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Gebeutelte Branche blickt nach vorne

24.08.2020 • 20:07 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Genug Platz für alle: Die Strände von Mallorca sind heuer nicht überfüllt.<br><span class="copyright">REUTERS/Enrique Calvo</span>
Genug Platz für alle: Die Strände von Mallorca sind heuer nicht überfüllt.
REUTERS/Enrique Calvo

Heimische Reisebranche blick positiv in die Zukunft.

Ausbleibende Buchungen, annullierte Flüge, verwaiste Hotelanlagen: Die Reisebranche ist eine der durch die Covid-19-Pandemie am stärk­sten gebeutelten Sparten. Im Zuge der weltweiten Lockdowns im Frühjahr 2020 kam sie wie viele andere Lebens- und Wirtschaftsbereiche beinahe gänzlich zum Erliegen. Diverse Lockerungsmaßnahmen sorgten im Frühsommer für eine Phase des Aufschwungs. Doch dass diese nicht lange angehalten hat, zeigt ein NEUE-Rundruf unter Branchenvertretern am gestrigen Montag. Vorweg: Der heurige Reisesommer bietet ein düsteres Bild.

Michael Nachbaur hofft, dass die Flüge nach Sardinien noch durchgeführ werden können. <br><span class="copyright">AP Photo/Karl A.Ritter</span>
Michael Nachbaur hofft, dass die Flüge nach Sardinien noch durchgeführ werden können.
AP Photo/Karl A.Ritter

Abgeschlossen

So erklärt Michael Nachbaur, Geschäftsführer bei High Life Reisen in Götzis, auf Anfrage: „Der Umsatzrückgang für das heurige Jahr liegt für unser Unternehmen im Vergleich zu 2019 bei derzeit rund 75 Prozent. Intern haben wir daher bereits jetzt mit 2020 abgeschlossen und konzentrieren uns auf die Planungen für die kommenden Jahre“, so Nachbaur.

Wir Reisebüros verdienen erst etwas, wenn die Reise auch wirklich durchgeführt worden ist.

Michael Nachbaur, Geschäftsführer High Life Reisen

Nachbaur hofft derzeit, dass wenigstens noch die geplanten Reisen nach Sardinien durchgeführt werden können. Angebote nach Kroatien und Mallorca wurden aufgrund steigender Infektionszahlen bereits vor der nun für die Regionen ausgesprochenen Reisewarnung Öster­reichs storniert. Nachbaur weiter: „Die vergangenen Wochen waren sehr intensiv. Zuerst wurden Corona-bedingt viele Reisen vom Frühjahr in den Herbst verlegt und schluss­endlich mussten wir Tausende kostenlos stornieren.“ Damit das Unternehmen jedoch heuer finanziell nicht gänzlich durch die Finger schaut, seien die Kunden gebeten worden, sich mit einer kleinen Bearbeitungsgebühr an den Stornierungskosten zu beteiligen. „Wir Reisebüros verdienen erst etwas, wenn die Reise auch wirklich durchgeführt worden ist. Ist das nicht der Fall, haben wir monatelang kostenlos gearbeitet“, zeigt der Geschäftsführer auf. Die Bearbeitungsgebühr sei vonseiten der Kunden auf breite Akzeptanz gestoßen. Wohl auch deswegen, weil die Mitarbeiter von High Life Reisen während der Krise viel Wert auf persönlichen Kontakt und engmaschige Beratung der Urlauber gesetzt haben. „Wir haben nicht nur E-Mails verschickt, sondern immer wieder auch in Form persönlicher Telefongespräche informiert“, zeigt Nachbaur auf, der in diesem Zusammenhang betont, dass viele der ­ursprünglich heuer geplanten Reisen auf das kommende Jahr umgebucht worden seien. „Somit haben wir für das kommende Jahr einen Vorausbuchungsstand, wie wir ihn noch nie gehabt haben.“

Gähnende Leere in Palma. <span class="copyright">AP Photo/Joan Mateu</span>
Gähnende Leere in Palma. AP Photo/Joan Mateu

Neue Unterkünfte

Wen das Fernweh heuer indes trotz Corona nicht zu Hause hält, kann so manche Urlaubsdestination von einer anderen Seite kennenlernen. Patrick Moosmann, Geschäftsführer vom Reisebüro Sunshine Tours und 5 vor 12 reisen in Feldkirch und derzeit beruflich auf der größten Balearen-Insel, berichtet: „Mallorca ist derzeit so schön, wie ich es noch nie gesehen habe. Das liegt daran, dass derzeit kaum Touristen auf der Insel sind.“ Noch bis kommenden Donnerstag wird der Reisefachmann auf dem beliebten Eiland sein. Dort sieht sich Moosmann nach neuen Partnern um. Denn im kommenden Jahr möchte das Feldkircher Reisebüro nicht mehr auf Massentourismus setzen, sondern auf kleine Privatunterkünfte.

Nicht alle Urlauber würden trotz Reisewarnung ihren Urlaub abbrechen. <span class="copyright">JAIME REINA / AFP</span>
Nicht alle Urlauber würden trotz Reisewarnung ihren Urlaub abbrechen. JAIME REINA / AFP

Wie aber reagieren die Urlauber, wenn über ihre Feriendestination eine Reisewarnung ausgesprochen wird? „Die meisten unserer Kunden beenden trotz Reisewarnung ihren Urlaub. Es ist nicht dramatisch, sondern im Prinzip einfach: Man fliegt zurück, macht nach der Rückkehr einen Covid-19-Test und ist bis zum hoffentlich negativen Test­ergebnis ein bis zwei Tage in Quarantäne“, sieht Moosmann die derzeitige Situation nüchtern.

Im Prinzip ist es ganz einfach: Man fliegt zurück, macht einen Covid-19-Test und ist bis zum hoffentlich negativen Testergebnis in Quarantäne.

Patrick Moosmann, Geschäftsführer 5 vor 12 Reisen

Auch wenn Patrick Moos­mann seinen Optimismus nicht verloren hat und positiv Richtung Zukunft blickt: Auch seine Bilanz für das heurige Jahr fällt sehr ernüchternd aus: „Der Sommer ist sehr, sehr schleppend verlaufen. Die Buchungszahlen sind zwar nicht katastrophal, aber auch nicht weit davon entfernt. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Umsatz meines Unternehmens um 80 bis 90 Prozent zurückgegangen“, so Moosmann.

Für Zypern gibt es derzeit noch keine Reisewarnung. <span class="copyright">AP Photo/Petros Karadjias</span>
Für Zypern gibt es derzeit noch keine Reisewarnung. AP Photo/Petros Karadjias

Sichere Destinationen

Trotz allem gibt es aber auch noch Destinationen, für die vonseiten Österreichs noch keine Reisewarnung ausgesprochen wurde. Dazu zählen gemäß Klaus Herburger von Herburger Reisen in Dornbirn Griechenland, Zypern oder etwa die kanarischen Inseln. Herburger: „Wir hoffen, dass es bald wieder besser wird. Denn momentan ist es sicherlich eine größere Katastrophe für die Reisebranche.“
Auch wenn die Reiselust derzeit gebremst ist, die Leute zieht es trotz Corona-Krise in die Ferne. Herburger berichtet: „Die Menschen wollen reisen. Sie wollen dabei aber dort hin, wo sie sich sicher fühlen. Etwa haben wir für eine Flusskreuzfahrt auf der Donau innerhalb kürzester Zeit 50 Anmeldungen erhalten. Von uns angebotene Radreisen laufen ebenfalls sehr gut. Dafür besteht eine hohe Nachfrage.“

Neubuchungen

Dass trotz Pandemie manche Menschen auf einen Urlaub am Meer nicht verzichten wollen, bestätigt indes Thomas Brandl von Rhomberg Reisen in Dornbirn: „Gerade für die von uns angebotenen Destinationen Korsika und Griechenland verzeichnen wir für heuer sogar noch Neubuchungen. Das ist sehr erfreulich.“ Vielleicht auch deshalb, weil „diese Destinationen bisher in Hinsicht auf Corona sehr sichere Reiseziele sind“, wie Brandl erklärt.

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