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Vom Zimmerer zum Landwirt

05.07.2020 • 16:38 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Armin Ebenhoch stand zwölf Jahre seinem Zimmermanns­betrieb vor, bevor er Landwirt wurde. <span class="copyright">Lerch<span class="copyright"></span></span>
Armin Ebenhoch stand zwölf Jahre seinem Zimmermanns­betrieb vor, bevor er Landwirt wurde. Lerch

Nach einem Schicksalsschlag den elterlichen Bauernhof übernommen.

Hubert und Staller, die beiden zwei Monate alten Kälbchen, sind gemeinsam mit den Ochsen auf der Wiese und lassen sich das frische Gras schmecken. Bauer Armin Ebenhoch steigt zu ihnen über den Zaun und wird sogleich von Hubert stürmisch begrüßt. Das kleine, braun-weiß gefleckte Kalb möchte Streicheleinheiten. Der 51-Jährige lässt sich nicht lange bitten und streichelt dem kleinen Rind über den Kopf. „Hubert ist der zutraulichere. Staller ist etwas schüchterner“, beschreibt Monika Ebenhoch die Jungtiere. Es ist Abend, und ein für die Landwirte arbeitsreicher Tag neigt sich dem Ende zu. Für die Rinder, die nicht auf der Alpe sind, heißt es nun ab in den Stall. Die Tiere laufen ihrem Bauer brav hinterher. Falls doch eines vom Weg abkommen sollte, stehen Bäuerin Monika und die zwölfjährige Tochter Pia mit Besen bereit. Doch die Ochsen wissen genau, wo sich ihre Unterkunft befindet. Als sie schließlich ihren Platz im Stall eingenommen haben, werden sie mit frischem Heu versorgt. Für die Kälbchen gibt es Milch. Der Landwirt vergewissert sich noch einmal, dass es den Tieren gut geht, bevor er die Stalltüre hinter sich zuschließt.

Monika Ebenhoch wurde bereits zwei Mal zur Mos­terin des Jahres gekürt.<span class="copyright">Lerch</span>
Monika Ebenhoch wurde bereits zwei Mal zur Mos­terin des Jahres gekürt.Lerch

Ausgezeichneter Most.

Armin Ebenhoch ist hier auf dem Hof aufgewachsen. Die Landwirtschaft reizte ihn jedoch nicht. Er wurde Zimmerer und leitete zwölf Jahre seinen eigenen Betrieb. „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal den Hof übernehme“, erzählt er. Auch seine Frau Monika konnte sich anfangs ein Leben als Landwirtin nicht vorstellen. Gleich zu Beginn ihrer Beziehung mit Armin stellte sie klar: Sie werde nie Bäuerin werden. „Wir dachten, dass die Schwiegereltern, die ja noch verhältnismäßig jung waren, das noch lange machen“, erklärt sie.

Doch es kam alles anders. Der Vater von Armin verstarb mit knapp 60 Jahren, und der landwirtschaftliche Betrieb stand von heute auf morgen ohne Nachfolger da. Die Tiere im Stall mussten versorgt werden, es galt, über fünfeinhalb Hektar Grünland zu bewirtschaften. Und dann waren da ja auch noch die Felder mit den vielen Obstbäumen. „Ich hatte so viel Obst da, also habe ich eben gemostet“, berichtet der Landwirt von seinen Anfängen. Es stellte sich heraus, dass die Herstellung von vergorenem Most gar nicht so einfach ist, wie er anfangs dachte: „Mein erster Most war ungenießbar. Ich musste alles wegschütten.“ Durch Zufall erfuhr Armin Ebenhoch von einem Mostsommelier-Kurs. Er absolvierte den Kurs und lernte Schritt für Schritt, was einen guten Most ausmacht. Kräftig unterstützt wurde er dabei von seiner Gattin, die inzwischen bereits zwei Mal als „Mosterin des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Auch sie hat sich mittlerweile gut in der Rolle als Bäuerin eingefunden. Sie packt überall auf dem Hof mit an, wo sie gebraucht wird. Nur die Stallarbeit überlässt sie, wenn möglich, ihrem Mann. „Was ich nicht kann, das ist Traktor fahren. Das werde ich auch nie lernen“, schmunzelt die 52-Jährige.

Familie Ebenhoch.<span class="copyright"> lerch</span>
Familie Ebenhoch. lerch

Kurze Transportwege.

Ein Jahr nach dem Tod des Vaters legte Armin Ebenhoch seinen Zimmereibetrieb still. Der Hof wird seitdem im Haupterwerb geführt. „Wir müssen breit aufgestellt sein und auf mehrere Schienen setzen. Es kann ja jederzeit einmal etwas ausfallen“, erklärt der Landwirt. Die Umstellung von einem Milchviehbetrieb auf die Direktvermarktung von Rindfleisch erfolgte bereits in der Zeit, als seine Eltern den Hof noch führten. Die männlichen Kälber werden von anderen Bauern aus der Umgebung zugekauft. „Sie leben bis zu einem Alter von ungefähr zweieinhalb Jahren bei uns“, erzählt Monika Ebenhoch. Kurze Transportwege sind auf dem BurPur-Hof selbstverständlich: Geschlachtet werden die Tiere bei einem Metzger, der nur knapp fünf Gehminuten vom Bauernhof entfernt ist. „Armin begleitet sie bis zum Schluss. Dadurch haben sie keinen Stress“, sagt die Landwirtin. Großen Wert legt das Paar darauf, dass möglichst alle Teile des Tieres verwertet werden, ganz nach dem Motto „from Nose to Tail“. Das Fleisch wird selbst vermarktet. Vor kurzem wurde ein kleiner Hofladen eröffnet. Hier kann man sich täglich von 8 bis 18 Uhr mit Wurst- und Speckwaren von Rind und Schwein sowie den leckeren Getränken, die aus dem hofeigenen Obst entstehen, eindecken.

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Lerch.

Außergewöhnlicher Stall.

Der Hof der Familie Ebenhoch ist seit 1945 im Familienbesitz und liegt mitten im Zentrum von Röthis. In direkter Nachbarschaft stehen das Pfarrhaus, das Sozialzentrum Vorderland sowie einige Einfamilienhäuser. In diese Umgebung fügt sich der neu erbaute, achteckige Stall, der vergangenes Jahr mit dem Vorarlberger Holzbaupreis ausgezeichnet wurde, perfekt ein. „Die Idee war es, einen umgekehrten Zirkus zu bauen. Die Menschen, die hereinkommen sind quasi in der Manege, und die Tiere schauen zu“, erzählt Armin Ebenhoch. Schließlich soll der Stall nicht nur als Unterkunft für Rinder, Schweine, Ziegen, Schafe und Hasen dienen, sondern auch als Begegnungsraum. Im Rahmen des Projekts „Schule am Bauernhof“ kommen immer wieder Schulklassen zu Besuch. Auch kulturelle Veranstaltungen, wie etwa eine Lesung, finden inmitten der Tiere statt. Corona-bedingt finden derzeit keine Events statt, doch die Landwirte haben trotzdem jede Menge zu tun. „Ich arbeite täglich von morgens um 6 Uhr bis spät am Abend. Nur am Sonntagnachmittag mache ich frei“, berichtet Armin aus seinem Arbeitsalltag und ergänzt: „Das geht nur, wenn man das, was man macht, gerne tut“.

Gertraud Höfle-Peter

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