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Kein Symptom: “Rinnende Nase”

18.07.2020 • 19:12 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Damit Covid-19 sich nicht in Betreuungseinrichtungen ausbreitet, wurden Hygienrichtlinien erarbeitet. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Damit Covid-19 sich nicht in Betreuungseinrichtungen ausbreitet, wurden Hygienrichtlinien erarbeitet. Shutterstock

Schreiben soll Eltern helfen, Symptome einzuschätzen.

Frau Landesstatthalterin, derzeit werden in Kleinkindbetreuungen und Kindergärten Infoschreiben vom Land an Eltern verteilt, mit dem Hinweis, dass Kinder etwa mit Husten oder Schnupfen nicht in die Betreuungseinrichtungen gebracht werden sollen, sofern nicht ein negativer Corona-Test vorliegt. Warum wird diese Maßnahme getroffen?
Barbara Schöbi-Fink: Auch wenn derzeit die Infektionszahlen in Vorarlberg erfreulicherweise niedrig sind (siehe Seite 26/27), müssen wir die Situation rund um das Coronavirus weiterhin ernst nehmen. In letzter Zeit kam es in verschiedenen Teilen Europas wieder zu einigen Infektionsherden. In diesem Zusammenhang ist die Betreuung von erkrankten Kindern eine wichtige Frage. Daher ist diese Woche eine aktualisierte Information der Abteilung Sanitätsangelegenheiten im Amt der Vorarlberger Landesregierung zu diesem Thema erstellt worden, die an die Einrichtungen verschickt wurde. Diese Information enthält eine gesonderte Information an die Eltern. In diesem Schreiben wurde klargestellt, dass kranke Kinder mit entsprechenden Symptomen zu Hause bleiben und über die Gesundheitshotline 1450 getestet werden sollen, aber Kinder mit „rinnenden Nasen“ oder Heuschnupfen nicht dazu zählen.

Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink. Oliver Lerch

Gibt es weitere Maßnahmen darüber hinaus?
Schöbi-Fink: Für elementarpädagogische Einrichtungen wurden Hygiene-Empfehlungen erarbeitet, die bereits im April an alle Einrichtungen verschickt wurden. Neben den allgemeinen Hygiene-Empfehlungen finden sich hier auch einige spezielle Hinweise, deren Beachtung dazu beitragen, das Risiko einer Corona-Virus-Ansteckung zu verringern. Auch über das Vorgehen bei einem Verdacht auf eine Covid-19-Erkrankung wurden die Einrichtungen informiert.

Kinder bzw. Kleinkinder haben oftmals über weite Zeiträume des Winters durchgehend Symptome dieser Art. Wie soll unterschieden werden, ob es für einen Besuch in der Betreuungseinrichtungen „harmlos genug“ ist, oder ein Kind wirklich daheimbleiben muss?
Schöbi-Fink: Gemäß den aktuellen Richtlinien des Bundesministeriums für Gesundheit besteht der Verdacht auf eine Ansteckung mit dem Corona-Virus beim neuen Auftreten einer akuten respiratorischen Infektion – mit oder ohne Fieber – mit mindestens einem der folgenden Symptome, für das es keine andere plausible Ursache gibt: Husten, Halsschmerzen, Kurzatmigkeit, Katarrh der oberen Atemwege, plötzlicher Verlust des Geschmacks-/Geruchssinnes.

„Kranke Kinder mit entsprechenden Symptomen müssen zuhause bleiben. Dazu zählen nicht Kinder mit ,rinnenden Nasen‘ oder Heuschnupfen.“

Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink

Wie werden diese Symptome beurteilt?
Schöbi-Fink: Für die Beurteilung ist wesentlich, ob die Symptome neu aufgetreten sind, plötzlich („akut“) aufgetreten sind und ob die Symptome nicht anders zu erklären sind. Bei Kindern mit chronischen oder immer wiederkehrenden, gleichen Beschwerden besteht nicht zwangsläufig der Verdacht auf eine Infektion mit dem Corona-Virus. Bei der Beurteilung soll auch berücksichtigt werden, ob das Kind im Urlaub in einem Risikogebiet war oder möglichen Kontakt mit einer positiv getesteten Person hatte. Wenn ein Verdacht besteht, dass sich das Kind mit dem Virus infiziert hat, soll die Gesundheitshotline 1450 angerufen werden. Es wird dann eine Corona-Virus-Testung durchgeführt. Bis das Ergebnis vorliegt, muss das Kind zu Hause betreut werden. Wenn das Kind negativ getestet wurde, kann es wieder in der Einrichtung kommen – auch wenn es weiterhin leichte Krankheits-Symptome zeigt. Wenn kein Verdacht besteht, dass sich das Kind mit dem Corona-Virus infiziert hat, kann das Kind in der Einrichtung betreut werden.

Wer übernimmt die Kosten für die dadurch nötig werdenden Tests?
Schöbi-Fink: Bei Symptomen werden die Kosten des Tests von der Krankenkasse übernommen.


Wie sollen Eltern, wenn angesichts dieser Maßnahme viele Kinder daheimbleiben müssen, ihre Arbeitstätigkeit wahrnehmen bzw. die Kinderbetreuung organisieren?
Schöbi-Fink: Durch die aktualisierte Information der Abteilung Sanitätsangelegenheiten ist den Eltern eine Einschätzung möglich, ob das Kind trotz leichter Symptome in einer Einrichtung betreut werden kann. Bei Unsicherheit können die Eltern sich an die Gesundheitshotline wenden. Bei einem sichtbar erkrankten Kind ist es notwendig, wie bisher auch, dass dieses im häuslichen Umfeld betreut wird. Leider bedeutet dies auch, dass Eltern vor Herausforderungen gestellt sind, eine alternative Betreuungsmöglichkeit zu organisieren. Es gibt die Möglichkeit, Pflegeurlaub in Anspruch zu nehmen beziehungsweise mit dem Arbeitgeber diese Situation zu besprechen.

Welche Gegenmaßnahmen wollen Sie setzen, damit Frauen – die oftmals nur in Teilzeit angestellt sind oder schlechter verdienen als Ihre Partner – nicht ihre Jobs kündigen, wenn die Kinder ständig krank sind?
Schöbi-Fink: Mit der aktualisierten Information zur Betreuung von Kindern mit Krankheitssymptomen wurde versucht, einen Mittelweg zu finden, damit Eltern anhand bestimmter Kriterien bestimmen können, ob ein Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus vorliegt. Auf diese Weise können Kinder, wenn kein Verdachtsfall vorliegt und sie sich gut fühlen, in den Einrichtungen betreut werden. Für berufstätige Eltern ist es immer eine Herausforderung, eine alternative Betreuungsmöglichkeit für ihre Kinder zu finden, wenn diese erkranken.

Warum halten Sie diese Maßnahme für gerechtfertigt, obwohl Studien mittlerweile zum Ergebnis gekommen sind, dass Kleinkinder gar nicht die „Zielgruppe“ des Virus sind auch nicht zu den Hauptüberträgern gehören?
Schöbi-Fink: In diesem Zusammenhang verlasse ich mich auf die Einschätzung der zuständigen Fachleute im Bund und bei uns im Land. Wie eingangs bereits erwähnt, müssen wir die Situation rund um das Coronavirus weiterhin ernst nehmen.

Wird es Sanktionen geben, wenn Eltern sich nicht an die Anweisung halten, Kinder mit Husten oder Schnupfen nicht in die Betreuungseinrichtungen zu bringen, sofern nicht ein negativer Corona-Test vorliegt?
Schöbi-Fink: Sanktionen sind von Seiten des Landes nicht vorgesehen und auch nicht möglich. Die Absprachen, ob Kinder betreut werden oder nicht, erfolgen ­zwischen den Eltern beziehungsweise Erziehungsberechtigten und den Einrichtungen vor Ort. Wenn von den Pädagogen und Pädagoginnen der begründete Verdacht auf eine Infektion mit dem Corona-Virus besteht, obwohl die Eltern das Kind in Einrichtung gebracht haben, können diese den Eltern empfehlen, über 1450 eine Covid-19-Testung durchführen zu lassen. Es kann beispielsweise passieren, dass die Einrichtung bei einem sichtlich erkrankten Kind die Eltern auffordert dieses abzuholen. Dies ist auch, außerhalb der Coronakrise, eine übliche Vorgehensweise und die Verantwortung haben immer die Eltern.

Werden Schüler mit Erkältungserscheinungen eventuell ins „Home-Schooling“ versetzt oder wird es „Quarantäne-Klassen“ geben, in welchen erkrankte Schüler unterrichtet werden?
Schöbi-Fink: Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung erarbeitet derzeit in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium und den Bildungsdirektionen eine bundesweit einheitliche Vorgehensweise. Spätestens Ende August werden uns die Informationen dann vorliegen, sodass diese an die Schulen weitergegeben werden können.

Rechnen sie mit einer „zweiten Welle“ bzw. mit steigenden Corona-Fallzahlen ab Herbst an Kleinkindbetreuungen, Kindergärten und Schulen?
Schöbi-Fink: Wir bereiten uns in jedem Fall umfassend auf verschiedene Szenarien vor. Das Virus ist nach wie vor unter uns, und es wäre fahrlässig, die Möglichkeit eines zweiten größeren Ausbruchs nicht mitzubedenken. Wenn wir die Hygieneempfehlungen weiterhin ernst nehmen und die Bürgerinnen und Bürger sich eigenverantwortlich verhalten, können wir hoffentlich das Schlimmste, eine sogenannte zweite Welle verhindern.

Wie gut sind Ihres Erachtens Kleinkindbetreuungen, Kindergärten und Schulen auf das neue Schuljahr vorbereitet?
Schöbi-Fink: Ich gehe davon aus, dass die elementarpädagogischen Einrichtungen und Schulen für das neue Betreuungsjahr ab September gut gerüstet sind. Sie haben sich bereits intensiv mit der Umsetzung der Hygiene-Empfehlungen und -maßnahmen befasst, auch eigene Konzepte wurden zum Teil von den Trägern erstellt. Seitens der Fachaufsicht in der Abteilung Elementarpädagogik, Schule und Gesellschaft sowie von den Schulqualitätsmanagern in der Bildungsdirektion wurden bzw. werden Beratungen vor Ort durchgeführt und laufend telefonische und schriftliche Auskünfte erteilt.

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