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Leichter Optimismus in der Industrie

13.07.2020 • 20:50 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Auslandsaufträge spielen eine wichtige Rolle für die heimische Industrie. <span class="copyright">Steurer</span>
Auslandsaufträge spielen eine wichtige Rolle für die heimische Industrie. Steurer

IV-Präsident sieht Talsohle erreicht und hofft auf Aufschwung.

Unsicherheit bezüglich der Zukunft herrscht derzeit in Vorarlbergs Industrie. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage hervor, die am Montag von Martin Ohneberg, Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer und IV-Geschäftsführer Mathias Burtscher präsentiert worden ist. An der Befragung, die jedes Quartal durchgeführt wird, haben sich dieses Mal 44 Unternehmen mit insgesamt fast 26.000 Beschäftigten aus der Vorarlberger Industrie beteiligt. Die Zahlen zeigen, dass die Branche nach wie vor massiv mit den Folgen der Corona-Krise kämpft, wie es der IV-Präsident formulierte. Zugleich sei beim Blick in die Zukunft jedoch auch leichter Optimismus spürbar.

IV-Präsident Martin Ohneberg (l.) und Spartengeschäftsführer Michael Amann. <span class="copyright">Vol.at</span>
IV-Präsident Martin Ohneberg (l.) und Spartengeschäftsführer Michael Amann. Vol.at

Wie die Unternehmer die Situation einschätzen, zeigt sich vor allem im Geschäftsklimaindex. Dieser ergibt sich aus dem Mittelwert der Einschätzung der aWie die Unternehmer die Situation einschätzen, zeigt sich vor allem im Geschäftsklimaindex. Dieser ergibt sich aus dem Mittelwert der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage und jener, die in sechs Monaten erwartet wird. Die Bandbreite reicht dabei von „Gut“ über „Durchschnittlich“ bis „Schlecht“. Im zweiten Quartal lag der Wert mit minus 14,50 noch einmal leicht unter jenem des ersten Jahresviertels (–13,30).

Die Corona-Krise hat sich auf alles Sparten der Industrie negativ ausgewirkt – allerdings mit unterschiedlicher Intensität. So habe sich die in Vorarlberg dominante Maschinen- und Metallindustrie vergleichsweise robust gehalten, berichtete IV-Geschäftsführer Mathias Burtscher. Zwar schätze jeder dritte Betrieb die momentane Geschäfts- und Ertragslage als schlecht ein, dennoch planten 80 Prozent der Befragten, ihren Beschäftigtenstand zu halten.

Bisher am Besten durch die Krise gekommen, ist laut Burtscher die Nahrungs- und Genussmittelindustrie – auch wenn mittlerweile negative Effekte spürbar seien. In einem Drittel der Betriebe wird für die kommenden sechs Monate mit einer besseren Geschäftslage gerechnet.

Aus Sicht von Ohneberg ist damit die Talsohle jedoch erreicht. Die Einschätzung der Unternehmer sei zudem nicht so schlecht wie zu Zeiten der Finanzkrise im Jahr 2008. Damals lag der Geschäftsklimaindex bei -24,20. Allerdings sei es derzeit noch schwer zu sagen, wie schnell der Aufschwung vonstatten geht. Die Krise habe sich vor allem negativ auf die Auftragslage ausgewirkt, berichtete der IV-Präsident. Bei vielen Betrieben seien Rückgänge zu verzeichnen, vor allem im Bereich der Auslandsaufträge. Wie schnell es wieder aufwärts gehe, hänge daher auch davon ab, wie sich die weltweite Situation entwickelt.

Beschäftigtenstand halten

Allerdings sei die heimische Industrie gut aufgestellt, meinte Ohneberg. Das zeige sich auch darin, dass vier von fünf Unternehmen der Umfrage zufolge ihren Beschäftigtenstand halten wolle. Es gebe Sparten, die deutlich mehr unter der Corona-Krise zu leiden hätten, weil sie beispielsweise von behördlichen Schließungen betroffen gewesen sind. Wenn es nun wieder aufwärts gehe, könne es sein, dass die Industrie mit einem blauen Auge davonkomme, sagte der IV-Präsident.

Schweiz als Vorbild

Die bisher von der Bundesregierung gesetzten Hilfsmaßnahmen beurteilte er als „gut und richtig“. Allerdings hätte man sich bei der Auszahlung der finanziellen Mittel zur Unterstützung ein Beispiel an der Schweiz nehmen sollen. Dort hätten die politisch Verantwortlichen vor allem darauf geachtet, dass die Gelder schnell fließen. In Österreich habe man zu wenig Vertrauen in die Eigenverantwortung von Unternehmen und Menschen gesetzt. Die Geschwindigkeit bei der Auszahlung der Hilfsgelder habe unter den Vorsichtsmaßnahmen gelitten, die zur Verhinderung von Missbrauch getroffen worden seien.

Spartengeschäftsführer Michael Amann berichtete von einer schwierigen Lage in der Textilindustrie. Über die Hälfte sieht die derzeitige Geschäftslage als schlecht. So sei im Modebereich eine ganze Kollektion verloren worden. Zugleich würden Märkte wie etwa Westafrika interessante Perspektiven bieten.

Die Elektro- und Elektronikindustrie leidet nach Angaben von Amann vor allem unter fehlenden Aufträgen aus der Bau- und Automobilbranche. Es werde einen langen Atem zur Überwindung der Krise brauchen.

Ohneberg forderte am Montag auch, dass die Unterstützungsmaßnahmen verlängert werden müssen. So werde man die Kurzarbeit wohl bis zum ersten Quartal 2021 brauchen. Auch eine Senkung der Körperschaftssteuer ist für den IV-Präsidenten unumgänglich.

IV-Geschäftsführer Mathias Burtscher bei der Präsentation der Konjunkturumfrage. <span class="copyright">Vol.at</span>
IV-Geschäftsführer Mathias Burtscher bei der Präsentation der Konjunkturumfrage. Vol.at

Einer Arbeitszeitverkürzung und neuen Steuern wie etwa Erbschafts- oder Vermögenssteuer erteilte er eine Absage. Diese Maßnahmen wären für die Wirtschaft fatal, da beispielsweise der private Konsum darunter leiden könnte. Auch der Faktor Arbeit werde damit teurer und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen könnte sinken, warnte Ohneberg.

Handlungsbedarf im Land

Mit den im Land getroffenen Maßnahmen zeigte er sich ebenfalls zufrieden. Allerdings habe sich auch gezeigt, in welchen Bereichen es noch Handlungsbedarf gebe. So erneuerte er die Aufforderung an die Politik, das Kinderbetreuungsangebot auszubauen. Die Anregung von ÖVP-Klubobmann Roland Frühstück, dass sich die Unternehmen in diesem Bereich mehr engagieren könnten, wies Ohneberg zurück. Immerhin sei die Kinderbetreuung in der Verantwortung der öffentlichen Hand. Diese müsse der Verantwortung auch nachkommen, wobei Unternehmen durchaus bereit seien, sich in dem Bereich zu engagieren.


Weiters forderte der IV-Präsident, dass Genehmigungsverfahren vereinfacht werden sollen. Ebenso brauche es mehr Effizienz in der öffentlichen Verwaltung. Nicht zuletzt müssten auch die nötigen Vorkehrungen getroffen werden, um rasch auf neue Infektionsherde reagieren zu können.