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Weil es schade ums Holz ist

27.08.2020 • 06:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Hintergrund von links: Walter Amann (Obmann Vorarlberger Waldverein), Katharina Kleiter (Kuratorische Assistenz, Werkraum Bregenzerwald) und Johannes Mohr (Mohr Polster, Andelsbuch).<span class="copyright">Philipp Steurer</span>
Im Hintergrund von links: Walter Amann (Obmann Vorarlberger Waldverein), Katharina Kleiter (Kuratorische Assistenz, Werkraum Bregenzerwald) und Johannes Mohr (Mohr Polster, Andelsbuch).Philipp Steurer

„Edition Sommerfrische“ macht auf Schadholzproblematik aufmerksam.

Das Problem ist kein neues. Die heimische Waldbewirtschaftung leidet massiv unter dem Klimawandel. Extreme Wetterereignisse wie Trockenperioden, Starkregen oder Stürme setzen den heimischen Wäldern zu. Lebensbedingungen für Schädlinge wie Borkenkäfer werden begünstigt. Eine schnelle und aufwendige Waldpflege, um das Schadholz zu beseitigen, ist längst zur Normalität geworden.

Obwohl die Borkenkäferproblematik heuer etwas eingedämmt ist – durch genügend Niederschläge – sind die Preise am hiesigen Holzmarkt so schlecht wie nie, sagte Thomas Ölz, Leiter der Forstabteilung der Landwirtschaftskammer am Mittwoch bei einem Pressegespräch. Mitunter liegt das auch an der Corona-Krise, welche offensichtlich jede Branche gebeutelt hat.

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Philipp Steurer

Werkraum Andelsbuch

Die Auswirkungen der Pandemie hat auch der Werk­raum in Andelsbuch gespürt, berichtete Kuratorin Katharina Kleiter. Das Gelände hinter dem Gebäude fristete lange ein ödes Dasein und bot lediglich Fläche zum Parken anstatt bespielt zu werden. Eine Idee für den Sommer musste her und so hat sich der Außenbereich zur Outdoorwerkstatt und zum Ausstellungsraum spezieller Holzmöbel gewandelt.

Die Möbel werden für einen guten Zweck versteigert.<span class="copyright">Philipp Steurer</span>
Die Möbel werden für einen guten Zweck versteigert.Philipp Steurer

Immer Freitag wird unter dem Titel „Ansägen“ gewerkelt. Aus besagtem Schadholz werden mit grobem Gerät Möbel gesägt, gebaut und gestaltet. Unterstützt wird die „Edition Sommerfrische“ vom Vorarlberger Waldverein. Dieser liefert den Rohstoff. Die Möbel werden am Ende für einen guten Zweck versteigert, das restliche Holz zu Hackschnitzel verarbeitet und verkauft.

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Die Kooperation von Werkraum, Mohr Polster und Waldverein ist eine Win-Win-Situation. Denn auch der Waldverein leidet unter der Krise. „Es finden keine Veranstaltungen statt, die Schadholzproblematik rückt in den Hintergrund“, erläuterte Obmann Walter Amann. Die Waldbesitzer stünden mit dem Rücken zur Wand, weil sie keine kostendeckende Pflege betreiben könnten.

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Borkenkäfer-Problematik

Der Schadholzanteil liegt laut Thomas Ölz derzeit bei etwa 50 Prozent. Ein Teil davon wurde durch Schnee- und Windwurf verursacht, der andere durch Borkenkäfer. „Kupferstecher“ und „Buchdrucker“ befallen Fichten. Bisher haben die Höhenlagen den Schädling im Zaum gehalten. Der Käfer fliegt erst ab 16 Grad Celsius, durch den Temperaturanstieg wandert er in immer höhere Gefilde. Und je trockener die Witterung und je höher die Temperaturen, des­to mehr Generationen entstehen, die Population explodiert regelrecht.

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„Erste Anzeichen für einen Befall sind gelbe Nadeln und Harzaustritt“, erklärte Amann. Stirbt die Fichte ab, bekommt das Holz einen Blaustich, auf die Statik hat der Befall keinen Einfluss. Dennoch wird das Holz als schadhaft eingestuft.

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Forderung nach Förderung

Im Rahmen des Pressegeprächs wies Amann einmal mehr auf die Bedeutung von Holz also CO2-Speicher in Bezug auf den Klimaschutz hin. Schon lange fordert der Waldverein Förderungen für Holz-Häuslebauer. Auch im öffentlichen Bau müsse der natürliche Rohstoff viel mehr zum Einsatz kommen, appellierte der Obmann.

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Edition Sommerfrische

„Ansägen“
Diesen und nächsten Freitag (17 bis 22 Uhr) und Samstag (10 bis 18 Uhr).
Mitglieder des Werkraums und Geübte können Möbel für den Außenbereich bauen. Eine eigene Motorsäge und Schutzkleidung sind Voraussetzung.
Parallel zum Gewerke gibt es Musik und kulinarische Köstlichkeiten.

www.werkraum.at

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