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AK und Arbeitgeber froh um Kurzarbeit

11.07.2020 • 19:07 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Maßnahme gegen Corona: Auch in Vorarlberg kommt vielerorts Kurzarbeit zur Anwendung.<br><span class="copyright">APA/Barbara Gindel </span>
Maßnahme gegen Corona: Auch in Vorarlberg kommt vielerorts Kurzarbeit zur Anwendung.
APA/Barbara Gindel

In Vorarlberg waren 68.000 Menschen coronabedingt in Kurzarbeit.

In den vergangenen Wochen hat sich deutlich gezeigt: Die Corona-Pandemie ist nicht nur allein eine Gesundheitskrise. Vielmehr hat das Virus bei seiner rasanten Ausbreitung rund um den Globus auch wirtschaftliche Auswirkungen mit im Schlepptau – und diese sind alles andere als erfreulich. Experten sprechen in Zusammenhang mit Sars Covid-19 gar von der schlimmsten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Ein zentraler Grund hierfür war und ist das Herunterfahren der Wirtschaft und des gesellschaftlichen Lebens in zahlreichen Staaten weltweit.

Wirtschaftliche Nöte

So befand sich ganz Österreich in der Zeit von 16. März bis 15. April coronabedingt im Lockdown. Zahlreiche Unternehmen – auch in Vorarlberg – gerieten in dieser Zeit in betriebswirtschaftliche Nöte, schnell wurden erste Schließungen und Konkurse bekannt. Indes führten diverse Großunternehmen, aber auch Klein- und Mittelunternehmen Kurzarbeit ein. Der Staat Österreich stellte dafür finanzielle Mittel von über zehn Milliarden Euro zur Verfügung und traf zusätzlich diverse Maßnahmen wie etwa die Senkung der Mehrwertsteuer für Gastronomie, Hotellerie und diverse Kultureinrichtungen.

Was ist Kurzarbeit

Kurzarbeit im Arbeitsverhältnis bedeutet die vorübergehende Verringerung der regelmäßigen Arbeitszeit in einem Betrieb aufgrund eines erheblichen Arbeitsausfalls. Von der Kurzarbeit können alle oder nur ein Teil der Arbeitnehmer des Betriebes betroffen sein. Die betroffenen Arbeitnehmer arbeiten bei Kurzarbeit meist weniger. Ob ein Arbeitgeber Kurzarbeit einführen darf und ob sich bei Kurzarbeit der Anspruch auf Arbeitsentgelt der Arbeitnehmer entsprechend verringert, richtet sich nach arbeitsrechtlichen Bestimmungen.

Kurzarbeit kann ein Instrument sein, um bei vorübergehendem Arbeitsausfall Kündigungen zu vermeiden. So verhält es sich auch während der so genannten Corona-Kurzarbeit in Österreich. Diese wurde während der derzeitige Pandemie eingeführt, um einer möglichen drohenden Maßenarbeitslosigkeit entgegen zu wirken. Der Arbeitnehmer erhält monatlich zwischen 80 und 90 Prozent seines bisherigen Einkommens vom Arbeitgeber weiter bezahlt. Dieser erhält im Gegenzug eine Förderung vom Arbeitsmarktservice, mit der dem Arbeitgeber die ausgefallenen Arbeitsstunden ersetzt werden.

Währen der Kurzarbeit und bis zu einem Monat danach besteht ein Kündigungsschutz. Das Modell kann auch in Firmen ohne Betriebsrat angewendet werden und gelte auch, wenn der Betrieb vollständig geschlossen ist.

Quellen: Wikipedia und Arbeitkammer

Doch was taugt nun die Kurzarbeit? Und wo liegen Risiken, Chancen und Gefahren für Arbeitnehmer und Arbeitgeber?

Liebherr Nenzing

Wie Wolfgang Pfister, Pressesprecher der Firma Liebherr in Nenzing, erklärt, zieht sein Unternehmen eine insgesamt positive Bilanz bezüglich Kurzarbeit. Befanden sich in den Kurzarbeit-intensivsten Wochen bis zu 500 Mitarbeitende des Kranherstellers in Kurzarbeit sowie bis zu 370 Personen im Homeoffice, sei die Kurzarbeit per 5. Juli wieder beendet worden. Denn die Auftragslage habe sich mittlerweile stabilisiert.

Wolfgang Pfister, Pressesprecher von Liebherr in Nenzing. <span class="copyright">Liebherr</span>
Wolfgang Pfister, Pressesprecher von Liebherr in Nenzing. Liebherr

Die der Entscheidung des Betriebs, sich für das Modell der Kurzarbeit zu entscheiden, habe die Belegschaft mitgetragen. Pfister erklärt jedoch, dass es anfänglich nicht einfach gewesen sei, die Übersicht zu behalten. Denn aufgrund der raschen Einführung der Maßnahme, habe diese vor allem zu Beginn öfters modifiziert werden müssen. Dies habe vor allem die Mitarbeitenden in der Personalabrechnung gefordert.

Trotz allem zieht man bei Liebherr eine positive Kurzarbeits-Bilanz: „Generell haben wir mit dem Modell der Kurzarbeit sehr gute Erfahrungen gemacht. Mit den im Umfeld der Corona-Pandemie geltenden Richtlinien zur Kurzarbeit war die Beantragung und Anmeldung unbürokratisch möglich.“

Ebenfalls beurteilt der Pressesprecher das Modell der Corona-Kurzarbeit als sowohl Arbeitgeber- wie auch Arbeitnehmer-freundlich. Denn zentrales Thema sei die langfristige Sicherung der Arbeitsplätze und die Möglichkeit, flexibel auf Schwankungen der Auftragslage reagieren zu können.

Agentur-Chef Martin Dechant. <span class="copyright">WKV</span>
Agentur-Chef Martin Dechant. WKV

ikp Dornbirn

 In Kurzarbeit befinden sich aber nicht nur Belegschaften großer Betriebe – auch viele Klein- und Mittelbetriebe haben auf das Modell gesetzt oder tun es noch immer; stets mit der Absicht, Jobs zu halten und somit Kündigungen zu verhindern. So befinden sich derzeit auch zehn Mitarbeitende der PR-Agentur ikp aus Dornbirn in Kurarbeit. Gemäß Agentur-Chef Martin Dechant schwankt diese Zahl jedoch je nach Auftragslage: „Wir haben alle unsere Mitarbeitenden vorgemerkt. Jedoch sind sie zwischen Kurzarbeit und normaler Anstellung ‚gependelt‘ da sich unsere Projektgeschäfte unterschiedlich entwickelt haben.“

Gleich wie beim Kranhersteller aus Nenzing, hätte sich kein Mitarbeitender der PR-Agentur gegen die Kurzarbeit ausgesprochen. Im Gegenteil: Das Team habe mit großem Verständnis auf die Maßnahme reagiert. „Hier gilt den Mitarbeitenden ein großer Dank. Nicht nur, dass sie die Kurzarbeit eingegangen sind, sondern auch, dass sie bis heute alle voll motiviert aus dem Home-Office mitarbeiten. Alle sind flexibel und wissen, dass wir nur gemeinsam aus der Situation herauskommen. Und das funktioniert sehr gut“, so Dechant.

Planungssicherheit. Freilich sei die mit der Kurzarbeit einhergehende 10- bis 20-prozentige Gehaltseinbuße für die Mitarbeiter ein Nachteil. „Jedoch ist das Team froh, dass jeder dadurch seinen Job behalten kann und es uns Sicherheit gibt“, zeigt Dechant auf, der für auch für die Arbeitgeber klare Vorteile sieht: Etwa hinsichtlich Flexibilität, Sicherheit und Planungssicherheit. Derzeit ist der Agentur-Chef zuversichtlich, dass der Regelbetrieb spätestens ab Oktober wieder anlaufen kann. „Wir hoffen jedoch, dass wir die Kurzarbeit bereits früher beenden können“, so Dechant.

Firmensitz von Doppelmayr in Wolfurt.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Firmensitz von Doppelmayr in Wolfurt. Klaus Hartinger

Doppelmayr Wolfurt

Wie es vonseiten des Wolfurter Seilbahnherstellers Doppelmayr auf Anfrage heißt, sei die Covid-19-Kurzarbeiteit ins Leben gerufen worden, um Arbeitsplätze zu sichern. Und darin bestehe auch das Ziel des Unternehmens. Die Entscheidung, auf dieses Modell zu setzen, sei jedoch im Vorfeld evaluiert worden, wo und für welche Bereiche es aufgrund der Auslastung Sinn mache. „Unsere Abteilungsleiter stehen in engem Kontakt mit ihren Teams und haben individuell mit den Mitarbeitern definiert, wie wir dieses Modell umsetzen. Das Kurzarbeits-Modell macht es uns möglich, eine geringere Auslastung in den jeweiligen Bereichen und Abteilungen abzufedern“, heißt es seitens des Unternehmens weiter.

Rainer Keckeis, Direktor der AK Vorarlberg.<span class="copyright"> Philipp Steurer </span>
Rainer Keckeis, Direktor der AK Vorarlberg. Philipp Steurer

Arbeiterkammer Vorarlberg

 Rainer Keckeis, Direktor der Arbeiterkammer Vorarlberg, sieht das Model der Kurzarbeit zwar nicht als Allheilmittel an, aber es sei „das einzig funktionierende Modell, um Massenarbeitslosigkeit zu verhindern.“

Gemäß seines Wissenstandes wird das Modell wohl noch das ganze Jahr über zur Anwendung kommen. „Allerdings soll es im Herbst eine neuerliche Novelle geben, die den Staat weniger kostet und sich an der bereits 2008/09 gültigen Regelung orientiert. Details dazu sind noch nicht bekannt. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Zunahme an Arbeitslosigkeit zu verhindern“, erklärt der AK-Direktor.

Gegnern der Kurzarbeit hält der Arbeitnehmervertreter entgegen, dass ein tatenloses Zusehen die Alternative wäre, „wie wir in die größte Arbeitslosigkeit der zweiten Republik rutschen.“ Dies könne wohl nur „von ganz schlichten Vertretern des sogenannten freien Marktes ernsthaft gewollt sein“, ist Keckeis überzeugt. In Vorarlberg waren gemäß Angaben der Arbeiterkammer Vorarlberg vergangene Woche noch 26.548 Arbeitnehmer in Kurzarbeit. Der Höchststand lag bei rund 68.000 Arbeitnehmern, so Rainer Keckeis. Österreichweit befanden sich vergangene Woche noch 403.000 Personen in Kurzarbeit.