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Es wird deutlich weniger bar bezahlt

15.08.2020 • 19:50 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Zahlungen ohne Code bis 50 Euro – diese Maßnahme wird wohl bleiben.<br><span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Zahlungen ohne Code bis 50 Euro – diese Maßnahme wird wohl bleiben.
Dietmar Stiplovsek

Pandemie hat Trend des bargeldlosen Bezahlens beschleunigt.

Seit der Corona-Krise zahlen immer mehr Menschen bargeldlos, statt mit Münzen oder Scheinen. Grund dafür ist die Sorge, dass sich Viren über das Geld verbreiten könnten. Das kontaktlose Zahlen ist im Trend – das zeigen jedenfalls die Zahlen, wie der Vorarlberger Bankensprecher Werner Böhler bestätigt. „Die Kassatransaktionen bei der Dornbirner Sparkasse sind im Jahresvergleich Juli 2019 zu Juli 2020 um circa 19 Prozent zurückgegangen. Jetzt sind sie zwar leicht rückläufig, wir gehen jedoch davon aus, dass das Niveau von ‚vor Covid-19‘ nicht mehr erreicht wird“, informiert Böhler.

Werner Böhler ist Vorstandsvorsitzender der Dornbirner Sparkasse und Bankensprecher.<br><span class="copyright">Matthias Rhomberg/Dornbirner Sparkasse</span>
Werner Böhler ist Vorstandsvorsitzender der Dornbirner Sparkasse und Bankensprecher.
Matthias Rhomberg/Dornbirner Sparkasse

Bei der Erhebung wurden neben allgemeinen Informationen die Entwicklungen in der Dornbirner Sparkasse Bank AG herangezogen. Die sich daraus ableitbare Tendenz dürfte repräsentativ für alle anderen Banken sein, meint der Experte.

50-Euro-Limit bleibt

Bereits Mitte April wurde das Limit für kontaktlose Zahlungen ohne Code bei Debitkarten auf 50 Euro angehoben. Mit der höheren Obergrenze beim Einkauf sollte die Ausbreitung des Coronavirus durch weitere Kontaktflächen reduziert werden. Diese Maßnahme wird laut Böhler voraussichtlich bleiben.

Apps und Telebanking

Auch die manuellen Überweisungen sind demnach weniger geworden. Die Nutzung von Apps und Telebanking steige an. „Gerade am Beginn der Coronakrise wurde von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen, dass nicht auszuschließen ist, dass durch Bezahlen mit Bargeld der Krankheitserreger übertragen werden könnte. Dadurch ist besonders dem kontaktlosen Bezahlen eine große Bedeutung zugekommen“, weiß Böhler. Auch verschiedene Statistiken haben die Zunahme der kontaktlosen Bezahlung durch Karten in den vergangenen Monaten bestätigen. Besonders auch das Zahlen mit dem Smartphone sei zunehmend beliebt.

Thema Sicherheit

Mal abgesehen von den hygienischen Gründen liegen die Vorteile von bargeldlosem Zahlungen in erster Linie in der Sicherheit. Wer keine großen Mengen an Bargeld bei sich hat, kann weder bestohlen werden noch etwas verlieren. Außerdem ist das Zahlen mit Karte oder Smartphone, bequem, schneller und modern. „Darüber hinaus ist der Verwendungszweck am Kontoauszug ersichtlich. Der Kunden kann nachvollziehen wofür er das Geld ausgegeben hat“, meint Böhler.

Kosten

Zwei Vorteile sind auch die geringere Kosten der Bargeldbeschaffung auf der einen und die reduzierten Kosten des Bargeldhandlings für Kreditinstitute auf der anderen Seite. Welche Kosten tatsächlich bei einer Kartenzahlung entstehen, ist je nach Kontomodell unterschiedlich. „Die Kosten sind oft in einem Kontenführungspauschale enthalten“, sagt der Bankensprecher.

Ältere Zielgruppe

Erwähnenswert ist wohl auch, dass sich vermehrt ältere Zielgruppen in der Coronakrise von den Vorteilen des bargeldlosen Zahlens überzeugen konnten. Einer Umfrage zufolge hat die Generation 55+ mittlerweile zu den jüngeren Altersgruppen aufgeschlossen. 17 Prozent der Befragten haben angegeben, ihre letzten Einkäufe ohne Bargeld beglichen zu haben, weitere 29 Prozent haben nur ein- bis zweimal zu Münzen und Scheinen gegriffen.

Eine Bargeld-Abschaffung wird nach Einschätzung von Böhler in den nächsten Jahren dennoch nicht erfolgen. In den deutschsprachigen Ländern würden die Menschen traditionell am Bargeld hängen. „Es sind auch psychologische Überlegungen zu berücksichtigen. Bargeld bedeutet für viele Sicherheit und Unabhängigkeit.

„Bitte zahlen Sie mit Karte!“

Sogar Kleinstbeträge beim Bäcker oder in der Traffik werden derzeit mit Karte gezahlt. Doch ist das rein kostentechnisch überhaupt sinnvoll oder zumutbar? Und ist es andererseits dem Händler überhaupt erlaubt auf kontaktloses Zahlen zu bestehen und Bargeld zu verweigern?

„Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel muss grundsätzlich immer angenommen werden“, weiß Julius Moosbrugger von der Sparte Handel der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Es ist jedoch akzeptierter Usus, dass Banknoten mit sehr hohem Ausgabewert für die Bezahlung von Kleinbeträgen bei täglichen Besorgungen aus Sicherheitsgründen vielfach nicht akzeptiert werden. „Auch bei Bezahlung mit Münzen wird man eine Grenze des Zumutbaren, sowohl für das Kassenpersonal als auch für zahlungswillige Kunden in der Warteschlange, anerkennen müssen“, ergänzt Moosbrugger.

Keine Pflicht bargeldlos anzubieten

Andersherum gibt es keine gesetzliche Verpflichtung für Unternehmer, bargeldlose Bezahlung anzubieten. „Besteht ein Bezahlterminal für bargeldlose Bezahlung, gibt es allerdings in der Regel grundsätzlich eine vertragliche Verpflichtung dem Anbieter des Bezahlsystems gegenüber, die Kartenzahlung auch zu akzeptieren“, meint der Experte.

“Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel muss grundsätzlich immer angenommen werden”

Julius Moosbrugger, Sparte Handel der Wirtschaftskammer Vorarlberg


„Grundsätzlich entstehen pro Bezahlvorgang für den Händler Kosten, daher wird Kartenzahlung für Kleinbeträge nicht überall akzeptiert, da die Kosten für die Bezahlung schnell höher sind als der Ertrag für den verkauften Artikel“, erläutert Moosbrugger.

Generell ist die Bezahlung mit Kreditkarte für den Händler deutlich teurer als mit Bankomatkarte, weshalb es oft unterschiedliche Handhabungen gibt.

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