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Gewalt hat zugenommen

15.07.2020 • 20:05 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Corona-Krise hat die Gewaltproblematik teilweise verschärft.        <span class="copyright">  APA/DPA/NICOLAS ARMER</span>
Die Corona-Krise hat die Gewaltproblematik teilweise verschärft. APA/DPA/NICOLAS ARMER

Bei Betretungsverboten gab es in der Krise einen Anstieg.

Die Corona-Maßnahmen haben sich auf fast alle Lebensbereiche nahezu aller Menschen niedergeschlagen. Gerade für Familien wurde die Situation vielerorts zur Zerreißprobe. Schon zu Beginn des Lockdowns wurde die Befürchtung geäußert, dass die Gewalt zunehmen könnte und das hat sich – wenn man Wegweisungen und Betretungsverbote als Gradmesser dafür hernimmt – auch bewahrheitet. Die Betretungsverbote, bei denen sich ein Täter dem Opfer auch nicht mehr nähern darf, haben deutlich zugenommen, berichtet Ulrike Furtenbach, Leiterin der ifs-Gewaltschutzstelle in Feldkirch.

Die Mitarbeiterinnen der Sozialeinrichtung waren auch während des gesamten Lockdowns telefonisch erreichbar, mittlerweile sind auch wieder direkte Kontakte möglich.

Ulrike Furtenbach, Leiterin der ifs-Gewaltschutzstelle.                                                         <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Ulrike Furtenbach, Leiterin der ifs-Gewaltschutzstelle. Klaus Hartinger

Von Gewalt betroffen waren vorwiegend Frauen, erzählt Furtenbach, diesbezüglich habe sich nicht wirklich eine Änderung ergeben. Häufig waren es Familien, die in gewisser Weise schon vorbelastet waren. In Familien, die auch andere Krisen ohne Gewalt überstehen, sei es auch jetzt nicht dazu gekommen.

on Gewalt betroffen sind auch immer wieder Kinder. „Wir wissen, dass in diesen Familien auch öfter Kinder leben, die das alles mitbekommen“, so die Erfahrungen von Furtenbach. Zudem seien auch Personen von Wegweisungen und Betretungsverbot betroffen gewesen, bei denen das nicht das erste Mal war. „Das ist gut so, dass es auch neuerliche Wegweisungen geben kann“, sagt die Expertin dazu.

Einige Frauen hätten in dieser Zeit auch in der Frauennotwohnung untergebracht werden müssen, erzählt sie. Dort seien zusätzliche Plätze geschaffen worden. In einigen Fällen seien sie direkt von der Polizei dorthin gebracht worden.

Zusätzliche Belastungsfaktoren

Besonders in gewaltbelasteten Familien hätten sich die zusätzlichen Erschwernisse manchmal fatal ausgewirkt, beschreibt Furtenbach die Problematik. Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, dazu ein Aufeinanderhocken in kleinen Wohnungen ohne Möglichkeiten zum Ausweichen waren hier zusätzliche Stress- und Belastungsfaktoren. „Das hat vermehrt dazu geführt, dass es weniger Chancen gab, die Situation konfliktfrei bereinigen zu können“, schildert sie. Mancherorts war dann die Folge, dass die Gewalt eskalierte und die Polizei gerufen werden musste.

Die Zunahmen der Betretungsverbote in der Corona-Krise ist allerdings kein Vorarl­berger Phänomen. Auch aus anderen Bundesländern wurden Steigerungen gemeldet. Mittlerweile habe sich die Zahl aber wieder halbwegs eingependelt, informiert Furtenbach.