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Von grünen Bergen und tiefen Narben

14.09.2020 • 20:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Begeisterte am Wochenende bei seinem Auftritt im Dornbirner Spielboden: Prinz Grizzley.<span class="copyright"> Daniel Furxner</span><span class="copyright"> </span>
Begeisterte am Wochenende bei seinem Auftritt im Dornbirner Spielboden: Prinz Grizzley. Daniel Furxner

Prinz Grizzley and his Beargaroos präsentierten ihr neues Album.

Es gibt wohl keine bessere Band, die das erste Indoor-Konzert im Spielboden in Dornbirn nach dem Lockdown hätte spielen können. Nachdem alle Besucher ihre nummerierten Sitzplätze gefunden hatten, legte die Band recht pünktlich los.

Viele waren wohl schon auf einem Frühschoppen, diesmal war es eben ein „Spätschoppen“, bei dem man mit einem Bier in der Hand dasaß und gemütlich zur Musik mitschunkeln konnte. Country-Musik wie die von Prinz Grizzley bietet sich dazu ja perfekt an.

Ganz neu und fetzig

Drei Lieder lang ließ Chris Comper aka Prinz Grizzley, Sänger und Gitarrist der Band, das Publikum in diesem Glauben. Dann machte es Bang, und das Konzert startete mit „Give Me One More Reason“ nochmals ganz neu und fetzig durch. Comper machte auf der Bühne mit dem hellen Cowboyhut natürlich standesgemäß eine gute Figur. Das Image des Lonely Cowboy verkörperte er perfekt. International erfahren und erfolgreich wie er ist, weiß er, wie Image und Musik am besten harmonieren.

Klischeegefahr

Trotz der immer lauernden Klischeegefahr schaffte es Chris das ganze Konzert hindurch, mit seinen auf Wälderisch vorgetragenen Ansagen das Publikum zu begeis­tern und somit lebensnah und authentisch zu sein. Die Inhalte der Texte wurzeln im eigenen Leben, die Songs sind in den grünen Bergen des Bregenzerwaldes geschrieben. Liebe, Sehnsucht, Betrug und das unbarmherzige Leben eines Auswanderers spielen hinein. Und immer wieder tauchte der Opa in den Liedzeilen auf, der, aus Südtirol stammend, in Vorarlberg kein leichtes Leben hatte.

Sehr persönlich

„To My Green Mountains Home“ heißt der zweite Longplayer des Bregenzerwälders, den er inhaltlich sehr persönlich gestaltet hat. Die neuen Songs „Drifting“, „Nothing Left But Scars“ oder „Magdalena“ boten rockigen Americana-Sound. Mit seiner leicht angerauten Stimme und dem wohl absichtlichen Verschlucken der englischen Endsilben zauberte er eine feine Live-Präsenz auf die Bühne. Seine Bandmitglieder Johannes Bischof an der Pedal-Steel, Claude Meier am E- und Kontrabass und Andreas Wettstein an den Drums harmonierten als eingespieltes Team bestens miteinander. Vor allem die Pedal-Steel-Soli überzeugten auch nach dem x-ten Mal Hören und sind immer wieder ein Genuss für die Ohren.

Durch Mark und Bein

„Meet Me At The Pines“ war schließlich ein Kracher, der durch Mark und Bein ging und kein Bluesherz kaltließ. In diesem Lied erkannte man, dass Prinz Grizzley seinen Blues gründlich studiert hat. Die Artenvielfalt der Songs ist durch das zweite Album noch größer geworden und spiegelte sich auch beim Liveauftritt wider.

Der verdiente „sound@v“-Sieger in der Kategorie Rock/Pop (in Ermangelung der Kategorie Country/Blues?) begeisterte auf ganzer Linie. Konzerte im Sitzen machen zwar nicht so viel Spaß, aber mit dieser explodierenden Art von Musik war dieser Nachteil am gestrigen Abend zu verkraften. Neben der Poolbar hat nun auch der Spielboden eindrucksvoll gezeigt, wie ein Rockkonzert unter Covid-19-Bestimmungen abgewickelt werden kann. Eine erfreuliche Erkenntnis, dass dies auch indoor möglich ist.

Daniel Furxner