Allgemein

Kürzere Haft für Messer-Täter

03.09.2020 • 19:04 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Oberlandesgericht setzte die am Landesgericht Feldkirch festgesetzte Strafe herab. <span class="copyright">Hartinger</span>
Oberlandesgericht setzte die am Landesgericht Feldkirch festgesetzte Strafe herab. Hartinger

Nach Bluttat in Bregenz: Schmerzengeldzahlungen an Opfer.

Vier Geschworene werteten die nächtliche Messerattacke vom 23. August 2019 auf dem Parkplatz der Hypobank in der Bregenzer Montfortstraße im Sinne der Anklage als versuchten Mord. Die anderen vier Laienrichter hingegen beurteilten die drei Messerstiche in den linken Oberbauch, den rechten Unterarm und das Gesäß des 45-jährigen Türken nicht als versuchte vorsätzliche Tötung.
Bei Stimmengleichstand fiel die Entscheidung beim Schwurgerichtsprozess im Juni am Landesgericht Feldkirch automatisch zugunsten des Erstangeklagten aus. Deshalb wurde der 21-jährige Messerstecher lediglich wegen absichtlich schwerer Körperverletzung schuldig gesprochen. Dafür wurde der zur Tatzeit 20-jährige Türke, der mit vier Vorstrafen belastet war, in erster Instanz zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.

Drei Monate weniger

erufungsverhandlung am Donnerstag am Innsbrucker Oberlandesgericht wurde die Freiheitsstrafe mit vier Jahren und neun Monaten rechtskräftig festgesetzt. Das teilte auf Anfrage Thomas Schirhakl von der Innsbrucker Oberstaatsanwaltschaft (OStA) mit. Die Sanktion sei um drei Monate verringert worden, weil der Erst­angeklagte inzwischen eine weitere Schmerzengeldzahlung geleistet habe, sagte der Behördensprecher. Der Strafrahmen für den jungen Erwachsenen betrug null bis zehn Jahre Haft. Für versuchten Mord hätte sich die Strafdrohung für ihn auf ein bis 15 Jahre Gefängnis belaufen.

Kein versuchter Mord

Im Falle des mitangeklagten 50-Jährigen stimmte keiner der acht Feldkircher Geschworenen für den angeklagten Beitrag zum versuchten Mord. Der Zweitangeklagte hatte sein Klappmesser am Tatort dem Erstangeklagten übergeben, der damit zustach. Als Beitragstäter zur absichtlich schweren Körperverletzung wurde über den neunfach vorbestraften Türken in Feldkirch eine Zusatzstrafe von sechs Jahren und acht Monaten Gefängnis verhängt. Die OLG-Berufungsrichter setzten die Sanktion um sechs Monate herab, weil auch der Zweitangeklagte dem Opfer mittlerweile zusätzliches Schmerzengeld bezahlt hat. Damit beträgt die rechtskräftige Strafe für den Zweitangeklagten sechs Jahre und zwei Monate Gefängnis. Für Erwachsene sieht das Strafgesetzbuch ein bis zehn Jahre Haft vor. Versuchter Mord wäre mit 10 bis 20 Jahren oder lebenslänglicher Haft geahndet worden.

Die Staatsanwaltschaft Feldkirch akzeptierte die nur wegen absichtlich schwerer Körperverletzung ergangenen Schuldsprüche.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.