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Millioneninvestition in Rankweil

09.07.2020 • 06:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
 Udo J. Vetter, Beiratsvorsitzender und Mitglied der Inhaberfamilie (Mitte) und die Vetter-Geschäftsführer Peter Sölkner (links) und Thomas Otto (rechts) geben den Startschuss für die neue Produktionsstätte, die 2021 in Betrieb genommen werden soll. <span class="copyright">NEUE/Stadler</span>
Udo J. Vetter, Beiratsvorsitzender und Mitglied der Inhaberfamilie (Mitte) und die Vetter-Geschäftsführer Peter Sölkner (links) und Thomas Otto (rechts) geben den Startschuss für die neue Produktionsstätte, die 2021 in Betrieb genommen werden soll. NEUE/Stadler

Neuer Standort der Vetter Pharma soll Mitte 2021 in Betrieb gehen.

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Ehrensenator Udo J. Vetter, Sohn des Unternehmensgründers und Beiratsvorsitzender der gleichnamigen Firmengruppe ist ein gestandener schwäbischer Familienunternehmer – und offensichtlich sehr erfolgreich. Sein 5000 Mitarbeiter zählender Konzern mit Sitz im baden-württembergischen Ravensburg unterhält Produktionsstätten in Deutschland und den USA sowie Vertriebsstandorte in Singapur, Japan und Südkorea. Der Pharmadienstleister ist darauf spezialisiert, Medikamente in Spritzen und andere Injektionssysteme anzufüllen und zu verpacken. Am Mittwoch kam Vetter, flankiert von zwei Geschäftsführern, nach Rankweil, um zu erklären, was er hier im Betriebsgebiet Römergrund vorhat.

„Wie man hört, bin ich aus der Bodenseegegend, ich fühle mich hier sehr willkommen“, teilt der unverkrampft wirkende Geschäftsmann den versammelten Journalisten mit. Draußen, vor dem noch verwaisten Firmengebäude, weht nebst einer Österreich- und Europafahne die Vetter-Firmenflagge. Nicht die einzige in Vorarlberg, wie Vetter verrät. „Uns gehört ein Ferienhaus in Brand, da können unsere Mitarbeiter Urlaub machen.“ In Rankweil sollen ab dem zweiten Halbjahr 2021 zwischen 35 und 40 Mitarbeiter angestellt sein. Ein Teil der Belegschaft werde vom Firmensitz in Ravensburg abgezogen, man werde aber auch in Vorarlberg um Mitarbeiter werben, sagt Geschäftsführer Thomas Otto.

Der Phramadienstleister Vetter mit Sitz in Ravensburg (D) hat das vom Unterneehmen Rentschler errichtete Gebäude im Betriebsgebiet Römergrund in Rankweil übernommen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Der Phramadienstleister Vetter mit Sitz in Ravensburg (D) hat das vom Unterneehmen Rentschler errichtete Gebäude im Betriebsgebiet Römergrund in Rankweil übernommen. Hartinger

„Standort ideal“.

Die bereits bestehende Fertigungsstätte inklusive einiger spezieller Gerätschaften habe man um einen „Millionenbetrag im niedrigen zweistelligen Bereich“ erworben, teilte Otto auf NEUE-Nachfrage mit. Am neuen Standort will sich das Unternehmen künftig auf die Produktion von Injektionssystemen konzentrieren, die speziell für die klinische Forschung gebraucht werden. In den nächsten Monaten soll die gesamte Anlage an die Qualitäts- und Prozessstandards des Unternehmens angepasst werden. „Mit nur einer Autostunde vom Hauptsitz in Ravensburg entfernt, ist der Standort ideal gelegen, um ihn erfolgreich in unseren bestehenden Geschäftsablauf zu integrieren“, ist Geschäftsführer Otto überzeugt. Ziel sei es, einen unabhängigen und flexiblen Standort für die klinische Entwicklung nach Vorbild der bestehenden Produktionsstätte in den USA aufzubauen. Der Betrieb soll im zweiten Halbjahr 2021 aufgenommen werden. Dazu benötigt das Unternehmen eine pharmazeutische Herstellungserlaubnis von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages).

Zusammenarbeit

Vetter Pharma und das Unternehmen Rentschler Biopharma in Laupheim (D), zu der auch die Vorbesitzerin der Rankweiler Fertigungsstätte, Rentschler Fill Solutions, gehörte, haben erst vor wenigen Tagen ihre strategische Zusammenarbeit angekündigt. Man wolle „die Services erweitern und komplementäre Fähigkeiten und Expertise entlang der Wertschöpfungskette anbieten“, hieß es in der Presseaussendung. Biopharmazeutische Unternehmen stünden bei der Markteinführung ihrer Produkte unter erheblichem Druck, da die Arzneimittelentwicklung immer komplexer und kostenintensiver werde. „Ziel der Zusammenarbeit ist es, einen langfristigen Mehrwert zu schaffen, um Kunden eine schnellere und einfachere Produktversorgung ihrer Patienten zu ermöglichen“, präzisierte Vetter bei der ­gestrigen Präsentation in Rankweil.

Vorgeschichte

Die Ansiedlung der Rentschler Fill Solutions war 2016 mit großen Hoffnungen verbunden. Die Inves­titionshöhe im Betriebsgebiet Römergrund belief sich damals auf 30 Millionen Euro. Doch schon im Dezember 2019 schlitterte die kurz zuvor in Impletio Wirkstoffabfüllung GmbH umbenannte Firma in den Konkurs.  Der operative Betrieb lief da gerade einmal seit etwa einem Jahr.  Aktiva von knapp 2,5 Millionen Euro standen Passiva von 28,1 Millionen Euro gegenüber. Laut Firmenangaben erfolgte der Konkurs aufgrund von Mängeln in den Prozessabläufen, woraufhin ein Produktions- und Auslieferungsstopp verhängt wurde.

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