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Kaufmann dirigiert weiter

14.09.2020 • 09:42 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Traditionell dirigiert die Bürgermeis­terin nach der Wahl die Musikkapelle am Rathausplatz.<br><span class="copyright">Philipp Steurer</span>
Traditionell dirigiert die Bürgermeis­terin nach der Wahl die Musikkapelle am Rathausplatz.
Philipp Steurer

Grüne werden zweitstärkste Kraft, Verlierer sind Sozialdemokraten und FPÖ.

Es ist 16.15 Uhr. 39 von 44 Sprengel sind bereits ausgezählt – jedoch ohne die 6200 Briefwahlkarten. „Das wird sich noch in die Länge ziehen“, kündigt Ralf Hämmerle von der Kommunikationsabteilung der Stadt Dornbirn an. Was zu diesem Zeitpunkt bereits fix scheint, ist, dass es keine Bürgermeister-Stichwahl geben wird. Darüber ist man zumindest aus organisatorischen Gründen erleichtert.

Ralf Hämmerle koordinierte die Zwischenergebnisse. <span class="copyright">Philipp Steurer</span>
Ralf Hämmerle koordinierte die Zwischenergebnisse. Philipp Steurer


Tatsächlich sollte sich die endgültige Ergebnisverkündung noch bis nach 18 Uhr herauszögern. Bis dahin ist vor allem eines spannend: Bekommen die Neos einen Stadtrat oder nicht? Bei jedem Uptdate, welches mit einem Beamer auf eine Leinwand im Besprechungszimmer neben dem Büro von Dornbirns Bürgermeisterin Andrea Kaufmann (ÖVP) geworfen wird, schaut Neos-Spitzenkandidat Wolfgang Fässler wie gebannt auf die flimmernden Zahlen. Mal verspricht eine Hochrechnung Positives, mal nicht. Bis es irgendwann fix ist. Die Neos bekommen zwar ein zusätzliches Mandat, ein Stadtrat geht sich aber nicht aus.

Kein Stadtrat für die Neos


Fässler hat bis zum Schluss gehofft, zufrieden ist er trotzdem. „Was wir erreicht haben ist hervorragend. Obwohl wir einen Kandidatenwechsel hatten, sind die Wähler von unseren Visionen und bodenständigen Argumenten überzeugt“, kommentiert Fässler das Ergebnis (8,48 Prozent, +2,82).

Neos-Spitzenkandidat Wolfgang Fässler (Mitte). <span class="copyright">Philipp Steure</span>r
Neos-Spitzenkandidat Wolfgang Fässler (Mitte). Philipp Steurer

SPÖ enttäuscht


Stadtrat Markus Fäßler (SPÖ) hingegen ist bitter enttäuscht. Die Dornbirner Sozialdemokraten selbst verloren massiv an Stimmen (13,90 Prozent, –6,07) und damit zwei Mandate. „Wir haben weder die 20 Prozent erreicht, noch werden wir den zweiten Stadtrat halten können“, sagt er, hebt aber auch sein persönliches Ergebnis als Bürgermeisterkandidat hervor. „Für mich ist es ein sehr gutes Ergebnis, ich bin Zweiter hinter der Bürgermeisterin und stelle daher auch den Anspruch auf den Vizebürgermeister“, kündigt Fäßler an.

SPÖ-Stadtrat Markus Fäßler.<span class="copyright"> Philipp Steurer</span>
SPÖ-Stadtrat Markus Fäßler. Philipp Steurer

Ein weiterer positiver Aspekt für den SPÖ-Stadtrat ist, dass die Mehrheit der ÖVP verhindert würde. Die Dornbirner Volkspartei kam am Ende auf 43,53 Prozent (-0,68) und bekam ein Mandat dazu (17).

Keine Stichwahl

Um kurz nach 18 Uhr ist dann das Ergebnis fix. Traditionell erscheint auf dem Vorplatz am Rathaus die Musikkapelle und nimmt Position ein. Bürgermeisterin Andrea Kaufmann wird auch heuer ein Liedchen dirigieren. Oder auch zwei.
Mit 51,68 Prozent wird Kaufmann zur Bürgermeisterin gewählt. Vor fünf Jahren waren es 51,29 Prozent. Auf ein solches Ergebnis hatte die Bürgermeistern gehofft. „Ich habe gehofft, dass es nicht zur Stichwahl kommt. Es ist nicht selbstverständlich, bei fünf Kandidaten im ersten Wahlgang über 50 Prozent zu holen“, sagt Kaufmann, froh darüber, dass es geklappt hat.

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Philipp Steurer


Bezüglich der neuen Zusammensetzung in der Stadtvertretung betont Kaufmann, dass man von jeher mit allen Fraktionen gut zusammengearbeitet habe. Nun gelte es erst einmal, Stadträte, Ausschüsse und Referate neu aufzustellen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir da gut gemeinsam starten werden“, sagt sie.
Kaufmann war eine Verfechterin davon, möglichst früh – nach der Verschiebung im März – zu wählen. Dass das Management der Corona-Krise Auswirkungen auf das für sie positive Ergebnis hatte, glaubt sich nicht. Sie hofft und glaubt vielmehr, dass die kompletten vergangenen fünf Jahre der Stadtentwicklung einen großen Einfluss hatten.

FPÖ-Stadtrat Christoph Waibel. <span class="copyright">Philipp Steurer</span>
FPÖ-Stadtrat Christoph Waibel. Philipp Steurer

Blaues Bomardement

Mit einem blauen Auge davongekommen ist wohl die FPÖ – zumindest formulierten es einige andere Stadtvertreter derart. Immerhin konnte Christoph Waibel den Stadtrat halten. Die Ursache für das bescheidene Ergebnis 11,9 Prozent (16,18) sieht er klar auf Bundesebene. „Das, was sich da im vergangenen Jahr abgespielt hat, trifft auch die Vorarlberger Freiheitlichen. Dieses Dauerbombardement an Geschichten aus Wien ging nicht spurlos an uns vorbei“, meint er. Man müsse nun mehr herausarbeiten, für welche Art von Politik die Freiheitlichen stehen. Nicht „die Taschen füllen“, sondern für die Menschen da sein. Und wenn man nicht einverstanden sei, müsse umgehend ein Gegenkonzept präsentiert werden. Das sei jedenfalls der Plan für die nächsten fünf Jahre. „Und dann wird das Ergebnis definitiv wieder besser ausfallen“, ist sich Waibel sicher.

Die HAK verpasst knapp den Einzug ins Stadtparlament. <span class="copyright">Philipp Steurer</span>
Die HAK verpasst knapp den Einzug ins Stadtparlament. Philipp Steurer

HAK knapp vorbei

Er regelrechtes Nervenkarussell ist die langwierige Auswertung für die Vertreter der Heimat aller Kulturen (HaK) gewesen. Permanent kratzten die Werte an der Hürde zum Einzug in die Stadtvertretung. Am Ende haben sie den Einzug mit 400 Stimmen und 2,31 Prozent knapp verpasst.

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