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Bregenz: Ein Zweikampf um das Rathaus

13.09.2020 • 20:14 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Es kommt zur Stichwahl zwischen Bürgermeister Linhart und Ritsch.

Es sah zwischenzeitlich enger aus, als es am Ende war. Nach der Auszählung von 20 der 29 Wahlsprengel in Bregenz waren Bürgermeister Markus Linhart (ÖVP) und sein Herausforderer Michael Ritsch (Team Bregenz) praktisch gleichauf. Lediglich zwei Prozent (Linhart 41, Ritsch 39) trennten die beiden. Doch die finalen neun Sprengel schlugen zugunsten des amtierenden Bürgermeisters aus und am Ende waren es 8,72 Prozent, die der ÖVP-Chef vor dem Sozialdemokraten lag. Dies ändert jedoch nichts an dem Umstand, dass es in der Landeshauptstadt in zwei Wochen zu einer Stichwahl kommen wird. Markus Linhart hatte bereits bei der Stimmabgabe in Bregenz mit einer solchen gerechnet, für Ritsch war es das erklärte Ziel, in diese zu kommen.

„Es geht jetzt in die nächste Runde und ich bin überzeugt, dass der Souverän die richtige Wahl treffen wird. Ich wünsche mir, dass es uns noch besser als bisher gelingt, die Menschen zu überzeugen, dass wir mit ganz viel Herz für unsere Stadt arbeiten“, erklärte Linhart. Durchaus euphorisiert präsentierte sich Ritsch. Das Ergebnis sei über den Erwartungen. „So ein Ergebnis hätte ich mir gewünscht, denn acht Prozent sind locker aufzuholen. Wir werden jetzt zwei Wochen rund um die Uhr kämpfen und die Wähler haben die Chance, die Zukunft zu wählen oder einmal mehr die Vergangenheit bekommen“, sagte der Sozialdemokrat.

Stichwahl wie 2005

Rein strategisch wollen die beiden Kontrahenten in den kommenden zwei Wochen nichts ändern. Im Wahlkampf war deutlich, dass Ritsch vor allem im Bereich der Plakatwerbung deutlich präsenter war als der amtierende Stadtchef. „Ich habe im Vorfeld alle Fraktionen gebeten, sich in Zurückhaltung zu üben und auf die Wahlwerbung im öffentlichen Raum zu verzichten. Dem sind auch alle nachgekommen bis auf den Kollegen Ritsch. Das ist schade, aber zu akzeptieren“, konnte sich Linhart einen Seitenhieb auf den Herausforderer nicht verkneifen.
Bereits 2005 standen sich Ritsch und Linhart in einer Stichwahl gegenüber, die konnte der ÖVP-Stadtchef für sich entscheiden.

„Zeit noch nicht reif“.

Die anderen drei Kandidaten, Vizebürgermeisterin Sandra Schoch (Grüne), Philipp Kuner (FPÖ) und Alexander Moosbrugger (Neos plus) hatten mit der Entscheidung um das höchste politische Amt in der Landeshauptstadt nichts zu tun. Schoch konnte mit 11,6 Prozent ihren Stimmenanteil im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren um drei Prozent ausbauen und auch Moosbrugger fuhr mit 5,18 Prozent (plus 3,3) ein deutlich stärkeres Ergebnis ein als noch 2015. „Die Zeit war offensichtlich noch nicht reif für die erste Bregenzer Bürgermeis­terin. Aber nach der Wahl ist vor der Wahl“, gab sich Schoch kämpferisch

Blaues Wunder erlebt

Kuner war erstmalig als Spitzenkandidat in eine Wahl gegangen, blieb aber erwartungsgemäß mit 5,5 Prozent hinter dem Ergebnis von Andrea Kinz von 2015 zurück. Die Gastronomin hatte damals 16,3 Prozent gemacht.
In der Stadtvertretung haben sich die Verhältnisse leicht verschoben. Zwar bleibt die ÖVP mit 39,39 Prozent die stärkste Fraktion, verlor jedoch ein Mandat und auch einen Stadtrat. Team Bregenz von Michael Ritsch bekam drei Sitze in der Stadtvertretung (von acht auf elf) und einen Stadtrat dazu. Die Grünen fuhren mit 16,6 Prozent das beste Ergebnis in der Geschichte der Bregenzer Grünen ein und können sich über einen weiteren Stadtrat und einen zusätzlichen Sitz in der Stadtvertretung freuen.

Erfolg und Niederlage

eos-Mandatar Moosbrugger war bisher Einzelkämpfer und darf sich nun über Unterstützung freuen. Neos plus hat nun zwei Stadtvertreter. „Jetzt haben wir mehr Ressourcen, können die Ausschüsse bespielen und dürfen in den Ausschüssen mit abstimmen. Das sind wesentliche Punkte und wir haben eine Verpflichtung gegenüber dem Wähler, der wir nachkommen wollen.“ Für die FPÖ wurde die Wahl wie für den Spitzenkandidat zum Desaster. Sie verlor den Stadtrat und vier Mandate. „Es ist ein sehr bitteres Ergebnis“, ließ Kuner wissen.

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