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Corona stoppte Höhenflug der Brauer

07.08.2020 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Start ins Jahr war für die Brauer ein guter. Dann kam das Coronavirus. <span class="copyright">AFP</span>
Der Start ins Jahr war für die Brauer ein guter. Dann kam das Coronavirus. AFP

Gastroschließungen und Festabsagen setzten Brauereien zu.

Genau 103,2 Liter Bier hat jeder Einwohner in Österreich 2019 durchschnittlich getrunken. Das geht aus der Bierstatistik 2019 der Brauereien Österreichs hervor. Damit gehören die Österreicherinnen und Österreicher zu den größten Biertrinkern weltweit. Deutlich mehr Gerstensaft wird lediglich in Tschechien konsumiert. Rund 140 Liter sind es dort pro Kopf und Jahr. Alljährlich wird am ersten Freitag im August der internationel Tag des Bieres gefeiert. So auch heute. Zu diesem Anlass hat die NEUE sich bei den heimischen Brauereien über den bisherigen Jahresverlauf umgehört. Sowohl im Ober- und Unterland als auch im Bregenzerwald haben die Verantwortlichen ähnliche Erfahrungen gesammelt.
Der Start in das Jahr 2020 wird allerorts als sehr positiv beschrieben. „Der Jänner und Februar waren sensationell“, bringt es Oliver Müller von der Brauerei Frastanz auf den Punkt. Allerdings sei dann mit der Corona-Pandemie der Keulenschlag gekommen. Der Umsatz sei im März und April um bis zu 50 Prozent eingebrochen. Vor allem habe sich natürlich die Schließung der Gastronomie und auch die Absage zahlreicher Veranstaltungen und Feste negativ ausgewirkt. Umgekehrt habe dafür aber das Geschäft im Handel angezogen. Die Menschen hätten angesichts der geschlossenen Gastronomiebetriebe eben privat mehr getrunken. Bei der Brauerei Frastanz machen Gastronomie und Feste etwa 50 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Mittlerweile sei in diesem Bereich auch wieder ein Aufwärtstrend zu spüren.

Auch die Absage von Festen hat den Brauereien deutlich zugesetzt. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Auch die Absage von Festen hat den Brauereien deutlich zugesetzt. Stiplovsek

Ähnlich äußert sich Lukas Dorner, einer der beiden Geschäftsführer der Brauerei Egg. Die Schließung der Gastronomie und Hotellerie habe das Bregenzerwälder Unternehmen besonders hart getroffen, da man in diesem Bereich mehr verkaufe als über den Handel. Allerdings habe der Umsatz in den Geschäften während der Krise deutlich zugelegt. Und die Verkäufe seien weiterhin auf einem hohen Niveau. Daher könne man sich jetzt – nach der Öffnung der Tourismus- und Gastronomiebetriebe – nicht über fehlende Arbeit beklagen.

Zahlen und Fakten

Österreichweit gibt es nach Angaben des Verbands der Brauereien insgesamt 311 Braustätten (inklusive 126 Gasthaus- und Hausbrauereien). In Vorarlberg sind sieben Brauereien verzeichnet. Insgesamt werden mehr als 1000 verschiedene Biere gebraut. Jährlich wird ein Ausstoß von rund 9,5 Millionen Hektoliter erzielt.

Einen spürbaren Einfluss auf das Geschäft hatte die Corona-Krise auch bei der Bludenzer Brauerei Fohrenburg. Auch hier hat sich die Schließung der Gastronomie und Skigebiete, wo man stark engagiert ist, ausgewirkt. Im ersteren Bereich gehe es mittlerweile wieder aufwärts. Allerdings gebe es immer noch Unsicherheit, wie es angesichts der Pandemie im Winter in den Skigebieten ausschauen werde, erläutert Thomas Theurer.

Aufwind zu spüren

Die Frage, wie sich die Lage in den kommenden Monaten entwickeln wird, beschäftigt auch die Verantwortlichen von Mohrenbräu in Dornbirn. Hier ging durch die Krise ebenfalls einiges an Umsatz im Bereich von Gastronomie und Events verloren. Laut Marketingleiter Bernd Marte lässt sich dies auch nicht über den Absatz im Handel kompensieren. Allerdings spüren auch die Dornbirner Brauer wieder Aufwind in der Gastronomie.

Zufrieden mit Kooperation

Zufrieden sind die Verantwortlichen der Brauerei Frastanz und der Mohrenbrauerei mit dem bisherigen Verlauf ihrer Kooperation bei der Limonadenmarke „Vo üs“. Diese war bisher nur in der Gastronomie erhältlich, kann aber seit dieser Woche auch in Lebensmittelgeschäften erworben werden. Der Zeitpunkt für die Einführung einer Marke sei zwar während einer Pandemie nicht ideal. Allerdings könnte man auch von einem steigenden Bewusstsein bei den Konsumenten für die Bedeutung regionaler Produkte profitieren, sind sich die Sprecher der Brauereien einig.

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