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Lauterach: Schwäne wurden abgeschossen

31.08.2020 • 21:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Klaus Hartinger

BH Bregenz gab Abschussgenehmigung für zwei Jungschwäne am Jannersee.


Eine Familie Höckerschwäne hat am Jannersee im Lauteracher Ried ihr Zuhause gefunden. Die sechs Tiere, Eltern samt vier Jungschwänen, passen wunderbar in das neu-geschaffene Idyll. So weit, so unspektakulär. Hätten nicht aufmerksame Beobachter festgestellt, dass sich die Anzahl der Jungschwäne in den vergangenen Tagen von vier auf zwei dezimiert hat. Schnell ging in sozialen Medien das Gerücht um, die Schwäne wären zum Abschuss freigegeben worden. Es wurde wild spekuliert, die NEUE bringt nun Licht in die Angelegenheit.

Es waren vier Jungtiere - nun sind es nur noch zwei. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Es waren vier Jungtiere - nun sind es nur noch zwei. Klaus Hartinger

BH erteilt Genehmigung

Es ist tatsächlich so, dass zwei der vier jungen Höckerschwäne abgeschossen wurden. Die Bezirkshauptmannschaft Bregenz als zuständige Behörde hat die Abschussgenehmigung erteilt.

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„Zunächst gilt festzuhalten, dass Höckerschwäne nach dem Vorarlberger Jagdgesetz jagdbares Wild sind und eine Schusszeit haben“, erklärt der zuständige BH-Mitarbeiter Michael Metzler. Der Beamte teilt auch mit, dass der Abschuss von Höckerschwänen keine besondere Geschichte wäre. Im Rheindelta oder am Bodensee würde das laufend vorkommen. Der Grund ist, dass die Tiere landwirtschaftliche Weideflächen vollkoten und nach Aussage Metzlers war das auch am Jannersee der Fall. „Diese Tiere hinterlassen einiges an Kot und das Gras ist für die Landwirte dann nicht mehr nutzbar. Außerdem fressen auch die Kühe das kontaminierte Gras“, erklärt Metzler.

Ein Landwirt und Badegäste haben sich über die Schwäne beschwert.

Michael Metzler, BH Bregenz

Der Abschuss der beiden Jungschwäne im Lauteracher Ried wurde auf Basis zweier unterschiedlicher Beschwerden genehmigt. Zum einen aufgrund der Beschwerde eines Landwirtes, der sein Feld in unmittelbarer Nähe zum Nistplatz der Schwäne hat. Zum anderen hätten laut der BH Bregenz Badegäste über das aggressive Verhalten der Schwäne reklamiert. Aus diesem Grund seien die Verantwortlichen der Auffassung gewesen, es wäre notwendig, „zwei Jungschwäne wegzunehmen“, wie es Metzler formuliert.

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Unverständnis beim Bürgermeister

Für Unverständnis sorgt der Abschuss, aber auch die Vorgehensweise, nicht nur bei zahlreichen Badegästen, sondern auch bei Lauterachs Bürgermeister Elmar Rhomberg. „Es war für mich schon sehr verwunderlich, als ich davon erfahren habe. Die Vorgehensweise ist äußerst unsensibel. Es mag schon sein, dass dies am Bodensee öfter gemacht werden muss, aber an diesem kleinen Badesee muss das nicht sein. Es handelt sich hierbei schließlich nur um sechs Tiere“, sagt Rhomberg und führt weiter an: „Die BH muss die Gemeinde Lauterach nicht darüber informieren, aber bei so einer Geschichte hätte ich mir schon erwartet, dass es einen Anruf gibt und vielleicht auch die Frage gestellt wird, wie wir dieses Problem lösen können.“

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Zumal die Schwäne eigentlich auf dem Grundstück der Gemeinde nisten. Allerdings kann Rhomberg natürlich nicht ausschließen, dass sich die Tiere auch auf den umliegenden landwirtschaftlichen Flächen aufhalten.

„Heiße Kartoffel“

Zwar kann der Bürgermeister der Bezirkshauptmannschaft keine Weisung erteilen, mit der Lauteracher Jägerschaft hat er aber gesprochen. Sollte nochmals eine Abschussgenehmigung ausgestellt werden, erwartet sich Rhomberg, dass er vorher informiert wird, um dagegen vorzugehen.

Allerdings ist mit einer solchen Weisung der BH in nächs­ter Zeit nicht zu rechnen. Die Beamten haben registriert, dass der Abschuss auf Social Media hohe Wellen geschlagen hat, was zu einem Umdenken geführt haben dürfte. „Theoretisch kann schon auch noch eine Abschussgenehmigung für weitere Tiere ausgestellt werden, sofern es nötig wäre. Allerdings gab es in diesem Fall eine ziemliche Aufregung. Wir werden diese heiße Kartoffel vorerst ruhen lassen“, lässt Metzler wissen.

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