Allgemein

Wenn ein Ruderboot zu Kunst wird

03.07.2020 • 19:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der "Helix Simulator" in der Ausstellung in Bregenz.                         <span class="copyright">Klaus Hartinger(4)</span>
Der "Helix Simulator" in der Ausstellung in Bregenz. Klaus Hartinger(4)

Roman Pfeffer stellt im Bildraum Bodensee aus.

Bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München war in der österreichischen Mannschaft unter anderem ein Ruderteam mit dabei, darunter ein Herren-Achter mit Steuermann – für Frauen wurde Rudern erst ab 1976 olympisch. Die Gruppe erreichte den zwölften Platz von 15 Teilnehmern.

“Swip”

Im selben Jahr wurde im ober­österreichischen Vöcklabruck der jetzt in Wien lebende Künstler Roman Pfeffer geboren, der seit 2010 an der dortigen Universität für angewandte Kunst unterrichtet. Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Jenes Boot, das damals im Einsatz war, ist seit einigen Jahren im Besitz des Künstlers und aktuell zentrales Element von Pfeffers Ausstellung „Swip“ im Bildraum Bodensee in Bregenz.

Die titelgebende Arbeit "Swip".
Die titelgebende Arbeit "Swip".

Durch eine Reglementänderung war das Boot für die Sportler unbrauchbar geworden, in transformierter Form ist es nun ein Kunstobjekt, das sich in Bregenz raumgreifend über zwei Räume erstreckt. Pfeffer, der an der Akademie der bildenden Künste in Wien und am Kent Institute of Art and Design im englischen Canterbury studiert hat, hat das Boot in 16 Teile zerlegt und diese spiralförmig wieder verbunden. „Helix Simulator“ nennt er die daraus entstandene Skulptur.

Boot auf dem Kopf

In seiner ursprünglichen Form ist das Boot in Videos und einer Fotoarbeit zu sehen, die ebenso in Bregenz ausgestellt werden. „Brain Twister“ nennt der Künstler diese Aktion, bei der er das Boot mit dem Fahrrad in den Wiener Prater gefahren hat und es dann auf dem Kopf balancierend vom Wind bewegen lässt – ein Wechsel der Elemente, vom Wasser in die Luft.

"Lazy Mazzocchio" heißt diese Arbeit
"Lazy Mazzocchio" heißt diese Arbeit

Während formal die Helix-Skulptur die Ausstellung dominiert, ist es inhaltlich eine männliche Kopfbedeckung aus der Renaissance, die vor allem durch den Florentiner Maler Pao­lo Uccello (1397–1475) Eingang in die Kunstgeschichte gefunden hat. Mazzocchio heißt diese Kopfbedeckung, die bei Uccello aus 16 Segmenten besteht und im Querschnitt achteckig ist.

Mit Witz und Humor

feffer greift dieses Motiv auf – nicht zuletzt bei der Zerlegung des Bootes in 16 Teile – und schafft auf konzeptioneller und serieller Ebene eine Vielzahl an Objekten, die den Mazzocchio teils bis zur Unkenntlichkeit variieren. Dabei arbeitet er mit verschiedenen Materialien und Techniken, von bemalten Holzfaserplatten über Drucke zu Silikon und Metall, häufig dreidimensional. Dekonstruktion und Konstruktion ist das Prinzip, nach dem der Künstler die Dinge hinterfragt und neu ordnet – nicht ohne Witz.
So hängt sein „Lazy Mazzocchio“ müde und abgeschlafft über einer Metallhalterung. Und bei weiteren Arbeiten, die sich mit einem Maßband beschäftigten, erfährt man, dass 19,06 Meter 0,167 Quadratmeter sind. Titelgebend für die Ausstellung ist hingegen eine Arbeit, die aus 32 Tafeln besteht, auf denen in Schwarz-Weiß ebenfalls eine Annäherung an den Mazzocchio stattfindet.

Ein weiteres Objekt der Schau.
Ein weiteres Objekt der Schau.

Pfeffers Herangehensweise erinnert an jene von Naturwissenschaftlern oder Technikern. Akribisch nimmt er die Dinge auseinander, um sie dann wieder genau nach seinen Vorstellungen und exakt zu formen, wobei immer wieder Ironie und Humor mit im Spiel sind. Eine Ausstellung, die auf eine Entdeckungsreise einlädt und so manchen Überraschungseffekt bereit hält.
Bis 5. September. Dienstag, Donnerstag, 13 bis 18 Uhr, Freitag, Samstag, 11 bis 16 Uhr. bildraum.bildrecht.at

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.