Allgemein

Rauch: Projekt „S-Bahn“ gestorben

31.08.2020 • 19:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Hartinger </span>
Hartinger

Liechtensteiner gegen S-Bahn-Ausbau. Landesrat enttäuscht.

Eine deutliche Absage haben die Liechtensteiner Stimmbürger dem geplanten S-Bahn-Ausbau erteilt. 62,3 Prozent der teilnehmenden Bürger sprachen sich bei der Abstimmung am Sonntag gegen das Projekt aus. Kernstück des Vorhabens wäre der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke zwischen Tisis und Nendeln gewesen. Auch zahlreiche Haltestellen in Vorarlberg und Liechtenstein hätten modernisiert werden sollen. Geplant war auch die Einführung eines Halbstunden-Takts zwischen Feldkirch und Buchs im Kanton St. Gallen. Bei der Abstimmung war es darum gegangen, ob das Fürstentum einen Kredit in Höhe von 71,3 Millionen Franken für die Umsetzung des Projekts aufnehmen soll.

Entscheidung zur Kenntnis nehmen

Der in Vorarlberg für den öffentlichen Verkehr zuständige Landesrat Johannes Rauch (Grüne) zeigte sich am Sonntag enttäuscht über den Ausgang der Abstimmung. Er habe sich ein anderes Ergebnis gewünscht, teilte er noch am Sonntag in einer Aussendung als erste Reaktion mit. Allerdings müsse die Entscheidung der Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner zu Kenntnis genommen werden.

Landesrat Johannes Rauch ist enttäuscht über den Ausgang der Abstimmung. <span class="copyright">Hartinger</span>
Landesrat Johannes Rauch ist enttäuscht über den Ausgang der Abstimmung. Hartinger

Das „Nein“ der Stimmbürger sei keine gute Nachricht für Tausende Pendler aus Vorarlberg und der Schweiz, die im Fürstentum arbeiten, meinte der Landesrat. Das Straßennetz sei zu Stoßzeiten bereits jetzt vielerorts überlastet. Durch die Staus, den Lärm und die Schadstoffemissionen leide auch die Lebens- und Wohnqualität vieler Anrainer. Gleichzeitig entwickle sich die Wirtschaft weiter dynamisch. Für Rauch ist daher klar: „Ein leistungsfähiger öffentlicher Verkehr ist in einer Region wie dem Rheintal eine Notwendigkeit, um unsere hohe Lebensqualität in Liechtenstein, der Schweiz und Vorarlberg auch in der Zukunft erhalten zu können.“

Nicht durch die Hintertüre

Das Projekt „S-Bahn Liechtenstein“ ist aus Sicht des Landesrates „in dieser Form“ gestorben, wie er am Montag gegenüber der NEUE erklärte. Man könne dieses nach dem klaren Abstimmungsergebnis nicht durch die Hintertüre umsetzen. Nun gehe es in einem ersten Schritt darum, herauszuarbeiten, was dies nun für Vorarlberg bedeute. Dabei gehe es um Fragen wie etwa nach der Instandhaltung der Strecke oder auch die Fahrplangestaltung.

Das Projekt ist in dieser Form gestorben

Landesrat Johannes Rauch

Im Fürstentum werde sich nun auch die Frage stellen, welche Alternativen es zum Ausbau der S-Bahn gibt. Schließlich sei diese eine tragende Säule im Liechtensteiner Mobilitätskonzept gewesen. Auch im Agglomerationsprogramm mit der benachbarten Schweizer Region Werdenberg spielte die Eisenbahn eine bedeutende Rolle. Im Rahmen der Agglomerationsprogramme werden seitens des Schweizer Bundes auch Fördermittel für Projekte in der überregionalen Zusammenarbeit vergeben. Daniel Gut, Stadtpräsident von Buchs und Präsident des Vereins Agglomeration Werdenberg-Liechtenstein, hatte daher im Vorfeld der Abstimmung davor gewarnt, dass ein „Nein“ zur S-Bahn sich auch negativ auf das Agglomerationsprogramm auswirken könnte.

Weiter Austausch suchen

Liechtensteins stellvertretender Regierungschef Daniel Risch, der unter anderem für die Infrastruktur zuständig ist, zeigte sich nach der Abstimmung gegenüber der Tageszeitung „Vaterland“ enttäuscht über das Ergebnis. Das Mobilitätskonzept werde aber auch ohne den S-Bahn-Ausbau weiter verfolgt. Risch betonte jedoch, dass er weiterhin den Austausch mit den Verantwortlichen in Österreich und der Schweiz suchen wolle, um gemeinsam nach einer Lösung für das Verkehrsproblem zu suchen.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.