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Haller: “Entlassung war ein Fehler”

18.08.2020 • 18:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Prozess am Landesgericht Feldkirch. <span class="copyright">Symbolfoto/Hartinger</span>
Prozess am Landesgericht Feldkirch. Symbolfoto/Hartinger

Psychisch Kranker leistet Widerstand gegen Polizisten.

Gott hat mir befohlen, sie zu töten“, sagte der schizophrene Unterländer und verwies auf eine innere Stimme. „Aber ich mache es nicht.“ Deshalb habe er den schweren Stein dann doch nicht auf seine Freundin geworfen. Gerichtspsychiater Reinhard Haller sprach von „großem Glück“. Auf sein Gutachten stützte sich das Landesgericht Feldkirch bei seinem Urteil im Jahr 2011: Der Betroffene wurde vor neun Jahren in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.
Weil er in den fünf Jahren danach keine Straftaten mehr begangen habe, sei der Frühpensionist dann in die Freiheit entlassen worden. Das sei ein Fehler gewesen, sagte Haller beim nunmehrigen Prozess am Landesgericht. Denn hernach habe der medizinisch nicht mehr beaufsichtigte Mann wiederum Straftaten verübt.
So auch am 21. August 2019 in Dornbirn, als der 43-Jährige sich nach den gerichtlichen Feststellungen mit Gewalt dagegen wehrte, von der Dornbirner Stadtpolizei auf die Dienststelle gebracht zu werden. Wäre er zurechnungsfähig gewesen, wäre der Unterländer wegen versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt und schwerer Körperverletzung verurteilt worden. Weil er nach Ansicht des Schöffensenats wegen seiner Schizophrenie zurechnungsunfähig war und gefährlich ist, wurde der psychisch Kranke jetzt neuerlich in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Gerichtspsychiater Reinhard Haller. <span class="copyright">Hartinger</span>
Gerichtspsychiater Reinhard Haller. Hartinger

Erste Verhandlung abgebrochen

Die erste Verhandlung im Juni wurde vorzeitig abgebrochen, weil der Betroffene offenbar akut psychotisch und im Gerichtssaal dementsprechend verhaltensauffällig war. Der 43-Jährige wurde daraufhin vorläufig zwangsweise in der psychiatrischen Abteilung des Landeskrankenhauses Rankweil untergebracht. Dort wurde er medizinisch derart gut versorgt, dass die Vorsitzende des Schöffensenats beim zweiten Verhandlungstermin einige Wochen später über den vergleichsweise guten Gesundheitszustand des Betroffenen erstaunt war. Nach den Empfehlungen des psychiatrischen Gerichtsgutachters wird der 43-Jährige noch rund drei Monate in der geschlossenen psychiatrischen Spitalsabteilung bleiben müssen. Danach wird die unbedingte Einweisung voraussichtlich in eine bedingte umgewandelt: Wenn sich der Kranke an bestimmte Auflagen hält, wird er zuerst in eine betreute Wohngemeinschaft überstellt und irgendwann wohl wieder in die Freiheit entlassen werden.

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