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Theorie und Praxis klaffen auseinander

17.07.2020 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Viele heimische Bioprodukte werden über Hofläden vertrieben.                    <span class="copyright">Ivo Vögel</span>
Viele heimische Bioprodukte werden über Hofläden vertrieben. Ivo Vögel

Absatz heimischer Bioprodukte bleibt schwierig.

Die Corona-Krise hat tiefe Einschnitte in der Gesellschaft verursacht. Die Unsicherheit ist in vielerlei Hinsicht gewachsen, die Sehnsucht nach Regionalem und Natürlichem größer geworden. Ein Umstand, der eigentlich auch den hiesigen Biobauern mit ihren Produkten zugute kommen müsste. Ganz so einfach ist das aber nicht, wie Kaspar Kohler, Obmann von Bio Vorarlberg, im Gespräch erzählt.
Teils habe es zwar eine größere Nachfrage gegeben, in anderen Bereichen sei sie aber massiv zurückgegangen, berichtet Kohler, der in Sulzberg einen Bauernhof mit Milchkühen betreibt. „Bei den Bäckern etwa ist der Umsatz um die Hälfte gesunken. Das normalisiert sich erst jetzt wieder langsam.“

Preisbewusst

Zu Beginn der Krise hätten die Menschen vor allem haltbare Produkte gekauft und die Nudeln mussten da nicht bio sein, so seine Erfahrungen. Er vermutet, dass vor allem in großen Geschäften eingekauft und da auch preisbewusster agiert wurde.

So hätten etwa die Biobauern Sulzberg in der Akutphase 37 Geschäfte nicht beliefern können, die sonst beliefert werden. Die Biojoghurts, die Kohler auf seinem Hof produziert, hätten allerdings im März einen stärkeren Absatz gefunden, im Mai sei er allerdings schwächer gewesen als die Jahre zuvor.

Durch das zeitweise  Verbot von Märkten fiel ein Absatzmarkt weg.                            <span class="copyright">Ivo Vögel</span>
Durch das zeitweise Verbot von Märkten fiel ein Absatzmarkt weg. Ivo Vögel

Auf der anderen Seite habe es aber durchaus auch kleinere Geschäfte gegeben, in denen die heimischen Bioprodukte ihre Abnehmer gefunden haben, erzählt der Biobauer. Am besten seien dabei Hofläden in Stadtnähe gelaufen, aber auch Automaten, weniger jene in Talschaften. „Die hatten mit der Frequenz zu kämpfen.“

Mit der Schließung der Gastronomie sei allerdings auch für Biobauern ein Absatzmarkt eine Zeitlang weggefallen, gibt er zu bedenken. Kohler hat zwar auch das Gefühl, dass bei den Kunden eine gewisse Sehnsucht nach heimischen, natürlichen Produkten da sei, dass gefragt werde, wo und wie etwas produziert wurde. „Das ist die Theorie“, sagt er. In der Praxis werde dann häufig doch nicht in den Bioladen gegangen, sondern in den Supermarkt.

Handelsketten legen zu

„Die großen Handelsketten haben, was Bio betrifft, stark zugelegt“, stellt der Biobauer fest. „Die schlafen nicht.“ Auch dort gebe es mittlerweile ein gutes Bio-Sortiment mit vielen österreichischen Produkten. Dass dort Vorarlberger Erzeugnisse nicht häufiger vertreten sind, habe sowohl mit der geringen Größe der heimischen Betriebe als auch mit logistischen Gründen zu tun, erklärt er. Und der Druck aus Innerösterreich sei groß, auch wenn es sich nur um Preisunterschiede von zwei, drei Prozent handle.

Gut gegangen seien während des Lockdowns Kistenprojekte, erzählt Kohler weiter. Da seien in einer Woche an die Tausend Kisten mit Lebensmitteln verkauft worden. Das sei mittlerweile aber schon wieder vorbei und auf einem Niveau, wo es sich fast nicht mehr rentiere.

Unwissenheit

Einen weiteren Grund dafür, dass der Absatz von Bioprodukten im Land nicht so recht vom Fleck kommt, sieht der Bio-Vorarlberg-Obmann auch darin, dass viele Menschen mittlerweile fast keine Ahnung mehr von Natur, Lebensmittelproduktion und Landwirtschaft hätten. „Und wenn ich mich nicht auskenne, nehme ich das günstigste“, so die logische Schlussfolgerung. Daher müsse man noch mehr informieren, sagt Kohler. Diesbezüglich sei man zwar schon länger dran, aber einfacher werde es trotz zahlreicher Möglichkeit wie etwa dem Internet nicht.

Dazu komme, dass jedes Produkt als sehr gut und qualitativ hochstehend beworben werde. Das mache es für die Biobauern schwer, sich durchzusetzen, so Kohler. Von großen Sprüngen geht er auch für die Zukunft nicht aus – trotz aller Bekenntnisse zu Natur und regional. „Das ist wohl ein Stückweit die Realität.“

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