das Logo manche Menschen irritiere, so die Brauerei in ihrem am Sonntagabend veröffentlichten Statement in den sozialen Medien. „Die Mohrenbrauerei steht für Toleranz und lehnt Rassismus ganz entschieden ab“, hielt das Unternehmen mit Verweis auf den geschichtlichen Hintergrund des Firmennamens und -logos fest. Da ein sachlicher, respektvoller und wertschätzender Dialog aktuell nicht mehr möglich sei, sehe man sich gezwungen, den Kanal vorübergehend stillzulegen. Weiters stellte die Brauerei klar, dass sie „die Marke in ihrer traditionellen Darstellung beibehält“.

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Wird der „Mohr“ also auch in zehn Jahren auf dem Etikett zu finden sein? Geschäftsführer Thomas Pachole blieb eine klare Antwort schuldig. „Wir ändern aktuell nichts, schon gar nicht auf Zuruf. Was in fünf oder zehn Jahren sein wird, kann ich jetzt noch nicht sagen“, so der Mohren-Chef auf NEUE-Nachfrage. Weiters gab Pachole zu bedenken, dass eine Markenänderung derzeit schon allein aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht möglich sei. Der Geschäftsführer zeigt sich verärgert über die Art und Weise, wie die Diskussion geführt wird. „Das ist einfach schockierend und zeigt, wie gespalten die Gesellschaft ist.“

Auch Irem und Constantin, jene zwei jungen Männer, die die Debatte ursprünglich angestoßen hatten, distanzieren sich von den „kontraproduktiven“ Wortmeldungen. „Der Versuch eines konstruktiven Gesprächs wurde leider von manchen als Chance genutzt, ihren inneren Internet-Troll auszuleben. Resultat waren Beschimpfungen unter der Gürtellinie“, heißt es in dem Statement.

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Werberäte empfehlen Änderung

Die Diskussion rund um das Logo ist nicht neu. Bereits 2012 gab es einen ähnlichen Vorstoß. Auch der Österreichische Werberat musste sich aufgrund von Beschwerden mehrmals mit der Thematik auseinandersetzen. Einmal war es eine Bandenwerbung im Rahmen des Hypo-Meetings in Götzis, die einem Zuseher auf ORF Sport+ missfiel. Ein anderes Mal erregte ein zum 150-jährigen-Firmenjubiläum bedrucktes T-Shirt die Gemüter. Der Werberat sprach das Unternehmen in allen Fällen frei. Das Gremium kam zum Schluss, dass „unter Berücksichtigung, dass es sich beim Mohrenbräu um eine traditionsreiche, eingetragene Marke handelt, deren Namensgebung auf den Gründer Josef Mohr zurückgeht, kein rassistischer Hintergrund erkannt werden kann“. Allerdings wurde jedes Mal darauf hingewiesen, dass eine „nicht unerhebliche Anzahl der Werberäte und Werberätinnen“ empfehle, „das Bildlogo zu überdenken und im Hinblick auf stereotype Darstellung zu adaptieren“.

Laut Webseite besteht das Entscheidungsgremium aus 241 erfahrenen und repräsentativen Persönlichkeiten aus den drei Kernbereichen der Werbewirtschaft – Medien, Agenturen, Auftraggeber – sowie Persönlichkeiten aus anderen Disziplinen und Spezialgebieten, wie etwa Anwälte und Psychologen.