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Langes Warten auf Kassenarzt-Termin

07.08.2020 • 19:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
ArztVon knapp 650 Ärzten mit Ordination führten mittlerweile 333 eine Wahlarztordination. <span class="copyright">Shutterstock</span>
ArztVon knapp 650 Ärzten mit Ordination führten mittlerweile 333 eine Wahlarztordination. Shutterstock

Sorge bei Patientenanwalt über sinkende Zahl an Kassenärzten

Mit Sorge verfolgt Patientenanwalt Alexander Wolf die Entwicklungen im niedergelassenen Ärztebereich. Einige Kassenärzte hätten ihre Praxis niedergelegt und danach als Wahlärzte die Ordination wieder geöffnet. Zudem würden sich die Mediziner bei Praxis-Neueröffnungen vermehrt für das Wahlarztsystem entscheiden, konstatierte Wolf bei der Präsentation des Jahresberichts 2019.
Laut Ärztekammer gibt es in Vorarlberg über 650 Ärzte mit Ordination. Etwas mehr als die Hälfte (333) führen eine Wahlarztordination. „Dies hat zur Folge, dass mangels finanzieller Ressourcen bzw. privater Krankenversicherungen immer weniger Ärzte der Allgemeinbevölkerung zur Verfügung stehen und dadurch die Kassenarztordinationen massiv belastet sind“, sagt Wolf.

  • 575 Patienten haben im Jahr 2019 bei der Patientenanwaltschaft Vorarlberg vorgesprochen.
  • 100 Patienten erhielten Schadenersatz oder eine Entschädigung. Insgesamt wurden und 1.1 Millionen Euro ausgezahlt.
  • 374 Beschwerdefälle kamen im Jahr 2019 aus dem Krankenhausbereich, sieben betrafen Pflegeheime und 43 Beschwerden gab es im niedergelassenen Bereich.

Die Situation werde sich in Zukunft noch verschärfen, weil in den kommenden Jahren viele Allgemeinmediziner, aber auch Fachärzte in Pension gingen. „Einzelne Patienten müssen dann froh sein, überhaupt einen Arzt zu finden, der sie behandeln, ohne dafür in Vorleistung treten zu müssen.“ Die Konsequenz liegt für Wolf klar auf der Hand: Patienten würden gezwungen, auch Bagatellen in der Ambulanz versorgen zu lassen. „Dies verteuert das System und entspricht nicht den Zielvorstellungen der Planung“, sagte Wolf. Er fordert die Einhaltung der Versorgungspyramide. „Die Hausärzte als erste Ansprechpartner lotsen und begleiten Patienten während ihrer Krankheit und organisieren die weitere Behandlung, sei es einen Termin bei Fachärzten oder stationäre Abklärungen und Behandlungen.

Patientenanwalt Alexander Wolf. <span class="copyright">hartinger</span>
Patientenanwalt Alexander Wolf. hartinger

Wartezeiten

Zur Wartezeit im Krankenanstaltenbereich erklärte der Patientenanwalt, dass die Situation durch die Corona-Pandemie noch einmal verschärft worden sei. Wirbelsäulenpatienten seien schon 2019 mit Wartezeiten von über einem Jahr konfrontiert gewesen, forderte Wolf Maßnahmen. „Dabei ist insbesondere daran zu denken, dass Schmerzpatienten ein Prozedere angeboten werden muss, um die Zeit überbrücken zu können“, so Wolf. Hinsichtlich des gehandhabten Wartelistensystems wies der Patientenanwalt darauf hin, dass laut Vorarlberger Spitalgesetz Patienten auf der Warteliste auf ihr Verlangen hin Auskunft über ihre Wartezeit erhalten müssen. In der Vergangenheit sei diese Information aber oft nicht zu erhalten gewesen, verlangte Wolf „tunlichst eine Auskunftseinholung auf elektronischem Wege zu ermöglichen“. Auch die Wartezeit auf eine MRT-Untersuchung im niedergelassenen Bereich führe zu übermäßigen Belastungen der Patienten.

Beschwerden

An Beschwerden gingen im vergangenen Jahr 374 aus dem Krankenhausbereich, sieben aus dem Pflegeheimbereich bei der Vorarlberger Patientenanwaltschaft ein. Jene im niedergelassenen Bereich sind im Vergleich zu den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und haben 2019 mit 43 einen neuen Höchststand erreicht. ­Dies entspreche einer Steigerung von 75 Prozent gegenüber dem Jahr 2015, betonte Wolf. Schadenersatz und Entschädigungen wurden deutlich weniger ausgezahlt als in den Jahren zuvor. Laut Wolf wurde für 100 Patienten Schadenersatz (854.177 Euro) bzw. eine Entschädigung (243.050 Euro) erreicht.
Darüber hinaus errichtete bzw. beglaubigte die Patientenanwaltschaft Vorarlberg 55 verbindliche Patientenverfügungen.

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