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Wer lauert in der Uferzone?

15.08.2020 • 20:06 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Badegegäste teilen sich die Uferzone mit allerhand wilden Wasserbewohnern. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Badegegäste teilen sich die Uferzone mit allerhand wilden Wasserbewohnern. Dietmar Stiplovsek

Es kreucht und fleucht so einiges in hiesigen Badegewässern.

Derzeit suchen viele Vorarl­berger Abkühlung in hiesigen Seen. Die Uferzonen müssen sie sich nicht nur mit anderen Badegästen teilen, sondern auch mit zahlreichen Lebewesen, die unter der Wasseroberfläche kreuchen und fleuchen. Bei manchem Badegast bleibt stets ein ungutes Gefühl. Manche Wasserbewohner machen den Menschen sogar Angst. Der Aal wirkt unheimlich, immer wieder kursieren Geschichten, in denen Badegäste von Raubfischen wie Hecht oder Wels angegriffen werden.

Biologe Klaus Zimmermann weiß, mit wem es zu (­kritischen) Begegnungen kommen kann. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Biologe Klaus Zimmermann weiß, mit wem es zu (­kritischen) Begegnungen kommen kann. Klaus Hartinger

Sorge unbegründet

Aber die Sorgen sind unbegründet, verspricht Biologe Klaus Zimmermann. Komplett ausschließen lässt es sich dennoch nicht. Der folgende Überblick des Fachmanns soll etwas Klarheit ins trübe Wasser bringen.

Hecht. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Hecht. Shutterstock

Der Hecht

Der Hecht kommt in Vor­arlberg vor allem im Alten Rhein vor. Er ist der Sprinter unter den Süßwasserfischen. Er „haut“ am schnellsten zu und kann die Attacke nicht mehr abbrechen, auch wenn er merkt, dass es sich nicht um Beute, sondern um die Wade eines Schwimmers handelt. Sobald der Raubfisch gestartet ist, gibt es kein Zurück mehr. Auf dem Speiseplan des Hechts stehen andere Fische. Und noch einmal: ein fehlgeleiteter Hecht könnte zubeißen. Und zwar dann, wenn er irrtümlich nach einem Beutetier schnappt. Falls dieser unwahrscheinliche Fall eintritt, muss die Wunden, mit Antibiotikum behandelt werden. Denn bei einem Biss werden Keime transportiert.

Wels. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Wels. Shutterstock

Der Wels

Der in hiesigen Gewässern vorkommende Wels wird bis zu zwei Metern groß. Der bisher größte Fang lag bei 2,74 Metern. Der Wels hat lediglich „Raspelzähne“ zum Festhalten der Beute, die er dann komplett verschlingt. Vielmehr als Hautverletzungen könnten also bei einer „Begegnung“ nicht entstehen.

Der Wels braucht Platz, kommt aber auch in den Badezonen am alten Rhein vor. Dort wurde er teilweise eingesetzt. Mangelnde Konkurrenz des Raubfischs führte dazu, dass dieser relativ groß wurden. Der Wels braucht viel Nahrung und somit wurde er wiederum zu Konkurrent für Angler. Besonders große Exemplare wurden daher herausgenommen und nicht nachbesetzt.

Der Wels gehört von jeher auch in den Bodensee. Dem Fischen kommt offenbar das „saubere“ Wasser zugute und er fühlt sich auch in wärmeren Gewässern wohl. Deswegen erreicht er mitunter beachtliche Größen. Der Wels frisst neben anderen Fischen auch junge Wasservögel von der Wasseroberfläche.

Karpfen. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Karpfen. Shutterstock

Der Karpfen

Der Karpfen ist kein Raubfisch und kommt im Bodensee sowie stehenden wärmeren Gewässern vor. Baggerseen sind typisches Territorium für Karpfen. Eine gefährliche Begegnung mit dem Fisch ist äußerst unwahrscheinlich – der Karpfen völlig harmlos. Obwohl Zimmermann sich an einen Fall erinnert, bei dem ein Kollege im seichten Gewässer von einem aufgeschreckten Karpfen gerammt wurde und durch die Wucht des zehn Kilogramm Fischs umfiel. Karpfen fressen Kleintiere wie Schnecken und Muscheln sowie pflanzliches Material.

Zander. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Zander. Shutterstock

Der Zander

Der Zander ist wie Wels und Hecht ein Raubfisch. Allerdings ist er seltener und kommt weit weniger im Uferbereich und Badezonen vor. Zwischenfälle mit Zandern gibt es praktisch nicht. Der Zander hat jedoch Stacheln auf der Rückenflosse. Wer sich etwa beim Angeln sticht, wird dadurch Bakterien unter der Haut haben. Das führt zu eitrigen Entzündungen.
Ausgehend von seiner Anatomie bevorzugt der Zander kleinere Fische. Das Maul ist nämlich weitaus kleiner als jenes von Hecht oder Wels.

Ringelnatter.<span class="copyright"> Shutterstock</span>
Ringelnatter. Shutterstock

Die Ringelnatter

Die Ringelnatter ist hierzulande die häufigste Schlange. Ihr Lebensraum erstreckt sich von der Talsohle bis in hohe Gefilde. Sie wird oft als Wasserschlange bezeichnet, weil man sie häufig im Wasser findet. Sie kann gut schwimmen und jagt im Nass nach Fischen und Fröschen. Ihre Beute schluckt die Schlange mehr oder wenig lebendig runter.

Gewässer wie der Bodensee, Baggerseen bis hin zum kleinen Gartenbiotop sind bei Ringelnattern besonders beliebt. Die Männchen werden etwa 80 Zentimeter lang, die Weibchen bis zu 1,30 Meter.

Bei einer Begegnung ist der erste Reflex der Ringelnatter: Flucht. Die Schlangen beißen grundsätzlich nicht zu, sie haben andere Abwehrmechanismen. Wenn man ihr zu Nahe kommt und die Natter nicht flüchten kann, stellt sie sich tot. Sie dreht sich auf den Rücke, lässt die Zunge heraushängen und rührt sich nicht. Sollte diese Strategie nicht funktionieren, sondert die Ringelnatter aus einer Drüse ein weißes Sekret ab. Dieses stinkt äußerst intensiv und lässt sich nur mit Mühe entfernen. Sollte auch dieser Abwehrreflex nicht fruchten, startet die Schlange Scheinangriffe. Sie tut als würde sie zubeißen, öffnet aber ihr Maul nicht. Ein Zischen und Fauchen ist zu hören. Für den Menschen ist die Ringelnatter völlig ungefährlich.

Krebs. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Krebs. Shutterstock

Der Flusskrebs

Krebse gibt es in hiesigen Gewässern viele. Und der Krebs kann natürlich mit den Scheren zwicken. Das kann schmerzt, ist aber harmlos. Die Scheren sind Festhalte- und Abwehrwerkzeuge und keine Zähne. Daher ist die Verkeimung nicht sonderlich schlimm. Es gibt hierzulande Orte, wo der Flusskrebs vorkommt. Die wenigen Standorte werden nicht genannt, da der heimische Edelkrebs geschützt ist.

Der hiesige Flusskrebs wurde durch anderen Arten zurückgedrängt. Der amerikanische Signalkrebs brachte etwa die Krebspest mit, wogegen er selbst immun ist. Der sogenannte Kamberkrebs hat sich vor einigen Jahren explosionsartig vermehrt. Mittlerweile hat sich der Bestand eingependelt. Der Flusskrebs erreicht Größen von 15 bis 20 Zentimetern.

Aal. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Aal. Shutterstock

Der Aal

Mit dem Aal dürften lediglich Angler Berührungspunkte haben. Der Aal kann zuschnappen, hat jedoch keine Zähne. Der schlangenförmige Fisch hat es einst geschafft, den Rheinfall hinauf zu schwimmen. Somit gab es ein natürliches Vorkommen im Bodensee. Mittlerweile sind die Aale vorwiegend eingesetzt.

Der Fisch hat einen außergewöhnlichen Lebenszyklus und wandert von der Sargassosee im Atlantik rauf zu den Flussmündungen in Europa – dafür braucht er vier Jahre. Er zieht die Flüsse hoch und landet in diesem Fall im Bodensee. Ist er geschlechtsreif, verändert er seine Optik, bekommt größere Augen und eine hellere Haut und wandert zur Fortpflanzung zurück in die Sargassosee. Der Aal frisst Kleintiere aber auch frisches Aas, zum Teil jagt er lebende Fische.

Unsichtbare Bewohner

Neben den großen Wasserbewohnern sind da noch die winzigen, mit dem bloßen Augen nicht erkennbaren Wesen, die Ärger bereiten könnten. Wenn juckende Pusteln auf der Haut auftreten, könnten Zerkarien schuld. Das Auftreten der Parasiten hängt mit der Wasserqualität zusammen – Stichwort Vogelkot. Doch die heimischen Gewässer werden immer sauberer. Das könnte sich höchstens mit einer langfristigen Erwärmung der Wassertemperaturen ändern.

Momentan hat jedoch beispielsweise der Bodensee mehr oder weniger Trinkwasserqualität – ungefiltert.

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