Allgemein

Altach wehrt sich gegen Schredder

06.08.2020 • 20:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Betriebsgebiet von Loacker. Im Hintergrund ist die Gemeinde Altach zu sehen. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Das Betriebsgebiet von Loacker. Im Hintergrund ist die Gemeinde Altach zu sehen. Stiplovsek

Loacker will mehr Metall zerkleinern. Das sorgt für Unmut.

Der im wahrsten Sinne zermürbende Zwist um die Schredderanlage des Schrottverwerters Loacker in Götzis dauert bereits seit etlichen Jahren an. Während das Unternehmen auf den gestiegenen Recyclingbedarf reagieren und den Standort weiterentwickeln will, rechnen die Anrainer mit schlechterer Luft, mehr Lärm und einer Verkehrszunahme. Eine Bürgerinitiative möchte nun Parteistellung im Umweltverträglichkeitsprüfungs (UVP)-Verfahren erlangen und sammelt Unterschriften. Rückendeckung bekommt die parteiübergreifende Gruppierung von Bürgermeister Gottfried Brändle (VP), der die in den 1980er-Jahren bewilligte Schredderanlage am liebsten ganz weghaben will. Aus dem Unternehmen heißt es, dass man die Bedenken ernst nehme und die Situation ernsthaft verbessern wolle.

145.000 Tonnen im Jahr

Konkret möchte Loacker seinen Schredder künftig 50 Stunden pro Woche laufen lassen (zurzeit sind es 36 Stunden) und die Behandlungskapazität von bisher 80.000 auf 145.000 Tonnen im Jahr steigern. Weiters ist ge­plant, eine zusätzliche Filteranlage, sprich dritte Reinigungsstufe zu installieren, um die Schadstoffemissionen zu verringern. Im Februar dieses Jahres hat das Unternehmen einen entsprechenden Antrag im Rahmen der dafür notwendigen UVP bei der Landesbehörde gestellt. Im Juni wurden überarbeitete Projektunterlagen und die Umweltverträglichkeitserklärung eingereicht. Laut dem Unternehmen wurden alle relevanten Themen- und Umweltbereiche durch externe Gutachter geprüft. Diese seien zum Ergebnis gekommen, dass es „keine relevanten negativen Auswirkungen“ geben werde und in den Bereichen Luft, Klima und Humanmedizin sogar Verbesserungen erzielt werden könnten. Der Verkehr wird allerdings zunehmen. Das Unternehmen rechnet mit einem täglichen Plus von 27 Lkw-Fahrten und vier beladenen Waggons.

Anrainerprotest

Günther Thaler, Sprecher der Bürgerinitiative. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Günther Thaler, Sprecher der Bürgerinitiative. Stiplovsek

Loacker will den Materialdurchsatz um 80 Prozent steigern. Das ist einfach unzumutbar für uns Anrainer.

Günther Thaler, Sprecher der Bürgerinitiative

Günther Thaler, Anrainer und treibende Kraft der Bürgerinitiative, kann darüber nur den Kopf schütteln. Sein Haus liegt 240 Meter vom Schredder entfernt. Seit Jahren dokumentieren seine Frau und er die Rauchentwicklungen und Verpuffungen, die vom Schredder ausgehen. „Wir haben immer wieder mit Geruchs- und Lärmbeeinträchtigungen zu kämpfen“, sagt der Pensionist. Gemeinsam mit einigen Mitstreitern sammelt er nun Unterschriften für eine Stellungnahme an die zuständige Behörde. Dass die Schredderanlage einmal sauberer laufen wird, glaubt er nicht. „Die Kapazität soll um 81 Prozent gesteigert werden, die Betriebszeiten um fast 39 Prozent. Da wird auch die zusätzliche Filteranlage keine Verbesserung im Vergleich zur derzeitigen Situation bringen“, glaubt Thaler. Zudem fragt er sich, warum das Unternehmen eine – offenbar schon vor Jahren angeschaffte Filteranlage – noch nicht eingebaut hat. 

“Erpresserisch”

Die Antwort auf diese Frage interessiert auch Jürgen Sandholzer. Der 39-Jährige wohnt mit seiner Frau und zwei Kindern unweit des Loacker-Betriebsgebiets. „Wenn die Terrassentüre offensteht, kann ich riechen, dass der Schredder in Betrieb ist“, schildert Sandholzer und weist darauf hin, dass sich auch zwei Schulen und ein Kindergarten in der Nähe befinden. Dass das Unternehmen die Filteranlagen nur dann einbaue, wenn die Schredderkapazitäten ausgeweitet werden dürfen, bezeichnet er als „erpresserische Maßnahme“.

Christoph Ortner, leiter  Qualität, Sicherheit und Umwelt bei Loacker Recycling. <span class="copyright">Hartinger</span>
Christoph Ortner, leiter Qualität, Sicherheit und Umwelt bei Loacker Recycling. Hartinger

Die neue Filteranlage ist einzigartig. Sie wird erhebliche Verbesserungen für die Anrainer bringen.

Christoph Ortner, Loacker

Chris­toph Ortner, Leiter Qualität, Sicherheit und Umwelt bei Loacker, weist diesen Vorwurf entschieden zurück. Auch dass die Filteranlage bereits vor Jahren eingebaut hätte werden können, stimme so nicht. Zwar habe man im Rahmen eines zweijährigen Versuchsbetriebs temporär einen Aktivkohlefilter eingebaut, dieser sei jedoch nicht mit der neuen Filteranlage zu vergleichen. „Da wird es sehr deutliche Verbesserungen geben“, verspricht Ortner.

Altachs Bürgermeister Gottfried Brändle. <span class="copyright">Sams </span>
Altachs Bürgermeister Gottfried Brändle. Sams

Wir werden alle rechtliche Möglichkeiten ausschöpfen. Ein Schredder hat nahe eines Wohngebiets nichts verloren.

Gottfried Brändle, Bürgermeister Altach

Bürgermeister Brändle ist die Schredderanlage in der Nachbargemeinde schon lange ein Dorn im Auge. „Nach jahrzehntelangen Lärm- und Geruchsbelästigungen durch den Schredderbetrieb sind wir der Meinung, dass eine derartige Anlage nichts in der Nähe eines Wohngebiets verloren hat.“ Die Gemeinde werde sich deshalb am UVP-Verfahren beteiligen und  „alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen“.