Allgemein

Freispruch im Zweifel

29.06.2020 • 18:03 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Nach acht Monaten in U-Haft wurde der Libanese aus der Justizanstalt entlassen. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Nach acht Monaten in U-Haft wurde der Libanese aus der Justizanstalt entlassen. Klaus Hartinger

Angaben der 28-Jährigen waren für Richter widersprüchlich.

Nach acht Monaten in Untersuchungshaft wurde der in Deutschland geborene Libanese am Montag aus der Feldkircher Justizanstalt entlassen. Denn der in Deutschland vorbestrafte Angeklagte wurde am Montag beim Schöffenprozess am Landesgericht Feldkirch vom Vorwurf der Vergewaltigung im Zweifel freigesprochen. Das Urteil des Schöffensenats unter dem Vorsitz von Richter Martin Mitteregger ist nicht rechtskräftig. Staatsanwalt Johannes Hartmann nahm drei Tage Bedenkzeit in Anspruch.

Widersprüchliche Angaben

Die Entscheidung begründete Mitteregger mit den widersprüchlichen Angaben des mutmaßlichen Opfers. So habe die junge Frau ausgesagt, mit dem Angeklagte nie freiwilligen Sex gehabt zu haben. Der Chatverlauf aus der Auswertung der Smartphones des Beschuldigten und der 28-Jährigen spreche eindeutig dafür, dass sie Tage vor dem behaupteten Vorfall tatsächlich einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gehabt haben.

In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft wurde dem 33-Jährigen vorgeworfen, er habe seine Bekannte am 30. Oktober 2019 in seinem Zimmer in einer Bregenzer Pension an den Haaren gezogen und festgehalten und gegen ihren erklärten Willen zum Sex gezwungen.

Der Angeklagte bestritt den Tatvorwurf und gab an, es sei wiederum einvernehmlich zum Geschlechtsverkehr gekommen.

Missbraucht gefühlt

 Es sei durchaus möglich, dass die Frau subjektiv das Gefühl gehabt habe, vergewaltigt worden zu sein, sagte der Vorsitzende des Schöffensenats. Möglicherweise habe sie zunächst mit ihrem Bekannten schlafen wollen. Vielleicht sei es dann aber so gewesen, dass er zu harten Sex praktiziert  und zuletzt zu ihr gesagt habe, sie solle verschwinden. Dadurch habe sie sich wohl missbraucht gefühlt. Rechtlich könne aber im Zweifel nicht von einer Vergewaltigung ausgegangen werden.

Zu berücksichtigen sei bei der Beurteilung der Gesamtumstände auch gewesen, dass es sich bei der 28-Jährigen nach Angaben des psychiatrischen Gerichtsgutachters um einen psychisch belasteten und bei den Aussagen sprunghaften Menschen handle. Die Polizei musste die junge Frau wegen ihres aggressiven Verhaltens bei der Erstattung der Anzeige festnehmen.

Nicht überzeugt

Der vorsitzende Richter merkte an, auch der Angeklagte haben keinen überzeugenden Eindruck hinterlassen. So habe er behauptet, er habe ursprünglich gar nicht mehr mit der Frau schlafen wollen. Allerdings habe er ihr geschrieben, er habe wieder Lust auf sie.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.