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„Krise hat Branche sehr hart getroffen“

27.06.2020 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Manfred Scheel ist Sprecher der Fitnessstudios in der Vorarlberger Wirtschaftskammer. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Manfred Scheel ist Sprecher der Fitnessstudios in der Vorarlberger Wirtschaftskammer. Klaus Hartinger

WKV-Sprecher Scheel über die Angst eines zweiten Lockdown.

Herr Scheel, aufgrund der Corona-Pandemie mussten die Fitnessstudios per Verordnung der Bundesregierung ihre Pforten schließen. Seit 29. Mai darf wieder trainiert werden. Wie hart hat die Corona-Krise die Branche getroffen?

Manfred Scheel: Sehr hart. Wir hatten 13 Wochen keine Einnahmen, aber dafür weiterhin laufende Ausgaben und das Neukundengeschäft ist uns ebenfalls weggefallen.

Mussten in Vorarlberg bereits Studios aufgrund der Corona-Krise dauerhaft schließen beziehungsweise Konkurs anmelden?

Scheel: Zum Glück hat es bis zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Corona-bedingten Schließungen gegeben.

Wie sieht bzw. sah die Unterstützung seitens des Bundes bzw. des Landes für Ihre Branche aus? Sind Sie damit zufrieden?

Scheel: Die angekündigten Unterstützungen klingen zwar super, aber meines Wissens sind bis auf die Kurzarbeitsunterstützung – diese ist sehr gut gelaufen – noch keine Gelder geflossen. Sprich, vom Bund und vom Land kam gar nichts!

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Klaus Hartinger

Wie steht es um die Nachfrage vonseiten der Kunden: Nimmt ­diese ab oder bleibt sie konstant im VerhŠltnis zur Zeit vor der Krise?

Scheel: Die Frage ist, was man unter Nachfrage versteht. Zurzeit ist das Neukundengeschäft im Schnitt in Vorarlberg sehr durchwachsen. Es gibt jedoch Betriebe, die mit dem Neukundengeschäft zufrieden sind.

Wie schätzen andere Fitnessstudiobetreiber die derzeitige Nachfrage ein? Was ist der „Tenor“?

Scheel: Durch das entgangene Neukundengeschäft und die bevorstehende Sommer-Urlaubszeit sind einige Betriebe am Limit bzw. kämpfen mit den Nachwirkungen der Krise.

Gibt es gemeinsame Aktionen, um das Geschäft wieder anzukurbeln?

Scheel: Seitens der Wirtschaftskammer Vorarlberg ist eine Image-Kampagne angedacht.

Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, damit Fitnessstudios auch weiterhin den Betrieb gewährleisten können?

Scheel: Wichtig ist, dass die zugesicherten Hilfeleistungen auch bezahlt werden. Auch wären Unterstützungsmaßnahmen wie in anderen Branchen – etwa die Senkung der Mehrwertsteuer – sehr hilfreich. Der Forderungskatalog der österreichischen Fitnessbetriebe ist schon länger an das Bundeskanzleramt gesendet worden.

Sehen Sie die Krise nun ausgestanden?

Scheel: Die Branche wünscht sich sehr, dass es der Fall ist, jedoch kann derzeit noch niemand sagen, ob die Krise auch tatsächlich überstanden ist.

Regelmäßiges desinfizieren gehört zum Alltag. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Regelmäßiges desinfizieren gehört zum Alltag. Klaus Hartinger

Wie gut vorbereitet ist Ihre Branche auf einen allfälligen zweiten Lockdown?

Scheel: Bezüglich der Hygienemaßnahmen sind alle Betriebe bestens gerüstet, jedoch wäre ein zweiter Lockdown sicherlich für viele, wenn nicht sogar alle Betriebe ein finanzielles Desas­ter.

Während des Lockdowns hielten sich viele Menschen mit Home-Workouts fit. Sehen sie das Training daheim seither vermehrt als Konkurrenz?

Scheel: Unsere Kunden lieben die sportliche Betätigung in unseren Betrieben, die durch Home-Workouts nicht ersetzt werden können. Ebenfalls kann nicht die soziale Komponente ersetzt werden, die unseren Mitgliedern während des Lockdowns sehr gefehlt hat.