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Zufluchtsort und Wallfahrtsort

03.07.2020 • 19:58 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Zufluchtsort und Wallfahrtsort
Klaus Hartinger

Auf dem Liebfrauenberg thront die Pfarr- und Wallfahrtskirche.

Eine atemberaubende Aussicht bis hin zur Schweizer Berglandschaft tut sich auf, wenn man auf den 50 Meter hohen Liebfrauenberg in Rankweil zur Basilika spaziert. Inmitten der Marktgemeinde erhebt sich der kleine Hügel und hat schon seit jeher eine mystische Anziehungskraft. Bereits vor knapp 4000 Jahren haben die Menschen diesen Ort als einen mit besonderer Energie und Kraft wahrgenommen. Dass der Liebfrauenberg schon früh als Kultstätte genutzt wurde, darauf weisen Ausgrabungen hin

Wehrkirche

Die Verbindung zum Göttlichen blieb über die Jahre bestehen. Bereits um 700 thronte eine Kastellkirche der churrätischen Bischöfe am Liebfrauenberg. Um 1000 nach Christus stand eine romanische Kirche auf der Anhöhe. Der göttliche Segen schützte die Kirche aber nicht lange. Im Zuge des Züricher Krieges zogen im Jahre 1445 an die 4000 Krieger aus der Schweiz plündernd und brandschatzend durch Altenstadt und Bregenz. Dieser Zerstörungswut fiel auch die damalige Kirche auf dem Liebfrauenberg zum Opfer. Das war der Auslöser für essenzielle Umbauten, die bis heute den Charakter der Basilika Rankweil prägen. Sie wurde zur Wehrkirche. Heute ist sie die einzige ihrer Art in ganz Vorarlberg.

Zufluchtsort und Wallfahrtsort
Seit Jahren thront die Basilika über der Marktgemeinde Rankweil. Landesbibliothek

Zuflucht

Mit rundem Festungsturm, einem Wehrgang und Torturm wurde die neue Kirche zu einer Wehrkirche. Drohte nun Gefahr durch ein feindlicher Angriff, bot sie der umliegenden Bevölkerung Schutz und Zuflucht in ihrem kleinen Innenhof. Heute befindet sich dort ein Friedhof. Die Kirche am Liebfrauenberg bildete seit dem 8. Jahrhundert das Zentrum einer Großpfarrei. Teile des Vorarlberger Vorderlandes bis in das Schweizer Rheintal standen unter ihrer Schirmherrschaft. Das bedeutete aber auch, dass ein reger Trubel rund um die Kirche herrschte, Taufen, Hochzeiten und Begräbnisse für die ganze Großpfarrei wurden dort abgehalten. Verstorbene Kinder wurden möglichst nahe an Gottes Seite begraben, ihre letzte Ruhestätte befindet sich bis heute in der Nähe des Altars der Basilika Rankweil.

Pilgerort

Mit der Zeit wurde Rankweil zum Zielort von Pilgern und Wallfahrern. Das silberne Kreuz, welches hinter dem Altar die betenden Menschen überblickt – war Grund und Mittelpunkt der Verehrung. Ursprünglich aus Holz – im 12. Jahrhundert in Pisa von einem unbekannten Künstler erschaffen – wurde es versilbert, als alle Kirchenreichtümer, welche nicht von sakralem Nutzen waren, von Kaiser Joseph II konfisziert wurden. Über dem Kopf Jesu wurde zusätzlich eine kleine Schatulle in das Kreuz eingebaut. In ihr befinden sich nun winzigste Knochenstücke von Heiligen und, so sagt man, auch ein Stück vom Kreuze Christi.

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Die Basilika Rankweil ist eine Wehrkirche und einzigartig in Vorarlberg. Klaus Hartinger

Loretokapelle

Über die Jahre wurde die Wehrkirche in Rankweil immer wieder um- und ausgebaut. In den Jahren 1657 bis 1658 errichtete der Auer Baumeister Michael Beer eine Loretokapelle als Seitenschiff. Denn nicht jeder Gläubige konnte es sich leisten, nach Italien zum „Original“ in Loreto zu pilgern. Die neue Kapelle war nun begehrter Ersatz und Gebetsort für Wallfahrer aus der Umgebung. Auch der bastionsartige Wehrturm mit rundem Grundriss wurde um 1500 von Beer durch den Einbau einer Spindeltreppe verbessert und ein Glockengeschoss mit achtseitigem Zeltdach aufgesetzt. Die Veränderungen, Umbauten und Renovierungen der Kirche gingen weiter. Die Gnadenkapelle wurde im Jahre 1757 umgebaut. Das Gnadenbild, eine geschnitzte Figur der Maria mit Kind, ist vom Bildhauer Johannes Rueland aus dem Jahre 1470 und seit dem Umbau der Kapelle 1757 von einem vergoldeten Rokokoaltar umgeben.

Ein Ort zum Innehalten

Seit 1957 beherbergt die Basilika Rankweil eine Kriegergedächtniskapelle für alle gefallenen und vermissten Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkriegs aus Vorarlberg. 2012 wurde diese Kapelle neugestaltet und zu einem Ort des Innehaltens gemacht. Stetig tropft Wasser in eine kleine Pfütze in dem nun abgedunkelten, spärlich beleuchteten Raum. Am Boden finden sich Sternkonstellationen mit Datumsangaben. Der Sternenhimmel, den jener Vorarlberger Soldat über sich sah, der als Erster auf dem Schlachtfeld des Ersten Weltkrieges sein Leben verlor. Weitere Sternenhimmel folgen. Die Gestaltung durch Architekt Andreas Cukrowicz und Künstler Matt Mullican soll auf die vielfältigen Verwundungen der Menschheitsgeschichte hinweisen. Die Kapelle ist nun eine Gedenkstätte für alle Opfer von Kriegen und Gewalt.

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