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Heimische Startup-Szene im Aufwind

01.08.2020 • 18:36 Uhr / 7 Minuten Lesezeit

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In der Dornbirner Postgarage hat sich seit der Eröffnung im vergangenen Oktober viel getan. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
In der Dornbirner Postgarage hat sich seit der Eröffnung im vergangenen Oktober viel getan. Stiplovsek

In der Postgarage wird an 20 Startup-Ideen getüftelt.

Zu einem Treffpunkt der Vorarlberger Start-up-Szene hat sich seit der Eröffnung im vergangenen Oktober die Dornbirner Postgarage entwickelt. Genau so, wie es sich die Initiatoren des Projekts erhofft haben. 20 Start-ups, die sich in der Anfangsphase ihrer Entwicklung befinden, haben mittlerweile in den Räumlichkeiten ein neues Zuhause gefunden, berichten Julia Grahammer und Thomas Gabriel von der Initiative Startupland. Diese ist ebenfalls in der Postgarage beheimatet und eine Plattform für alle Start-ups im Land.

Vernetzung

Ins Leben gerufen wurde die Initiative bereits im Jahr 2018. Ziel war es damals, als Interessenvertretung für die aufstrebenden Unternehmen zu dienen und diese auch untereinander besser zu vernetzen. Relativ schnell habe man dann bemerkt, dass es zu diesem Zweck auch entsprechende Räumlichkeiten braucht, erzählt Gabriel, der 2018 einer der Mitgründer von Startupland war. In der Postgarage hat man nun eine Homebase gefunden. Diese soll zwar eine zentrale Anlaufstelle sein, aber das heißt nicht, dass man sich nicht im ganzen Land engagiert, betonen Gabriel und Grahammer.

Weitere Informationen

Startups sind Unternehmen, denen eine Innovation zugrunde liegt. Dies kann entweder eine technische Neuerung oder ein neues Geschäftsmodell sein. Ziel ist es, schnelles Wachstum zu erzielen.

Informationen zur Postgarage, zur laufenden Bewerbungsrunde für ein Ticket und zur Initiative Start­upland gibt es im Internet unter https://postgarage.io und https://startupland.at

Und das ist auch gut so, denn die Start-up-Szene im Ländle boomt. Schließlich sei man beim Start von Startupland davon ausgegangen, dass es 40 bis 50 Unternehmen gibt, die der Definition eines Start-ups (siehe Factbox) entsprechen. Dass es bei den ersten beiden Bewerbungsrunden für Plätze in der Postgarage insgesamt gleich 45 Teilnehmer gegeben hat, zeige jedoch das Start-up-Potenzial in Vorarlberg, meint Gabriel. Dazu passt auch, dass für die dritte Bewerbungsrunde bereits die ers­ten Anmeldungen eingegangen sind, obwohl erst vor wenigen Tagen der Startschuss dafür gegeben worden ist.

Thomas Gabriel und Julia Grahammer sind die Ansprechpartner bei Startupland. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Thomas Gabriel und Julia Grahammer sind die Ansprechpartner bei Startupland. Stiplovsek

Noch bis 12. September (12 Uhr) können Interessierte sich mit ihrer Idee für ein Startup anmelden. Eine Jury entscheidet dann, wer eines der Tickets erhält. Ab 1. Oktober können die erfolgreichen Unternehmensgründer dann bis zu zwölf Monate lang kostenlos die Räumlichkeiten in der Postgarage nutzen, um ihre Idee Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Geboten werden dabei ein Co-Working-Bereich, verschiedene Besprechungsräume, eine Küche sowie die entsprechende Büroinfrastruktur.

Ansprechpartner

Doch die Jungunternehmer werden nicht nur mit „Hardware“ unterstützt, sondern auch mit zahlreichen Informationen. So werden beispielsweise Gruppenworkshops oder auch individuelle Beratungen zu verschiedensten Fragen angeboten. Zudem sind natürlich auch die Verantwortlichen von Startupland Ansprechpartner, die mit Rat und Tat zur Seite stehen. Nicht zuletzt tauschen sich auch die Ticketinhaber untereinander aus, teilen ihre Erfahrungen und informieren sich gegenseitig über den eigenen Fortschritt – entweder informell in der Kaffeepause oder auch bei speziellen Treffen und Präsentationen.

Es gibt Angebote wie Workshops oder Beratungen für die Ticketinhaber. <span class="copyright">Startupland/Sams</span>
Es gibt Angebote wie Workshops oder Beratungen für die Ticketinhaber. Startupland/Sams

Kernzielgruppe für die Initiative sind vor allem junge Menschen, wobei das Alter und der bisherige Karriereweg grundsätzlich keine Rolle spielen. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Hintergründe der derzeitigen Ticketinhaber. So sind unter ihnen Studenten genauso wie HTL-Schüler, die bereits während ihrer Ausbildung an der Verwirklichung ihrer Startup-Idee arbeiten, oder ehemals Berufstätige, die ihren Job aufgegeben haben, um ihr eigenes Startup aufzubauen. In der Postgarage soll ihnen das entsprechende Umfeld geboten werden.

Der Austausch miteinander spielt eine wichtige Rolle in der Postgarage. <span class="copyright">Startupland/Sams</span>
Der Austausch miteinander spielt eine wichtige Rolle in der Postgarage. Startupland/Sams

Doch Grahammer und Gabriel geht es um mehr als nur die Begleitung der innovativen Gründer in den Dornbirner Räumlichkeiten. Sie möchten in Vorarlberg ein Startup-Mindset etablieren und das Bewusstsein dafür schärfen, dass das Unternehmertum eine Alternative zu den etablierten Karrierewegen ist. Zu diesem Zweck werden immer wieder Veranstaltungen organisiert, an denen nicht nur Mitglieder der Startup-Szene sondern auch alle Interessierten teilnehmen können. Anfang des Jahres waren auch 90 Schülerinnen der HLW Rankweil in der Postgarage zu Gast, um sich darüber zu informieren, wie aus einer kreativen Idee ein Unternehmen entstehen kann.

Befragung

Die Verantwortlichen von Startupland sind davon überzeugt, dass das Engagement bereits erste Früchte trägt. „Es tut sich was“, sagt Julia Grahammer. Das bestätigt auch der Blick auf die Ergebnisse einer jährlichen Umfrage in der Szene. Die Befragten zeigen sich darin zufrieden mit dem Angebot an für sie relevanten Veranstaltungen und die Möglichkeiten zur Vernetzung. Aufholbedarf gibt es dagegen noch, was die Finanzierungsmöglichkeiten und die Zahl der im Land verfügbaren Fachkräfte betrifft. Es sei wichtig, auch in diesen Bereichen für Verbesserung zu sorgen, sagt Thomas Gabriel.

Langfristiger Prozess

Vorarlberg zu einem attraktiven Standort für Startups zu machen, ist ein langfristiger Prozess. Das ist den Verantwortlichen der Initiative bewusst. Man befinde sich auf einem guten Weg, aber stehe immer noch am Anfang. Die ausgebrachte Saat müsse nun reifen, damit man dann in der Zukunft die Früchte der bisherigen Arbeit ernten könne.

“Keine Bremser mehr”

Thomas Gabriel, der sich schon seit langem in der Szene engagiert, ist jedoch zuversichtlich, was die Zukunft betrifft, auch wenn der Weg zum Ziel noch ein langer ist. Denn mittlerweile hätten alle Verantwortlichen im Land erkannt, dass Startups eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts spielen: „Es gibt keine Bremser mehr.“

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