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Bauern hoffen auf Kennzeichnungspflicht

23.07.2020 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Einkommen der Landwirte stagniert auf einem niedrigen Niveau. <span class="copyright">Hartinger</span>
Das Einkommen der Landwirte stagniert auf einem niedrigen Niveau. Hartinger

Regionale Produzenten könnten von mehr Transparenz profitieren.

Erfreut hat sich Josef Moosbrugger, Präsident der österreichischen und Vorarlberger Landwirtschaftskammer (LWK), über das Ergebnis der Verhandlungen zum EU-Budget gezeigt. Statt der ursprünglich geplanten Kürzungen im Agrarbereich sei nun für den Zeitraum von 2021 bis 2027 ein Plus von 35 Millionen Euro eingeplant. Damit sei der Weg frei für Reformen in der gemeinsamen Agrarpolitik und die heimischen Landwirte hätten mehr Sicherheit für die Zukunft. Im Vorfeld des EU-Gipfels hatte Moosbrugger vergangene Woche vor Kürzungen gewarnt. Die bäuerlichen Einkommen in Österreich seien im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen und stagnierten damit auf einem niedrigen Niveau. Pro Betrieb und Jahr sei das Einkommen 2019 bei 27.966 Euro gelegen, zitierte der LWK-Präsident aus dem „Grünen Bericht“, der auf Daten von rund 2000 freiwillig buchführenden Betrieben basiert.

Auf dem Niveau von 2016

In Vorarlberg stellt sich die Situation ähnlich dar wie im österreichischen Schnitt, berichtet der Vorarlberger Kammerdirektor Stefan Simma. Die bäuerlichen Einkommen lägen etwa auf dem Niveau des Jahres 2016. Dies liege auch an den Auswirkungen des Dürre-Jahres 2018, weswegen Landwirte im Winter und Frühjahr 2019 Futter für ihre Tiere zukaufen mussten. Ebenso würden etwa der Milchpreis und die Milchmengen stabil bleiben, während auf der anderen Seite die Kosten steigen. Auch das drücke das Einkommen.

Josef Moosbrugger ist zufrieden mit den Verhandlungen über das EU-Budget. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Josef Moosbrugger ist zufrieden mit den Verhandlungen über das EU-Budget. Stiplovsek

Negativ wirkt sich nach Angaben von Simma auch die Lage auf dem Holzmarkt aus, denn so mancher Bauer im Ländle ist auch Waldbesitzer. Als Folge von Stürmen und Borkenkäferplagen gerade in Ostösterreich und Deutschland sei schon seit Längerem viel Schadholz auf dem Markt, was natürlich den Preis sinken lasse. Dennoch sieht der Kammerdirektor die heimischen Landwirte gut aufgestellt. Man behaupte sich mit qualitativ hochwertigen Produkten wie etwa Käsespezialitäten gegen die weltweite Konkurrenz.

Kennzeichnung

Simma hofft auch auf die Umsetzung der Herkunftskennzeichnung von Milch, Fleisch und Eiern bei verarbeiteten Lebensmitteln sowie Ausspeisungen wie Schulkantinen und Krankenhäusern, die kürzlich im Nationalrat beschlossen wurden. Der Ball liegt nun beim Gesundheitsministerium, eine entsprechende Regelung einzuführen, die ab dem kommenden Jahr gelten soll. Der Kammerdirektor ist überzeugt, dass es diese Art der Transparenz braucht, um den Konsumenten die Möglichkeit zu geben, die regionalen Produkten gezielt zu unterstützen.

Haltbarprodukte

Schwierig waren im Bezug auf die bäuerlichen Einkommen auch die vergangenen Wochen und Monate. Gerade zu Beginn der Pandemie seien viele Menschen bei Milchprodukten auf lang haltbare Waren ausgewichen. Das habe sich auch in den Aufrufen zu weniger Milchanlieferungen bei der Vorarlberg Milch gezeigt. Zudem sei es auch durch die Grenzschließungen zu Problemen beim Absatz der Produkte gekommen. Mittlerweile habe sich die Lage jedoch beruhigt und es sei eine Erholung zu sehen. Der Geschäftsausfall aus dem April und Mai lasse sich aber nicht mehr aufholen.

Kammerdirektor Stefan Simma hofft auf die Herkunftskennzeichnung. <span class="copyright">Hartinger</span>
Kammerdirektor Stefan Simma hofft auf die Herkunftskennzeichnung. Hartinger

Zugleich habe die Krise aber auch der Regionalität Auftrieb gegeben, zeigt sich Simma überzeugt. Viele Landwirte hätten in der schwierigen Situation vermehrt auf Direktvermarktung gesetzt. Die Herkunftskennzeichnung könnte bald noch mehr Schub geben: „Der Ball liegt nun beim Gesundheitsminister.“

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