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Über 100 Patienten auf der Warteliste

31.07.2020 • 19:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Philipp Kloimstein, Primar am Krankenhaus Maria Ebene.                                               <span class="copyright">Hartinger</span>
Philipp Kloimstein, Primar am Krankenhaus Maria Ebene. Hartinger

Primar Philipp Kloimstein über den starken Anstieg.

Mitte Juni hatte Primar Philipp Kloimstein angesichts der Zuwächse an Patienten in den Einrichtungen der Stiftung Maria Ebene von einem Alarmsignal gesprochen. Seither hat sich an den hohen Zahlen nicht viel geändert. „Wir haben am Krankenhaus Maria Ebene eine Warteliste mit über hundert Patienten“, verdeutlicht der ärztliche Leiter die aktuelle Situation.

Noch dramatischer fällt der Andrang allerdings bei den Beratungsstellen Clean in Feldkirch, Bludenz und Bregenz aus. Dort wird seit Beginn der Krise ein Plus von über 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet. Und auch die Termin­ambulanz des Krankenhauses ist auf zwei bis drei Wochen im Voraus ausgebucht. Es ist eine „neue Normalität“, in der sich die auf Suchterkrankungen spezialisierten Einrichtungen derzeit befinden.

Fluchtreaktion

Eine der Ursachen dafür, dass der Anstieg anhält, sieht der Primar darin, dass nach wie vor keine Klarheit und Orientierung darüber herrsche, wo es hingeht. „Wir reagieren nur und laufen hinterher“. Menschen sehnten sich aber nach Orientierung und dieses Vage, dieses in der Luft hängen, könne dann auch zu Fluchtreaktionen führen. Flucht in den Alkohol oder in andere Substanzen.
„Sucht ist ein dysfunktionaler Bewältigungsmechanismus“, beschreibt Kloimstein die Erkrankung. „Nur so“ seien die wenigsten süchtig. Er berichtet auch von Leuten, die jetzt nach der Isolation wieder Rückfälle hätten, nachdem sie jahrelang trocken waren. „Aber es ist super, dass sie sich melden“, meint er dazu.

Das Krankenhaus Maria Ebene in Frastanz.
Das Krankenhaus Maria Ebene in Frastanz.

Rund 80 Patienten sind in den Einrichtungen der Stiftung – das Krankenhaus Maria Ebene und die Therapiestationen Carina und Lukasfeld – stationär untergebracht. Auch die Neuzugänge würden sich quer durch alle Bevölkerungsschichten und Altersgruppen ziehen, berichtet er.
Derzeit sei man allerdings noch in der Akutphase, sagt der Primar. Wie sich die Corona-Krise letztlich mittel- bis langfristig auswirke, sei noch schwer abzuschätzen.

Vergleiche zieht er mit der letzten großen Finanzkrise, bei der die Nachwehen noch zwei, drei Jahre später spürbar waren. Ein Aspekt sei auch die Arbeitslosigkeit, gibt er zu bedenken. Steige diese weiter, wirke sich das massiv auf die Psyche aus und damit unter Umständen auch auf ein Suchtverhalten. Im Vergleich zur Finanzkrise würden jetzt auch noch soziale und gesundheitliche Aspekte dazukommen, sodass es durchaus sein könne, dass die Auswirkungen noch drastischer sind, so Kloimstein.

„Wenn man an der falschen Stelle spart, kann sich das rächen. Da muss man aufpassen“

Primar Philipp Kloimstein

Problematisch sieht er daher auch eventuelle Einsparungen im Gesundheitssystem. Das hätten Erfahrungen aus anderen Ländern wie Griechenland oder Italien gezeigt. „Wenn man an der falschen Stelle spart, kann sich das rächen. Da muss man aufpassen.“ Prinzipiell wisse derzeit aber noch niemand, wie es wirklich weitergeht, sagt der Primar. „Wir bereiten uns auf alle Eventualitäten vor.“ Das Krankenhaus Maria Ebene war zu Beginn der Krise bekanntlich als Notkrankenhaus für das LKH Rankweil konzipiert, in dem Plätze für eventuelle Covid-19-Fälle freigehalten werden sollten. Seit Mitte Mai wurde das wieder schrittweise geändert.

„Das Ziel ist es ja auch, nicht mehr das gesamte System runterzufahren.“ Man müsse schauen, dass man allen Patienten gerecht werden kann, sagt er. Diesbezüglich sei man auch in engem und wirklich gutem Kontakt und Austausch mit den anderen Krankenhäusern des Landes. „Wenn das Ganze einen positiven Aspekt hat, dann vermutlich den, dass man noch nie so schnell und intensiv miteinander geredet und gearbeitet hat“, stellt Kloimstein dann noch fest.

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