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Ein Fläschchen in Ehren…

27.06.2020 • 18:47 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Matthias Müller berät die Kunden in seiner Vinothek. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Matthias Müller berät die Kunden in seiner Vinothek. Oliver Lerch

…kann niemand verwehren. Matthias Müllers neue Vinothek ist ein Besuch wert.

Ziesel gehören zu den Erdhörnchen und haben dehnbare Backentaschen zum Verstauen von Nahrung. Dass zur flüssigen Nahrung zumindest in Feldkirch auch der eine oder andere gute Tropfen zählt, ist unter Kennern geläufig. Ist der Ziesel doch das Wappentier der „Weineinblicke Müller“. Zwischen Weißen und Roten lugt der Nager in Plüschform hervor, ein T-Shirt für Inhaber Matthias Müller mit einem possierlichen Ziesel drauf ist gerade im Entstehen. Und der „Zieselbau“ macht neugierig und „ist mal was anderes“, sagt Müller.

Die Anfänge

Die Vinothek liegt im hinteren Teil des Schützenhauses. Im Geschäft führt der Weg vorbei an Weinregalen mit reichhaltigem Sortiment. In der Mitte stehen Original-Weinfässer, die dazu einladen, volle Gläser darauf abzustellen. An den Wänden ist die Tradition der Schützengilde Feldkirch in Form von über fünf Jahrhunderte alten Schützenscheiben zu begutachten. Und tatsächlich führt der Weg wie in einem ordentlichen Zieselbau nach hinten weiter, durch das Schützenscheibenmuseum hinüber in die Gaststube.

Große Auswahl. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Große Auswahl. Oliver Lerch

Hier hat vor vielen Jahren alles angefangen. „Im Schützenhaus arbeite ich schon lange. Seit 2004 bin ich Restaurantleiter. Ich habe, seit ich hier bin, viel mit Wein zu tun und den Ehrgeiz, die Gäste gut zu beraten. Dann habe ich begonnen, mir Fragen zu stellen wie ,Was macht den Grünen Veltliner zum Grünen Veltliner?‘, ,Dieser Wein schmeckt mir – wieso?‘ Daraufhin habe ich mich zum österreichischen Sommelier ausbilden lassen und auch das Diplom gemacht“, blickt Müller zurück.

Das Maskottchen der Vinothek: Ein Ziesel. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Das Maskottchen der Vinothek: Ein Ziesel. Oliver Lerch

Er erzählt von Weinreisen in Österreich, den Piemont, nach Bologna oder Spanien. „Aber wie sagt man so schön? ,Schuster, bleib bei deinen Leisten‘“, zitiert er schmunzelnd. Seine Winzer veredeln Trauben in der Südsteiermark, im Burgenland, im Weinviertel, dem Kamptal oder der Wachau.

„Wenn aber jetzt jemand kommt und sagt ,ich hätte gerne einen kräftigen Spanier‘, dann klemme ich mich da natürlich auch dahinter“, sagt Müller. Das kann die Kundin Ines Brunner, die einen großen Karton abholt, nur bestätigen. „Ich komme gerne hierher, es ist sehr familiär und persönlich, Matthias nimmt sich Zeit. Ich wollte gerne anders gepresste Trauben, zum Beispiel aus einer Ganztraubenpressung. Hier bekomme ich das alles. Und außerdem kennt man sich auch“, fügt sie lachend hinzu.

<span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Oliver Lerch

Frisch eröffnet

Anfang März hat Matthias Müller seinen Zieselbau eröffnet. Dann kam der Lockdown. „Einerseits haben die Leute die Zeit zum genussvollen Trinken gehabt. Andererseits hatte ich noch nicht so viele Kunden, und die Weinmesse ,Vinobile‘, die für mich wichtig gewesen wäre, ist ausgefallen. Aber jammern bringt einen nicht weiter“, resümiert der Weinsommelier.
Zumal er das Glück hatte, einen Kundenstamm übernehmen zu können: „Josef Vonbun hatte eine Vinothek in Giesingen und kannte mich über das Schützenhaus. Er hat mich angesprochen, er wolle aufhören, ob ich seine Vinothek nicht übernehmen wolle. Da habe ich gesagt ,Wir sind gerade mitten im Hausbau und bekommen noch Nachwuchs, das klappt frühestens 2020.‘ Daraufhin hat er noch anderthalb Jahre weitergemacht und jetzt im Frühjahr an mich übergeben.“ Das Netzwerk an Winzern pflegt er weiter, setzt aber auch eigene Akzente.

Matthias Müller in seiner Vinothek. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Matthias Müller in seiner Vinothek. Oliver Lerch

Beurteilung der Winzer

Zum einen entscheide nicht zuletzt die Sympathie. Aber auch, ob der Winzer über die Jahre eine konstante Leistung vorweisen kann, wie viele Weinhändler seine Weine in Vorarlberg bereits verkaufen, und eine gewisse Streuung, was die Regionen angeht. „Im Moment arbeite ich mit rund 15 Winzern zusammen, den Rest beziehe ich über Händler“, sagt er.

Wer seine Kunden sind? „Quer durch. Ich spreche eine jüngere Zielgruppe an, die Kunden, die ich von Josef übernommen habe, sind eher 50 plus, viele auch aus Liechtenstein und der Schweiz, die ich jetzt natürlich vermisst habe. Einige kennen mich auch vom Gasthaus oder privat, außerdem beliefere ich zwei bis drei Gasthäuser.“ Wichtig ist ihm die Dienstleistung. „Einer Kundin vorhin habe ich die Flaschen für eine Blindverkostung verpackt, sie veranstaltet ein Mal pro Monat einen Weinabend. Erstens wäre ich umgekehrt auch froh über den Service, und außerdem bin ich der Meinung, das kommt alles zurück“, erklärt Müller. Für unerfahrene Kunden nimmt sich der Weinkenner besonders viel Zeit. „Wir probieren uns durch die Vielzahl an den verschiedenen Sorten und finden so perfekten Wein.“

Matthias Müller

Weineinblicke Müller,

Göfiser Straße 2,

Feldkirch

Tel. 0664/9172425,

E-Mail:

hermitdemwein@wein-einblicke.at

www.wein-einblicke.at


Immer wieder kommen Gäste in die Vinothek, die in der Wirtschaft den passenden Wein zum Essen gefunden haben und diesen auch zu Hause genießen wollen. Die Weine, die in der Wirtschaft auf der Weinkarte zu finden sind, gibt es auch in der Vinothek zu kaufen – zum Vorteil aller.
Auch der Ziesel hat übrigens so seine Vorzüge. Man sagt, er mag die sonnige Südlage.


Weitere Infos unter:
www.epu.wko.at

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Oliver Lerch

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